Der Narr

(Satire, Märchen 2009)

In einem Land, fern unserer Vernunft und lang vor unserer Zeit, lebte einst ein König. Von Politik hielt er wenig, er war Monarch. Mit der Monarchie kannte er sich jedoch bestens aus.

Das es sich um einen König handelt, und nicht um eine Königin ist kein böser Wille und soll die Frauenquote in diesem Märchen nicht stören. Auch der im späteren Verlauf erwähnte Narr ist eher eine Metapher. Ich bitte, trotz dieser politisch unkorrekten Erzählweise um Nachsicht. Es steht dem Leser frei, die Handlungstragenden durch Menschen jedweder ethnischer, geografischer Herkunft und sexueller Orientierung, beziehungsweise geschlechtlicher Gefühlslage, zu ersetzen.

Narr im Kerker

Besagter König wurde nicht wegen der Erbfolge zum König, er hatte die besseren Manieren und konnte durch seine gebildete Ausdrucksweise davon überzeugen, dass wenn überhaupt jemand, dann er von Gott auserwählt sei. Gleich nach seiner Krönung durch die Kirche entließ er diese konsequent aus ihren Diensten, tauschte Pastoren gegen Wissenschaftler und das Kreuz gegen ein Thermometer.

Die Sonne

(Kurzgeschichte Prosa 2009, SciFi, v2 (updated 2016, dank an Beccy) )

Monoton schaufelte die Rolltreppe Menschen aus der unteren Etage fort. Mit jeder neuen Stufe zeigten sich ihre blanken Metallzähne. Das kleine Mädchen beobachtete genau. Menschen drängten an ihr vorbei, streiften sie, ohne ihr große Beachtung zu schenken. Ein flüchtiger Blick, ein Hindernis.
Ihre Gedanken vollzogen weitere Schleifen. Unbehagen strahlte durch ihren Körper. Angst vor dieser unbarmherzigen, willenlosen Maschine. Angst vor dem Kontrollverlust. Dem ausgeliefert sein. Angst etwas zu betreten das sie selbst nicht beherrschen konnte. Sie stellte sich vor, wie sie stürzte, in die blanken Zähne.
Das kleine Mädchen zog sich weiter in ihre Gedanken zurück. Erinnerungen zeigten ihr ein junges Mädchen, die gestürzt war und dessen Haar in den Stufen eingeklemmt unerbittlich in die Maschine gezogen wurde. Sie hörte das durchdringende Schreien. Ausdruck der Schmerzen. Der Hilflosigkeit. Die unmenschliche Kraft der Motoren. Entsetzte Gesichter. Haut und Knochen. Erstarrt vergaß sie zu blinzeln. Das Gefühl dieser Furcht lähmte sie vom Kopf aus über den Rücken bis in alle Glieder. Ihr zierlicher Körper spannte sich an und die Körpertemperatur sank.
Sie verlor die Kontrolle ohne die Treppe zu betreten. Ihre Hand strich unwillkürlich über eine gelb leuchtende Sonne, die in Brusthöhe auf ihrer Jacke gestickt war.
Sie beruhigte sich. Ihr wurde wärmer. Die Angst wich.

AKE müssen draußen bleiben
AKE müssen draußen bleiben.

Sie hatte genau gesehen, wie die großen Menschen die Rolltreppe betraten. Viele von Ihnen legten eine Hand auf den schwarzen Kunststoff. Es war nicht leicht zu erkennen, doch wenn sie genau hinschaute, konnte sie erkennen dass der Kunststoff sich mit der Rolltreppe in gleicher Geschwindigkeit und Richtung bewegte. Das bot den Menschen Halt.
Die Erinnerung an den schrecklichen Unfall war wie ausradiert.

Ist nicht mein Bier

(Autobiografisches Polylemma 2008, Kurzgeschichte)

Es war an einem Samstag vor vielen Jahren, kurz vor Ladenschluss, an einem heißen Juli Tag.

Ich stand in einem Supermarkt und hatte vor, mir etwas Aufschnitt und flüssiges Brot für das Wochenende zu kaufen. Es gab einiges leckeres, der Marke „Gut und Günstig“, das meinen Ansprüchen genügte. Gerade erst hatte ich einen neuen Job in der Großstadt angenommen und so konnte ich noch keine großen Sprünge machen.
In der Getränkeabteilung angekommen, fiel mir auf dass hier Astra die Hausmarke in dieser Stadt sein musste. Gewohnte Preise für ein mir unbekanntes Bier.
Es gab auch wunderschönes irisches Bier, aber das war tatsächlich so teuer als hätte man es mit einem Taxi von der Insel hier hin Chauffiert.
Meine Entscheidung fiel also auf zwei Knollen Astra. Der Sommer war warm doch mehr als ein Bier am Abend trank ich selten allein. Der Blick in mein Portemonnaie zeigte mir Ebbe. Leider wollte es sich nicht den natürlichen Gezeiten anpassen. Doch es passte man gerade so. Das Konto sollte auch nicht ständig am Anschlag sein, also achtete ich auf meine Ausgaben.

Kuehlschrank der geschlossen wird

Mitten zwischen den Regalreihen fragte mich plötzlich eine ältere Frau: "Entschuldigen Sie, darf ich Sie etwas fragen?".
Sie war stets überschwänglich höflich.

Brief an Herrn Köhler | Update 2

[Update 3 - 29.11.2009 08:15:42 +0100]
Herr Köhler will das Websperren (Filter) Gesetz noch nicht unterschreiben. Ohne die Unterschrift von ihm kann es nicht in Kraft treten.
Quellen:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bundespraesident-will-Zugangsersc...
http://www.sueddeutsche.de/politik/623/495944/text/
http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/koehler-g...

[Update 2 - 2009-07-20 13:45:38 +0100]
Es war am 16. Juli als ich unerwartet Post vom Bundespräsidialamt bekam.
Eine durchaus angenehme, beruhigende Standardantwort, alles in bester Ordnung.

Post vom Bundespräsidialamt
Ich entschuldige mich bei allen Steuerzahlern das unser Bundespräsidialamt 1,10€ fuer die Antwort ausgeben musste. Es diente einem höheren Zweck. Mit eMails kommt unsere Regierung noch nicht klar.


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