Abmahnung aufgrund eines Downloads bei YouTube

[VORSICHT - Dieser Artikel ist ALT und beinhaltet falsche und unsachgemäße Informationen. Er enthält Informationen die nicht mehr aktuell sind und nie "richtig waren". Er bleibt als Archiveintrag erhalten. ]

Folgender Fall wurde mir zugetragen:

Eine Familie bekam ein Abmahnung, von einer für Abmahnungen bekannten Kanzlei. Der Rechtsanwalt der Kanzlei ist auch Eigentümer einer Firma die sich darauf spezialisiert hat, Urheberrechtsverletzungen im Internet ausfindig zu machen. Tausende Webseiten berichten von Abmahnungen und den vorherrschenden Missständen in der Gesetzgebung. Es gibt hunderte Anwälte die mittlerweile sogar Geld damit verdienen, Abgemahnte zu vertreten. Eine lustige Geld Druckmaschine, leider gehen die Künstler dabei in der Regel leer aus. Die Abmahnungen belaufen sich oft auf über 1000 Euro. Kein Pappenstiel. Doch zurück zum Thema.
Interessant an diesem Fall, dass es [angeblich¹] "nur ein Download" von YouTube war, der abgemahnt wurde.
[update Einschub: bitte beachtet in diesem Falle auch den Eintrag in Wikipedia, sowohl die GEMA als auch einige größere Musikverlage konnten sich bis heute nicht mit YouTube einigen. YouTube zahlt derzeit keine GEMA Gebühren! Auch wenn in vielen älteren Internet Einträgen das Gegenteil behauptet wird.
http://de.wikipedia.org/wiki/YouTube#Urheberrechtsverletzungen [/update Ende]

[¹ update2 - 12.11.2010] Wichtig! Ich habe nun das Original der Abmahnung selbst vorliegen. Daraus ist klar ersichtlich, dass es sich in diesem Fall nicht um eine Abmahnung wegen eines Downloads von YouTube handelt. Wie es zu diesem Missverständnis kam und die genauen Tatsachen inklusive der Abmahnung werde ich in Kürze als eigenen Artikel hier veröffentlichen. [/update]
[update3]16.12.10Der Fall ist noch nicht vollends ausgestanden. Sobald die Akten geschlossen werden, gibt es einen Bericht.

[update4]21.02.2011Der Fall ist noch immer nicht endgültig abgeschlossen. Dafür erhalte ich Informationen über zwei weitere Fälle.
[update5]11.12.2011 YouTube gibt bei Urheberrechtsverletzungen keine Benutzer-Daten und auch keine IP Adresse an Anwaltskanzleien weiter. Quelle: http://www.golem.de/1111/87845.html

urhg

Die Familie konnte mir glaubhaft versichern, dass sie sich lediglich den Musik Clip angeschaut,

jedoch nicht bewusst zur Vervielfältigung, dauerhaft speicherte. Das Musikstück war zu der Zeit in den Top Ten und von einem uns unbekannten Benutzer, offensichtlich nicht rechtmäßig dort hoch geladen.

Nun folgten von der Familie folgende Fragen an mich:
Was ist daran verboten?
1. Es ist mittlerweile jedem bekannt, dass man kommerzielle Musik nicht aus dem Internet kostenlos "Herunterladen" (Download) darf.
2. Wenn man auf YouTube ein Lied anschauen möchte, eine Band, oder dergleichen muss dieser Clip "Heruntergeladen" werden.
3. Der Vorgang des "Herunterladens" ist auch gleichzeitig verbunden mit dem Speichern auf die heimische Festplatte, auch wenn der Benutzer sich nicht über diese technische Notwendigkeit vollends bewusst ist.

Ist es bekannt?
UrhG § 53 Vervielfältigungen zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch
(1) Zulässig sind einzelne Vervielfältigungen eines Werkes durch eine natürliche Person zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern, sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen, soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird.
(quelle http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__53.html )

Man sollte sich also den Merksatz auf die Tastatur schreiben,
"Was es anderswo zu kaufen gibt, ist umsonst aus dem Netz so gut wie gestohlen."

Somit wäre auch das "anschauen" auf YouTube, oft eine offensichtlich rechtswidrig öffentlich zugänglich gemachte Vorlage, die auf den heimischen Computer heruntergeladen wird. Und YouTube hat für Deutschland derzeit keine Einigung mit den größten Rechteinhabern getroffen.
(Stand 29.06.2011)
http://www.computerbase.de/news/2011-08/youtube-erzielt-einigung-mit-us-...
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Musikbranche-draengt-auf-Einigung...

Die Gema behauptet YouTube sei schuld >
http://blog.gema.de/blog/beitrag/youtube-nicht-gespraechsbereit/

Ich dachte nur "Hochladen" (Upload) wäre verboten?
1.) Nein. Auch das herunterladen, offensichtlich geklauter Dateien ist nicht rechtens.
2.) Wenn zB als Datei "Neuster Hit von Madonna" angeboten wird - dann weiß der Benutzer, das gibt es anderswo zu kaufen. Also muss es, umsonst aus dem Internet, verboten sein.

