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12 Sekunden

12 Sekunden

Nach einer wahren Begebenheit aus dem virtuellen Leben von
Abelard Lindsay (Magier)

Eines Samstags Morgens im Terrokar Wald.
Die Sonne brennt, ein Wind pfeift über den Flusslauf hinunter zum Rand dieser schrägen Welt. Ich habe deutlich das Gefühl zu schwitzen, aber man sieht es mir nicht an. Es ist nicht die Sonne an diesem Samstag Morgen, es ist die Aufregung, die pure Anspannung, das Lauern auf den Moment. Der Puls rennt. Im Schatten eines hohen Baumes stehend wird mein eigener Schatten unsichtbar und ich warte auf den richtigen Moment. Ich kann ihn förmlich riechen. Dieses mal wird er mir nicht entkommen.

Zu lange habe ich schon warten müssen. Einem Magier entkommt man nicht so ohne weiteres. Dieses mal nicht Bürschchen, sag ich mir im Stillen. In deinem eigenen Saft wirst du schmoren und das Feuer spüren. Ein schwaches Zittern in meinem rechten Ellbogen. Zu viel Adrenalin, aber ich habe keine Wahl, ich kann es jetzt nicht abbrechen. Nicht jetzt, die Uhr läuft, nur noch 12 Sekunden. „Du bist bist zu alt für so einen Scheiß“, denk ich im Stillen und versuche das Zittern in meinen klapprigen Gliedmaßen zu unterdrücken. 11 Sekunden, ich ertappe mich dabei wie ich die Luft anhalte um das lächerlich schwache Geräusch, meiner vor Anspannung pfeifenden Lunge, zu verhindern. Ganz leise versuche ich durch den weit geöffneten Mund langsam die Luft entweichen zu lassen um zu atmen. 10 Sekunden, gleich muss es geschehen. Meine Beine versteifen sich wie ein Felselementar. 9 Sekunden, mein Herz scheint von innen gegen die Brust zu drücken, 8 Sekunden, ich höre auf zu blinzeln. In den nächsten zwei Sekunden sehe ich ihn ausgeweidet vor mir liegen, vor meinem inneren Auge. 5 Sekunden, etwas fliegt über den Wald, nicht ablenken lassen, konzentriere dich Abe, konzentriere dich. 4 Sekunden, es beginnt in meinen Ohren zu pfeifen, zu wenig Luft ich muss atmen, die Anspannung ist unerträglich. 3 Sekunden, ich fange an zu zweifeln, wozu das alles, was tue ich hier eigentlich, konzentriere dich Abe...
2 Sekunden, jetzt oder nie verdammt ein weiteres mal halte ich den Atem an, ich sehe , ich konzentriere mich ... ich will , jetzt...
So ein Mist verdammt nochmal. Der Zauber meines Schmuckstücks ist abgelaufen ! Plötzlich ein Geräusch , ich reisse die Angel aus dem Wasser und: „Yippi Ahyea Schweinebacke!“, mein Tag ist gerettet. Der schwarzen Stachelflosser verschwindet nach einem kurzen Hieb auf den Kopf in meiner Tasche, ich atme auf. Das war weit mehr Aufregung für einen Tag als meine Heilerin mir erlaubt.

Mit völlig erschöpften Grüssen,
Angel Lindsay - Posthaken und Überblinker schlechten Fischs


Abelard Lindsay - Postbote und Ueberbringer schlechter Nachrichten