Sie sind hier

Teure Worte | »Forderungen« wegen Zitate-Sammlung

[... noch ein update am Ende 04.08.11]
Heute bekam ich folgenden Hinweis, bzw wurde mir zugetragen:

Die Rechteverwerter, oder Menschen die vorgeben diese zu sein, fordern von privaten Hompages Geld, wegen der Verwendung von Heinz Ehrhardt [*¹] Zitaten. In diesem Fall verstehen die Rechteinhaber gar keinen Spaß.

Leider, muss man so sagen, mit (deutschem) Recht.

Zitatsammlungen oder Zitate in Signaturen, die nicht in direktem Zusammenhang oder im Bezug zu einem eigenen Werk stehen sind losgelöst vom Inhalt und somit nur mit Erlaubnis des Urhebers/Rechteinhabers gestattet. Das Zitatrecht ist in Deutschland nicht sehr flexibel. Vor allem der gut gemeinte Hinweis von wem das Zitat stammt, macht es Abmahner einfach.
http://de.wikipedia.org/wiki/Zitat
http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__51.html

Die auf Homepages übliche Seite: Weise Worte, Zitate, Lebensweisheiten oder ähnliches können damit dann auch recht schnell teuer werden.

Meinung zu dem Thema
http://www.lawblog.de/index.php/archives/2006/12/23/medienubergreifendes...

Achtet also darauf, dass ihr möglichst nur "Binsen-Weisheiten" und "Zitate" nutzt von Menschen die deutlich länger tot sind als sie je lebendig waren. Die Worte sollten am besten "gemeinfrei" sein.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinfrei

Sicherer sein könnt ihr dann, wenn das Zitat eure eigenen Gedanken würzt, die selbst aus wesentlich mehr Zeilen bestehen als der Text aus dem das Zitat entliehen wurde. Wer unsicher ist, lässt ein Zitat besser Weg. Eure eigenen Gedanken sind ja das eigentlich wichtige.

In dem Fall werdet ihr selbst zum Urheber, könnt andere Ficken oder euch einen darauf runterholen ... und um diesen Umstand mal in einer freien Interpretation von John McClane's [*²] Mundart zusammen zu fassen: "Gott, wie ich diese Scheiße hasse!"

Eine freie Interpretation, die Anpassung eines Ausspruches oder Zitat an euren eigenen Inhalt ist auch eine Möglichkeit Abmahnungen zu vermeiden. Es muss jedoch kenntlich sein, dass es sich nicht um ein wörtliches Zitat handelt und es darf nicht der Eindruck entstehen das der "Interpretierte", von diesem Zusammenhang Kenntnis hat oder mit dieser Meinung übereinstimmt.

Einfach formuliert:

  • 1.) Mit fremden Federn sollte man sich nicht schmücken.
  • 2.) Lege fremden Menschen nicht deine Worte in den Mund.
  • 3.) Auch du bist Urheber wenn du deine eigenen Gedanken in deinen Worten in Ton, Wort oder Bild festhälst.
  • 4.) Nicht jede Gehirnblähung (volkstümlich auch Furz) ist urheberrechtlich geschützt oder als "Duft-Marke" einklagbar. [*³]

Ein weiterer Tip: Schreibt nicht bei jedem Satz dazu wer ihn angeblich gesagt haben soll. Dies ist bei einer privaten Publikation wie zB das Online-Tagebuch gar nicht erforderlich. Oftmals ist ein "cooler Spruch" nicht der eigentliche Streitpunkt, sondern die Verbindung zu der genannten Person. Ein durchaus geläufiger Ausspruch kann durch die Nennung einer Person dahingehend Ärger bereiten, als dass man den Verdacht erweckt, dass die eigene "Homepage" mit dem Künstler(in) / Autor(in) in Verbindung gebracht werden soll. Wenn der Spruch Cool war funktioniert er auch ohne ein bekanntes Gesicht dazu.

Ich denke, das ist im Groben so richtig und damit sollte alles gesagt sein.
Ich freue mich aber auch über Korrekturen, für den Fall dass ich etwas falsch oder missverständlich geäußert habe.
Man lernt ja nie aus.

Achja, der Streitwert beträgt angeblich 3500€ ein Anwaltshonorar von ca. 350€ wurde genannt. Das ist eine Menge Holz.

Interessant zu diesem Thema: das Projekt Wikiquote
http://de.wikiquote.org/wiki/Hauptseite

Mit gemeinfreien Grüßen,
yt

[*¹] Sicherlich gibt es auch andere Künstler die nach ihrem Tod so vermarktet werden, bzw dessen Rechte nach dem Tod so sehr "gepflegt" werden.
[*²] Gemeint ist hierbei die Romanfigur aus den Filmen "Stirb Langsam" Teil 1-4. John McClane's derbe Ausdrucksweise ist dabei ein Stilmittel, sicherlich um die Auswegslosigkeit der Situation zu unterstreichen. IMHO von Bruce Willis hervorragend umgesetzt wurde. Weiterhin evtl von Interesse: Eine Persiflage gibt es in der Serie "Die Simpsons", bei der die Kunstfigur McBane offensichtlich eine Mischung aus Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger verkörpert.
[*3] Das ist kein Scherz. Gerüche sind bislang nicht Urheberrechtlich geschützt, jedoch gibt es wohl die komplizierte Möglichkeit eines Markenschutzes, die so genannte Geruchsmarke.
http://www.bettinger.de/rechtsdatenbank/markenrecht/markenrecht-a-z/geru...

[update 1]
Heise Online hat das Thema auch aufgegriffen und weise Worte von Markus Kompa hinzugefügt:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kein-Witz-Websites-abkassiert-weg...

Wie in den Kommentaren von Heise online zu lesen ist, handelte es sich im Fall der Heinz Erhardt Zitate nicht um eine Abmahnung sondern um Lizenzkostenforderungen (Nebst Honorarforderungen).

[update 04.08.11 ]
Verstöße in Blogs und Foren "sollen" seitens des lustigen Lappan Verlags nicht "verfolgt" werden.
http://www.buchreport.de/nachr.....zitate.htm

Wohlwollend kann man der Erbengemeinschaft nun Glauben schenken,
wenn Sie den Bloggern nun auch helfen würden ihre Kohle wieder zu bekommen.
Wie zB: http://www.r-craven.de/
[Sarkasmus]Aber warum sind die Blogger auch so doof und nehmen sich gleich einen Anwalt. [/Sarkasmus]

An der latenten Gefahr durch eine kulturfeindliche Rechtssprechung ändert das auch nichts.

[Update 30.09.2011]
Meine Bekanntschaft berichtet ein Streitfall sei mit einer außergerichtlichen Einigung / Vergleich ausgegangen.
Kostenpunkt 600€ zZgl der Kosten für seinen Anwalt.

Das alles für ein Zitat ... das ist große Kunst.