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Brainstorm zu [SPOILER ALERT] | Die Klavierspielerin (Der Film)

Dies ist ein Brainstorming / inhaltlicher Kommentar zu dem Film - Die Klavierspielerin (FSK 16)

Wer den Film nicht gesehen hat, kann mit diesen Gedanken nicht viel anfangen.

 

Ich denke über die Prota(gonistin) folgendes:

Die Prota hatte selbst keinerlei Vorstellung von Sexualität, außer das, was über Pornografie erfahren konnte. Visuelle Eindrücke.
Wahrscheinlich hatte sie selbst auch noch keinen Orgasmus, noch hatte sie selbst eine sexuelle Identität. Daraus resultierend waren die stärksten Gefühle die sie sich selbst beifügen konnte, der Schmerz. Schmerz löst den bekannten Mix körpereigener Drogen aus. Dass es beim Deepthroat auch schon mal zum erbrechen kommen kann, wurde ihr in der Pornografie nicht gezeigt. Das muss sie sehr überrascht haben. Insgesamt mangelte es ihr an jeglicher Erfahrung ausserhalb ihrer begrenzten Klavier- und Bücher-welt. Empathie und Sozialkompetenz sucht man bei ihr vergeblich. Die Szenen mit ihrer Mutter zeigen ein Stockholmsyndrom ähnliches Verhalten.

Die Schluss Szene dürfte die meiste Verwirrung stiften. Da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich auch nur spekulieren.
Ich vermute, die Prota wollte ein Bühnenreifen, dramatischen Abgang inszenieren. Doch als ihre unerwiderte Liebe in einer großen Gruppe daherkam und so keinerlei Notiz von ihr nehmen wollte, verließ sie der Mut. Nach kurzem Zögern wagte sie den Versuch, scheiterte aber an dem blöden Detail, dass es gar nicht so einfach ist, mit einem dicken Messer ... der Versuch missglückte und sie ließ sich in ihre Depression zurückfallen.

Ich muss zugeben, sehr mit ihr sympathisiert zu haben. Ich habe ein faible für solch schwierige (Film) Figuren.
Doch auch den Jungen konnte ich sehr gut verstehen. Beide, jeder für sich genommen, waren auf ihre Art romantisch verblendet.

Der reiche Schnösel mit einer Erziehung die ihn in Watte packte, konnte gar nicht wissen, in welchen Abgrund er bei ihr blickte. Er konnte aus seiner Perspektive sie gar nicht verstehen. Dazu fehlte es ihm an Reife und Mitgefühl.

Sie, als Sozialkrüppel, bettelte um Gefühle und darum wahrgenommen zu werden. Sie hätte auch mit einem doppelten so langen Brief, ihre Gefühle gar nicht beschreiben können. Weil sie gar keinen "genormten" Vergleich hatte. Aus der Unfähigkeit dieser beiden Menschen, ihre Gefühle zu beschreiben ergab sich die spätere Tragödie.


So würde ich den Inhalt interpretieren. Ich würde mich freuen, weitere Gedanken oder Kommentare dazu zu lesen.

 

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