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Das kunterbunte Küchenregal | Kein Bock auf IKEA

Irgendwann, kam dann der Punkt in unserem Leben, an dem wir dachten, warum leben wir nicht einfach? Machen was uns gefällt, egal was andere sagen. - Danach konnten wir uns dazu durchringen etwas zu tun, was auch bei Schwiegermutter sicherlich Stirnrunzeln hervorrufen wird.

Und wenn wir auch noch dabei sind, die ein oder andere Barriere in unserem Kopf abzubauen, ergab es sich, dass wir beinahe die Gleiche Vorstellung hatten, wie unsere Küche mal werden soll. Gemütlich, bunt statt, kalt und steril.

Gesagt getan, an den Akkuschrauber, Säge, Los!

Tini stellte sich vor, alte Obstkisten als Regal an die Wand zu nageln. Für Gewürze und Kleinigkeiten. Ich dachte sofort daran, die Rückwände ein wenig mit Stoff zu beziehen um etwas Farbe hinein zu geben. Ich sägte, schraubte, sägte, sägte und schraubte, klebte ... bis endlich das erste Musterexemplar fertig war.

Erstes Werk

Das Vorbild für dieses Projekt war auch schnell gefunden. Pippi Langstrumpf * - ein kunterbuntes Haus. ( * ... und diverse kleine Bildchen aus Manga - ich mag diesen kitschigen Japan-Trash)

Aber wir brauchten dazu Obstkisten. Die mussten wir tatsächlich kaufen. Und wirklich günstig sind die auch nicht mehr in unserer Region. Es hat sich bereits als Modetrend etabliert, Kisten vor die Tür zu stellen als Blumenpodest, oder um etwas bäuerliche Atmosphäre zu schaffen. Nagut, den Trend hatten wir verpennt. Jetzt hatten wir das nachsehen. Der „Alte Obstkisten Verkauf“ ist mittlerweile professionalisiert.

Vom Stoffmarkt in Hamburg berichtete ich ja schon, dort fand ich einiges an Material. Den Rest kratzte ich aus meinen Bastelkisten zusammen. Ich habe unmengen an "Gefuzzel", "Krimskrams", "Zeugs" - meist für Einladungen, Flyer, Geschenkeinpackorgien oder ähnliches Gebastel gedacht.

Zeugs

Das Regal war gleich zu Anfang mehr als Deko gedacht. Nicht wirklich zur praktischen Nutzung, denn dort oben komm selbst ich nicht ohne mich zu strecken heran. Also brauchte ich keine Rücksicht nehmen, dass es sonderlich stabil ist. Wenn man es wollte, könnte man aber die Böden verstärken, das wäre kein großes Problem.

Auch gab ich mir keine Mühe, alles Exakt zu arbeiten. Im Gegenteil. Eine deutliche Spur von naivem Dilettantismus ist beabsichtigt. Auf keinen Fall sollte es nach Shabby-Chic aussehen.

Das meiste schraubte ich. Vieles wurde fest getakkert, mit einer Büroklammer-Pistole. Keine Ahnung wie das Ding im Fachjargon heisst, ich weiß nicht mal wie das in meine Werkzeugkiste gekommen ist. Und ein wenig musste ich auch mit der Heißklebepistole arbeiten.

Ursprünglich stellte ich mir vor, dass die Küchenuhr einfach aber kreativ mit verbaut wird. Da konnte ich meine bessere Hälfte nicht von überzeugen.

Uhrwerk

Ich bin zwar zeitlos, aber wohne halt nicht allein. Also musste ich den Chronographen wieder frei schneiden. Das hat auch den Vorteil, dass man die Sommer und Winterzeit einstellen kann und die Batterie wird erreichbar ohne dass ich die Regale erst wieder abschrauben muss.

Ein paar Details fehlen noch, hier und werden sicher noch kleine Korrekturen folgen. Doch im großen und ganzen bin ich mit den Ergebnis schon zufrieden. Es hat sich auch gleich gefunden dass wir unsere Tee und Kaffee Vorräte dort dekorativ unterbringen können. Das entlastet wiederum andere Schubladen und so wird das Regal doch noch zu etwas nütze.

Tipps:
Safety First: Wenn ihr ein ähnliches Vorhaben in die Tat umsetzen wollt, zieht euch Handschuhe an. Rostige Nägel und das verdreckte Holz, das ist nicht gesund in der Blutbahn.

Kauft/leiht/besorgt euch eine kleine Hand Metallsäge. Ihr müsst die Kisten zum Teil erst einmal zersägen. Und zwar müsst ihr die alten genagelten Verbindungen vorsichtig trennen. Dazu schneidet ihr die Nägel und Krampen durch, um die alten Brette möglichst vollständig zu erhalten. Auch verrostet Nagelköpfe wollt ihr vielleicht gern erhalten, also ran an die Säge.

Säge

Ihr könnt eine elektrische Stichsäge oder aber auch die klassische Laubsäge verwenden. Die elektrische hat Vor und Nachteile. Der Nachteil, sie hat hin und wieder zu viel Power. Ohne Übung zerstört man vielleicht mal was.

Ich habe viel geschraubt, weil ich a) mir ständig auf den Daumen hauen würde, b) meinen Akkuschrauber über alles liebe und c) ich immer wieder Fehler mache und dann kann ich den Schrott den ich fabriziere gleich wieder auseinandernehmen. Dazu benötigt man dünne Schrauben, nicht zu kurz aber auch nicht zu lang. Wenn ihr keine Vollprofis seid, nehmt nie Kreuzschlitz und auf gar keinen Fall Schlitzschrauben. Torx, sehen ein wenig aus wie kleine Imbusschlüssel, sind ein Segen. Ehrlich. Lasst euch da kurz mal beraten, kauft einen kleinen billig Akkuschrauber, das langt für die meisten Zwecke. Bits, die passenden Schraubköpfe, liegen meist den Schrauben bei. Wenn man nicht hunderte von Eichen oder Bangkirai Hölzer verschrauben will halten auch die billigen Bits ohne ab zu nutzen. Setzt die Schrauben so, dass sie nicht sichtbar sind, oder überklebt sie später.

Nehmt euch viel Zeit. Ruhe und lasst euch nicht entmutigen, wenn mal etwas Schief und Krum wird. Das ist nicht Krum, das hat Charakter und es ist auch nicht Schief, es hat nur keine Lust.

Mit gebastelten Grüßen,
yt