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Honorare | Handwerk hat goldenen Boden

Realsatire 2011

Hat sich je jemals jemand Gedanken darüber gemacht, woher der Spruch kommt: Guter Rat ist teuer?

Ein guter Freund und hilfsbereiter Mensch hat aufgrund seiner Selbständigkeit und privat ein Versicherung Anrecht auf "Chefarzt Behandlung". Insgesamt lebt er gesund, ist Fit, voll im Berufsleben, grad mal 50 und ist gut gelaunt. So auch an jenem Tag als er mir erzählt, dass er eine Rechnung von einem dieser besagten Chefärzte bekommen hat. Wegen einer Beratung ist er zu dem Arzt hingefahren, hatte kaum 3 Minuten Wartezeit, durfte dann 5 Minuten mit dem Arzt reden und wurde anschließend mit gutem Ratschlag nach Hause geschickt. Wie gesagt bekam er eine Rechnung zur Weiterleitung an seine Krankenkasse. Honorar für die Beratung - 250€

Zweihundertfünfzig Euro für 5 Minuten!

Und der Arzt hatte nicht einmal ein Skalpell in der Hand. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was der Mann für einen Stundenlohn hat, wenn er dann mal beide Hände zur Arbeit einsetzt.

250€ pro 1/12 Stunde? Seien wir fair, der Arzt musste seine Arbeit unterbrechen, in das Besprechungszimmer gehen und wieder zurück an die Arbeit. Also wurde er mindestens 10 Minuten lang aufgehalten.

Das wäre dann noch immer ein stattlicher Stundenlohn von 1500€. Arbeitet der gute Mann nur 10 Stunden am Tag, sind das 15.000 € Brutto. Bei einer 5 Tage Woche, mit 4½ Wochen komm ich gerechnet auf 337 500 € im Monat bei 15 Monatsgehältern die eine solche Spitzenkraft wohl verdient hat sind es im Jahr:

Fünfmillionenzweiundsechzigtausend und fünfhundert Euro. Als Zahl: 5 062 500 Euro Brutto

Ohne Blutvergießen, nur durch Reden 5 Millionen abkassieren. Geht sowas wirklich?
Die Krankenkasse zahlte die Honorarforderung völlig ohne Beanstandung, mit der telefonischen Auskunft, das sei durchaus üblich und normal.

Nein, mein Kollege ist kein Banker, kein Staatsmann oder Prominenter. Er ist Fliesenleger. Sein Stundenlohn liegt mit ca. 40 Euro deutlich unter den 1500 Euro eines Chefarztes und wenn er mit seiner Arbeit fertig ist, kann er in der Regel etwas vorweisen. Etwas bodenständiges, worauf die Menschen stehen und auch mit leben können.

Nun kann man anführen, der Arzt rettet Leben. Er hat studiert.
Jedoch könnte man dem entgegenhalten, ohne Skalpell, Medikamente, Tupfer, Zange, Nierenschale und Beleuchtung wird der gute Mann seine Tätigkeit nur mittelmäßig oder gar nicht ausüben können. Also ohne Strom, Glühbirnen, Stahl und Baumwollpflücker würden auch weniger Menschenleben gerettet. Das nennt man in neueren Betrieben Teamwork. Zudem sollte man nicht glauben, studieren sei so etwas wie eine Folter die alles entschuldigt.

Wer sich mit Mühe und Not Studiengebühren und das dazugehörige Leben zusammenkratzen musste, wird sich in der Zeit auch keinen Arzt für 1500 € die Stunde leisten können. Wenn sich hier also jemand selbst und seinen Nachkommen das Leben erleichtern könnte, dann wäre es der gebildete Mensch, der nach seinem Studium keine überzogenen Honorarforderungen stellt.

Fehlt dem Chefarzt Morgens auch nur der Kaffee oder das Brötchen, gibt es sicher bald Tote. Woraus ich schlussfolgere, der Bäcker (ca 8,00 - 12,00 Euro Stundenlohn) und der Plantagenarbeiter (ca 0,30 - 0,80 Euro Stundenlohn) leisten die wichtigste Arbeit zu Spottpreisen.

Mit kostenlosen Grüßen,
yt

PS: Bevor sich nun jemand ins Studium schmeißt, - die Honorarforderung stammt nicht von dem Arzt selbst, sondern von einem Krankenhaus in dem der behandelnde Arzt für ein deutlich geringes Gehalt arbeiten muss.