Das Telefon und Ich

Kurzgeschichte 02.2011

Vorsicht Telefon

Es gibt nur wenige Anlässe, die mich dazu zwingen in ein Telefon zu sprechen. In der Regel, wenn es klingelt, ansonsten vermeide ich nach Möglichkeit zum Fernsprech-Täter zu werden. Doch es gibt Tage, da lässt sich die Nützlichkeit des Fernsprechapparates nicht bestreiten. Gerade Gestern wollte ich diese Technik nutzen, um Behörden, Dienstleister und Kunden reihum mit den neusten Daten aus meinem Leben auf diesem Planeten zu beglücken. Lange Rede kein Empfang, kaum dass man sich einen Tag frei nimmt ein paar wenige, wirklich wichtige, Telefonate zu erledigen, ist die Leitung defekt.

Alle Gesprächsteilnehmer klangen wie ein Rudel Bierdosen im Gartenhäcksler. Wenn Sie nicht wissen wie Bierdosen in einem Gartenhäcksler klingen, stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Zunge aus Weißblech und müssten diese beim Sprechen in einen Ventilator stecken. Um dieser Fehlfunktion bei zu kommen, wählte ich die Nummer der Hotline meines Telefonanbieters. In freudiger Erwartung neuer Hits aus der Top Ten gängiger Warteschleifensounds reimte ich mir in Gedanken schon ein interessantes Telefonat zusammen bei dem mich niemand verstehen konnte und ich ebenso wenig.

“Moin moin. Können Sie mich verstehen?”
“Klar und deutlich.”
“Ist nicht Ihr ernst. Keine Störung, keine Verzerrung?”, fragte ich, denn tatsächlich klang der Mann am anderen Ende kristallklar.
“Alles bestens, womit kann ich Ihnen dienen?“
Ich überlegte einen kurzen Moment. Neunzig Minuten lang ärgerte ich mich mit einer gestörten Telefonleitung herum und kaum hatte man den Verantwortlichen am Wickel, war der Fehler behoben.

Nachdem die Leitung nun, allem Anschein nach, wie durch ein Wunder wieder hergestellt schien, rief ich auch sogleich meinen nächsten Termin an. Doch schon an der Warteschleifen Musik des Amtes erkannte ich, dass die Störung, wie von Zauberhand, auch wieder da war.

Es knackste einige Male woraus sich schließen ließ, dass ich von dem Zuständigen an einen Mitarbeiter, von dem Mitarbeiter zu einem Supporter und vom Support an die Rezeption weiter verbunden wurde. Plötzlich verstummte die Musik und eine weibliche Stimme meldete sich. Mühselig versuchte ich durch die gestörte Leitung, der netten Frau am anderen Ende etwas wichtiges mitzuteilen. Wenig später schämte ich mich meiner Vorurteile gegenüber Telefonistinnen, denn Sie reagierte völlig gelassen und ruhig auf die Störung. Trotz der nicht sichtbaren Hände und Füße schafften wir es uns zu verständigen, als kurz vor Ende des Gesprächs aus dem akustisch vermüllten Kontext klar wurde, dass die knarzige Roboterstimme gar nicht die gewünschte Gesprächspartnerin war. Da klingelt das zweite Telefon, in der Küche.

Ich legte auf und flitzte zu der Quelle der harmonischen Tonabfolge, die einen zweiten Anrufer auf der ISDN Anlage signalisierte. Mit der gleich-bleibend schlechten Qualität, die nicht einmal annähernd den Standard eines Überseetelefonats von 1952 erreicht, bekam ich einen lang ersehnten Rückruf - vom Vortag. Bis 17 Uhr hätte ich auf den Anruf warten sollen. Um 16:55 Uhr kam ich auf die Idee in dieser kundenfernen Firma anzurufen und wurde mit einer Bandansage der Öffnungszeiten enttäuscht.
Durch das kakophone Stottern digitaler Fehlschaltungen hörte ich den Vorschlag heraus, ein Handy zu nutzen. Dieser wurde von mir abgelehnt. Das Mauerwerk unserer Wohnung ist von 1952. Damals war Strahlenschutz nicht einfach eine Norm auf dem Papier sondern etwas, das ganz real gebaut wurde. Wenn auch unbeabsichtigt. Kurzum, in meinen vier Wänden gibt es keinen Empfang. Mit Morsezeichen und viel gutem Willen schaffte ich es meinem Anrufer die Hälfte der Informationen zu entlocken, die ich nicht benötigte und auch schon wusste, weil ich es war der versuchte sie durch das Telefon zu brüllen. Das einzige was ich klar und deutlich verstand war: “.... morgen noch mal versuchen“. Dann legte mein Gegenüber auf.
Der Tischkannte fehlte Sauce Hollandaise und sie schmeckte etwas holzig.

