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Antiporno | Pinku Eiga

Glück ist, wenn man zufällig in Hamburg ist um ein Feuerwerk zu sehen, dann beim japanischen Filmfest vorbeischaut und mit einem Film von Sion Sono überrascht wird.

Antiporno ist Grandios, aber nicht leicht zu interpretieren. Wir haben noch Stunden über den Film geredet. Immer wieder kamen Szenen hoch, die während der Filmvorführung nicht gleich verständlich waren. Den Film im Original mit Untertitel zu sehen war schön, aber auch anstrengend.

Die Bildsprache war reduziert aber auch gewaltig. Ein Farbflash, wie man ihn nur selten sieht. Das typisch japanische Overacting kam hier meiner Meinung gut zur Geltung. So wurde das Bild einer wirklich verzogenen Göre gezeichnet, die im Überfluss lebend, verächtlich auf ihre Mitmenschen blickte. So gab es dann auch gleich mehrere Plot Twists um den Zuschauer in ihre Welt hinein zu ziehen. Der Zuschauer wird zum Publikum, zum Mitverschwörer. Grandios.

Insgesamt hinterlässt der Film einen bleibenden Eindruck, vor allem wegen seiner Kulisse, aber auch wegen der für Sion Sono typischen Standpauken die mit klassischer Musik untermalt werden. Gnadenlos, Schonungslos und mit surrealen Metaphern nimmt sich der Regisseur die Freiheit eine feministische Anklage in einen Pinku Eiga zu pressen.

Die Schauspielerinnen haben das Maiximum aus dem Drehbuch herausgekitzelt. Was man erst im Nachhinein richtig realisiert.
Sie tauschen nicht nur die Rollen, sie verdrehen die Gefühle des Zuschauers. Und das nicht nur einmal.

Grandios.

btw: Sehenswerter als Antiporno ist Sion Sonos "Love Exposure", welchen ich noch mal gesondert besprechen muss.