Jeder Mensch ein Glas | Dataholiker

Sind wir Menschen bald gläsern?
Einwohnermeldeamt, Umzugsdaten, Bestattungsunternehmen, Autohändler, Versandhändler, Zeitungs-Abos, Post, GEZ und GEMA - alle haben gigantische Datenbestände. Der Handel damit ist ein riesiges Geschäft.

Wenn Menschen gläsern sind, so würde ich die Metapher wie folgt fortführen:

Unsere Daten sind wie Vodka

Durchsichtig, fließend, werden oft mit anderen vermengt, gepanscht oder als teure Cocktails verkauft. Bei einigen tropft es unkontrolliert aber stetig, anderen liegt es im Blut. Für Kleinkinder eher ungeeignet.
Bei der Herstellung entsteht eine gigantische Menge heißer Luft. Feuerlöschen kann man damit nicht.

Vodka
Visueller Datenmüll, erstellt im Oktober

Herrscharen von Knallköppen sind schon volltrunken und es gibt eine hohe Dunkelziffer an Süchtigen.
Anonyme Dataholiker.

Auffällig ist auch, dass die Jugend immer früher an den virtuellen Tropf gehängt wird, bzw den Nukkel bekommt. Hier zeigt sich deutlich dass Eltern kaum Aufklärung betreiben und häufig selber schon im Vollrausch die Kontrolle verloren haben. Mehr und mehr findet eine gesellschaftliche Akzeptanz statt, aufgrund von mangelnder Kompetenz und fehlendem Problembewusstsein. Die Folgeschäden über einen längeren Zeitraum und auch irreparable Schäden an Psyche und Physis werden häufig ignoriert.

Angesichts dessen was wir produzieren und konsumieren kann man Kopfschmerzen bekommen, manchen wird davon schlecht und der Missbrauch bringt viel zum kotzen. Es ist ein ernstzunehmendes Problem und ein trockener Entzug ist für Abhängige unvorstellbar. Es gibt sogar Fälle von Beschaffungskriminalität!

Obwohl das Rezept seit Urzeiten bekannt ist, und auch die Tatsache dass es kopierbar ist, wird mit Voodoo, Beschwörungen und Marketing versucht die Einmaligkeit und Fälschungssicherheit des Originals zu suggerieren.
Ungeachtet dessen wird plagiert, nachgeahmt, gefälscht, betrogen und schwarz gebrannt.

Derzeit wird viel Energie darauf verwendet ein Quickfreeze einzuführen. Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis. Zudem erscheint es sinnlos, weil die Lagerungsbeständigkeit die kühnsten Vorstellungen übertrifft.
Fest verschlossen und eingelagert wird das Zeug nicht schlecht. Es hält sich quasi ewig. Unsachgemäße Lagerung kann jedoch die völlige Vernichtung zur Folge habe. Anders als bei Wein wird die Qualität im laufe der Jahre nicht besser, es werden jedoch immer mehr Anwendungsgebiete, zur inneren - wie äußeren Anwendung gefunden.

Natürlich könnte die Welt auch ohne auskommen. Es gibt haufenweise Ersatz. Den meisten Menschen fällt ein übler Beigeschmack auf und so verschieden die Geschmäcker sind, will eine großer Teil der Menschheit nicht mehr ohne Leben.

Genuss und Vomitus (lat. erbrechen) - beides geschieht in der Regel freiwillig.

До дна!
yt

Nachtrag: Es herrscht allgemeiner Konsens darüber das "zu viel" ungesund ist. Unbestritten macht die Menge das Gift und doch ist der Gruppenzwang, die soziale Komponente, für viele nicht beherrschbar. In Regionen mit einer geringeren schulischen Ausbildung gilt es nach wie vor erstrebenswert sich damit zu zuschütten oder auch soviel davon aus zu schenken, wie nur irgend möglich.

In einem entscheidenden Punkt hinkt die Metapher, -
Nach einem Absturz lassen sich Daten fast immer wieder herstellen... die Konklusion erspare ich dem Leser.

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