Kurz vor zwölf Uhr fiel mir siedend heiß ein, das (wasweissichdenn) Amt an zu rufen, bevor dort alle in ihre wohlverdiente „Mittags-bis-in-den-Feierabend Pause“ gingen. Vergeblich versuchte ich mein Gespräch durch stellen zu lassen, was schon daran scheiterte, dass niemand mein Anliegen verstand. Frustriert lege ich auf.

Kurz darauf klingelte erneut das Telefon.
“Hallo? ... was ? ... hallo ?“ - knarz - “Nein, ich verstehe kein Wort“
Ich legte wieder auf. Sicherlich etwas unhöflich ohne eine Wort des Abschieds aber noch unhöflicher wäre es gewesen diese nutzlose Gesprächsstörung weiter fort zu führen.

Ersteinmal etwas Essen, dachte ich mir. Das würde die Nerven beruhigen. In der Mittagszeit war ohnehin niemand erreichbar. So stand ich, während die Pizza sich im Ofen sonnte, kurzerhand mit einem Ohr am Handy, mit beiden Füßen bis zu den Knöchel im Schneematsch, draußen und weit weg vom dem Funkloch.

“Ja, ich steh hier auf der Straße, drinnen ist kein Empfang!“, schrie ich gegen einen 40Tonner an, der langsam und geschmeidig die Kreisstraße verließ und in unsere Örtlichkeit abbog. Beim Anfahren heulte die Maschine auf und ich ahnte, dass mein Gesprächspartner bald auflegte, um einen Bergungstrupp zu bestellen, der mich hier aus dem Krisengebiet holen würde.
“Moment noch, der Lastwagen macht so einen Lärm, was wolltest du sagen?“, presste ich in die Stelle, an der ich das Mikrofon vermutete. Nebelschwaden aus meine Mund hüllten das Display in einen grauen Schleier aus Kondenswasser.
“Also soll ich da jetzt mal anrufen? - Ja, Ok. Aber mein Telefon ist noch immer defekt. Keine Ahnung wann das wieder läuft. Ich ruf dich dann später wieder an!“
Die herzliche Verabschiedung und weitere Termindurchsagen gingen in einem Ohren betäubendem Lärm der 265 PS starken Landmaschine unter.

Völlig unterkühlt verkroch ich mich wieder in mein Heimbüro. Versuchsweise drückte ich auf die Taste ’Hörer abnehmen’. Das Freizeichen klang normal. Ich gab mir einen Ruck, “Na dann, auf ins letzte Gefecht“.

“Wünschen Sie Auskunft zu einem unserer Produkte, drücken Sie die 1, haben Sie fragen zur Rechnung ...“ Nach dem die Bandansage mit einer Liste der Optionen endete, drückte ich eine der Tasten und wurde mit einer Warteschleifenmusik belohnt. Nach etwa 15 Minuten Freejazz war ich nervlich am Ende und schrieb eine E-Mail.

“Sehr geehrtes Support Team,

ich bin sehr unzufrieden mit meinem derzeitigen Telefonanbieter und hatte aus diesem Grunde erwogen mit meinem Vertrag zu Ihnen zu wechseln. Zum Glück konnte ich Sie telefonisch nicht erreichen.

Mit verbindlichsten Grüßen,
.. “

Eine olfaktorische Störung, aus der Küche, erreichte meine Nase und erinnerte entfernt an verbrannte Telefonschnur ...


Kommentare

Naja, Warhammer oder Battle Tech, für nen Ahnungslosen ist das doch fast das selbe! *duck*

Ich hab mal in der Abi-Zeit mit nem Klassenkameraden zusammen ein Rollen-Strategie-Spiel entwickelt, allerdings wars nicht ganz alltagstauglich, die Spielfläche selbst wäre 2x2m groß geworden und die Spieldauer, nunja.. Geschätzt: Wochen..
Das schöne daran war, dass man seine Einheiten selbst definieren konnte, also wenn man sich zb nen Kämpfer gebaut/gekauft hat, so hatte der x Stat-Punkte die man zwischen Agiität (Felder die er bei einem Zug gehen durfte) und Angriff, Leben, etc aufteilen konnte..
Als Spielfiguren war eigentlich alles erlaubt, sofern es auf die einzelnen Spielfelder gepasst hätte, die Idee war, eben solche bemalten zu nehmen.. Leider ist es nie ausgereift..

Auf dem jetzigen Wasbinich? kann man als geschriebenes Wort "DES" lesen, ich rate mal "Bundes...". Das Bild sieht recht technisch aus, dachte erst an einen Geldschein.. Aber dafür wär der Stempel iwi zu groß...
Also: Isch habb keen Plan.. :D

Achja: Es ist 12:48, in 12 Minuten läute ich heute den Feierabend ein.. *jubel*
Dir auch ein schönes WE.
GLG

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