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OmU Filmtip | Network

The Tube. Die Glotze. Die Röhre, Mattscheibe, Flimmerkiste, das Fenster zur Welt. Der Zeitfresser, Werbebrüller, Propagandawürfel, TV und Couchmagnet. Das Zentrum vieler Familien, ein Feind des Buches. Für unzählige Programmzeitschriften wurden bereits ganze Tropenwälder abgeholzt. Der verbleibende Elektronikschrott im Verhältnis zur schwindenden Hirnmasse der Benutzer, würde Gewiss genügen um damit die fehlende Materie im Weltraum zu erklären. Die Weltformel wäre damit vollständig.

Interessanter Weise hat sich am Fernsehen und insbesondere an der Finanzierung und Inhalt, seit den 70ern so gut wie nichts verändert. Genauso wenig wie in der Politik.

Der Film »Network« [Wikipedia Link] [Vorsicht auch Spoiler] von 1976, weist derart erschreckende Parallelen auf, man könnte meinen, die Zeit wäre stehen geblieben. Genausogut könnten Morgen schon SUV große Echsen und Saurier vor unserer Tür stehen, die natürlichste Sache der Welt.

Orginal mit Untertitel ist empfohlen.

Sowohl die Filmtechnik als auch das heimische Wiedergagerät, hat sich vergleichsweise stark fortentwickelt. Der Film ist weder 3D, noch wurde er nachcoloriert. Bleich, matschig, Kontraste fehlen und somit auch jegliche Tiefe. Ein Augenschmaus ist das nicht. Die deutsche Tonspur klingt wie durch ein Joguhrtbecher gesprochen, die Sprecher wurden scheinbar angewiesen - "bitte recht laut und deutlich" zu sprechen. Was sie nach besten Kräften taten. Stimmung kommt da nur selten auf. Die Geräusche im Hintergrund sind für mein Empfinden plump und übertrieben. Mit ein Grund, warum man den Film im Original gucken sollte. Auch wenn dort die Tonspur auf Mono reduziert wurde, muffig und wenig dynamisch vor sich her blubbert, wirkt die Brandrede des Protargonisten doch nachhaltig.

Wer des Englischen mächtig ist, kann auch die englischen Untertitel einblenden lassen. Die Dialoge sind sind nicht sehr kompliziert, Fremdworte ergeben sich logisch aus dem Kontext, so dass auch ein Wort mal überhört/überlesen werden darf.  Eines der wenigen Wörter das evtl nicht so geläufig ist, der »Schmock«, ein jüdisches Wort und könnte IMHO in dem Film als selbstgefälliger, selbstgerechter Idiot interpretiert werden.

Die DVD »Network« steht mit 1984, Krieg der Welten, Solyent Green und anderen Dystopischen Klassikern in einer Reihe - hat jedoch eine weitere Botschaft, die über das Anprangerns des Fernsehkonsums und der audiovisuellen Propaganda hinausgeht. Es ist einer der Höhepunkt des Filmes, der im Kontext unserer Informationsgesellschaft, eine ganz fundamentale Weltanschauung verdeutlicht und auf den Punkt bringt. Ich will das nun nicht vorweggreifen. Es steht auch im Wikipedia Eintrag des Filmes [Spoiler]. Tatsächlich hätte dieser Punkt mehr Aufmerksamkeit verdient. Man hätte durchaus einen ganzen Film daraus machen können. Und selbst heute noch, wäre es gut diese Wahrheit mal deutlich unter das Volk zu bringen.

Ich wünsche viel Vergnügen, bei diesem Schinken. Wer den Film »Wag the Dog«, »Wallstreet« oder »Fletchers Visionen« mochte, wird diesen Film evtl auch mögen.

Mit wahren Grüßen,
yt