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Folter im Weltraum | Enterprise - DVD Serie (Oldie Review)

StarTrek Enterprise -  2001–2005 - FSK12 (Vier Staffeln)

Kriegsverherrlichung im Weltraum?

Wir schauen uns gerade das erste Mal die komplette Serie Enterprise an und sind gerade an einem Punkt angelangt, der uns beide furchtbar enttäuscht.

Während in den ersten beiden Staffeln der Kapitän, geradezu vorbildlich, höflich und respektvoll, mit "seiner" Besatzung umgeht, ist es in der 3. Staffel ein unerträglicher Kasernenton. Aus dem ehemals freundlichen, besonnen Kapitän, wird völlig unvermittelt ein kleines Arschloch, dass nicht mal danke oder bitte sagt, - da heisst es dann nur noch "Wegtreten".

Screenshot aus der Serie: Enterprise - Captain Jonathan Archer foltert
einen Außerirdischen Kleinkriminellen in einer Luftschleuse.

Ein weiterer Punkt, der meiner Frau sofort auffiel war, dass in den ersten beiden Staffeln niemand durch die Hand eines anderen vor der Kamera getötet wurde. Es gab zwar "Tote" Personen auf Raumschiffen, doch die waren meist einer "Katastrophe" vor langer Zeit zum Opfer gefallen. Bei der Nutzung der Waffen wurden diese auf Betäubung gestellt, oder es gab "nur" Verletzte. Prügeleien gibt es auch, immerhin spielt es ja noch vor Cpt. Kirk - der wilde Westen ist noch präsent. Das sollte sich mit Beginn der dritten Staffel schlagartig ändern.

Dieser Ausschnitt aus der Wikipedia trifft, nicht rein zufällig, was wir beim Zusehen der Serie selbst festgestellt hatten:

»So wird unterstellt, dass zugunsten der Action der ethisch-moralische Diskurs in den Hintergrund trat. Ähnlich ist die zunehmende Brutalität der Serie ab der dritten Staffel zu bewerten, in welcher Protagonisten ethisch fragwürdige Verhaltensweisen offenbaren (Informationsbeschaffung mit folterähnlichen Methoden).«

Ob zugunsten oder nicht, es ist faktisch mehr "Action" aber auch deutlich weniger Handlung ab der 3. Staffel. Sinnlose Ballerei wäre noch zu ertragen gewesen, doch die völlig unreflektierte Informationsgewinnung durch Folter ist IMHO nicht zu entschuldigen. Dabei "folterähnlich" in die Wikipedia zu schreiben ist eine Verharmlosung, und ich kann mir keinen rationalen Grund denken warum jemand "folterähnlich" schrieb. (die Serie ist FSK 12 bewertet!)

Schlimm genug, das dem Captain des Raumschiffes nichts besseres als Lösung einfällt, als den wehrlosen Gegner in eine Luftschleuse zu stecken um ihm die Luft und den Luftdruck! zu nehmen, es wird auch kaum in Frage gestellt. Kein Dialog darüber, warum eine Alternative nicht in Frage kam. Pädagogisch wertvoll ist das nicht.

StarTrek und die #Sternenflotte, später auch die Föderation, stehen ohnehin in einem sehr fragilen Verhältnis zum freiheitlichen, kooperativen Denkschema. Durch die verschiedenen Dienstgrade ergibt sich ein militärische Hierarchie, in der Befehlsverweigerung auch bestraft werden kann. Wie die Menschheit es schaffte, trotz dieser Denkweise den Kapitalismus zu überwinden wird leider in keiner ST Serie erklärt, auch in dieser nicht.

Über dies hinaus, wird die Serie zunehmend sexistischer, in einer Richtung die das klassische, alte Frauenbild bis in den letzten Winkel der Galaxie ausbreitet. Das ist nicht nur peinlich, es ist auch fantasielos. Die Vulkanierin T'Paul wird anfänglich, in fast jeder Folge der dritten Staffel, halbnackt gezeigt und muss den Chefingenieur auf jeden nur erdenkliche Weise massieren. Das wäre aus medizinischer Sicht wunderbar. Doch ihre zuvor hochgeschlossene, zweckmäßige und neutrale Kleidung in miliertem Mausgrau wurde durch ein Ganzkörper-Dekoltee in Rot ausgetauscht. Gratulation. Wer sich so etwas nur ausdenkt? Logisch - es reizt mit den Gegensätzen der vulkanischen Logik und der Prüderie der Menschen zu spielen. Aber auch das war in den beiden ersten Staffeln wesentlich feinsinniger gelungen. Und auch die Achse des Bösen ist weiterhin männlich dominiert. Verkauft werden auf Fremden Planeten nur "Liebes-Sklavinnen". Und so weiter... und so weiter ...

Von den "Angriffs Söldernern" die nun zur Besatzung gehören, ... nunja, es ist ja keine Forschungsmission mehr - und genau das ist wohl das größte Übel an dieser Staffel. Es kommt mir vor wie eine Kriegsverherrlichung.

Die geschliffenen Ansprachen eines Jean Luc Picard, der den Zuschauer mit Zitaten aus der römischen Antike an die Wand einer denkbar möglichen Zukunft festnagelt und dabei der Ethik einen würdigen Rahmen verleiht, sucht man hier vergeblich.

Es gibt auch positives über diese Serie, insbesondere der ersten beiden Staffeln, zu sagen, das werde ich dann evtl noch könnnen, wenn ich bis zum Ende der vierten Staffel durchgehalten habe.

 

Technische Kritik

Die ersten beiden Staffeln sind in der Synchronisation gut. Im Original ist die Geräuschkulisse natürlicher, authentischer. Die DVD Box in Pappschubern ist sehr empfindlich, aber günstig. Ab der dritten Staffel wird die deutsche Tonspur dumpf und merkwürdig unausgewogen. Das Bild entspricht dem damaligen Stand der Technik. Häufig flirren Raumschifftexturen.

Empfehlenswert im Original nur, wenn die technischen Begriffe bereits bekannt sind. Es ist in jedem Fall hilfreich die englishen Untertitel zusätzlich einzublenden.

 


Wer sich für das StarTrek Universum interessiert, sollte meiner Meinung mit "The Next Generation" (#TNG) beginnen. Die Qualtität der Serie ist zu Anfang nicht mehr zeitgemäß und durchaus auch trashig, doch die verschiedenen philosophischen Ansätze, zu dem Konflikt der in den einzelnen Episoden dargestellt wird, treffen zum Teil noch heute den Nerv der Zeit.