Der kostenlose Download von nicht lizenziertem Material, von etwas das unrechtmäßig hochgeladen wurde, kann nicht legal sein.
( Ein kleiner nicht ernst gemeinter Einwand sei gestattet: Es gibt die "Faustformel" : ”Wo kein Kläger da kein Richter.” - Was die Sache allerdings nicht juristisch klärt. Faustrecht ist in Deutschland nicht amtlich ;) .)

3.) Derjenige der den Clip bei YouTube hoch lädt, versichert YouTube dass er die Rechte an der Verbreitung hätte. Findet ihr also einen solchen Clip, bei dem offensichtlich der Benutzer nicht die Rechte daran hat, wäre es sinnvoll dies zu melden, damit nicht der nächste Nutzer in die Abmahnfalle gerät. YouTube bietet leider nur einen Knopf: "Als unangemessen melden". Klar, Petzen mag auch keiner.

Wie kommen die an meine IP Adresse?
Es gibt verschiedene Wege, einen Download zu registrieren. Dies ist technisch kein großer Aufwand.
Wer Download Beschleuniger Software nutzt, Emule oder ähnliche Technik, den trifft es am ehesten.
Wichtig ist nur zu wissen, trifft euch eine Abmahnung wegen eines "Downloads" - selbst wenn ihr diesen nicht bewusst auf der Festplatte gespeichert habt, solltet ihr einen Anwalt konsultieren.
(Anmerkung: In erster Linie um denjenigen zu verklagen, der wegen einer solchen Bagatelle eure Privatsphäre verletzt. Abgemahnt wird idR nur der Upload ohne selbst Rechteinhaber zu sein.)

Auch YouTube selbst hilft den Lizenzrechte Inhabern, Urheberrechtsverletzungen auf zu decken.
http://www.youtube.com/t/contentid

[update] vorsicht / derzeit ist kein Fall bekannt, das berechtigte Abmahnungen sich auf einen Download bei youtube.de beziehen. Solltet ihr eine Abmahnung bekommen die sich auf einen Download bei YouTube bezieht, lasst genau prüfen, ob es sich dabei nicht um eine "ungerechtfertigte Abmahnung" handelt. Wendet euch z.B: an die Verbraucherzentrale. Es gibt Abmahner die nur Angst schüren wollen, aber tatsächlich gefälschte Schreiben verschicken, die augenscheinlich einen amtlichen Charakter haben. [/update]

Wie kann man sich davor schützen? *hust* nicht ganz ernst gemeint
1. Geht nicht mehr in das Internet.
Wer eine Webseite aufruft, kann nicht wissen was er dort "Heruntergeladen" bekommt.

2. Klickt auf keine Links.
Jeder Link könnte eine Abmahnfalle der Rechtsanwälte und deren Firmen sein.

3. Nehmt keine CDs und USB Sticks von Freunden mehr entgegen.
Vielleicht sind es nicht eure Freunde, und sie wollen euch Hehler Ware unterjubeln.

4. Meidet die Abmahner.
Befreundet euch niemals mit Anwälten oder Musik Verlags Inhabern an.

5. Kauft und hört keine Musik mehr von Universal / Sony / Warner Music / EMI.
Wer diese Produkte nicht besitzt, kann sie auch nicht unrechtmäßig weitergeben.

6. Wählt keine Lobbyisten Parteien, CDU / FDP / SPD und die Grünen
Keine der Parteien hat es bisher geschafft, dem Bürger diesen Wahnsinn zu ersparen. Es sieht auch nicht danach aus, als hätte einer der Volksvertreter den Mut, sich gegen diesen Wahnsinn zu stemmen.

7. Schreibt an die Abmahner und politischen Interessenvertreter, schreibt an die Künstler und Komponisten, dass ihr von der GEMA, den Abmahnungen und dem "KLAUEN" die Schnauze voll habt.
Schreibt ein Blog, demonstriert, oder singt selber. (Aber Vorsicht, was ihr da singt!)

Dies sind natürlich keine praktischen Tips, auch Anwälte und Musiker sind in der Regel liebe Menschen. Man kann sich derzeit nicht davor schützen, abgemahnt zu werden. Denn es gibt auch tatsächlich ungerechtfertigte Abmahnungen von nicht sehr netten Menschen.

Aber das machen doch alle. Dann müssten ja alle Internet Nutzer abgemahnt werden!
Tatsächlich ist es so, dass die große Abmahnwelle anscheinend noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht hat. Die Musikindustrie hat dabei ganze Arbeit geleistet und sich größtmögliche Befugnisse und Rechtssicherheit durch geschickte Einflussnahme in der Politik gesichert. Es könnte jeden Treffen. Die Aktenberge häufen sich. Oft dauert die Bearbeitung eines Falles Monate, oder zieht sich über ein ganzes Jahr hinweg. Wäre die komplette Rechtssprechung voll automatisiert, man bräuchte keine neuen Musiker mehr, nur noch Anwälte.

Aber YouTube zahlt doch GEMA!
Derzeit ist mir nicht bekannt ob eine Einigung mit der GEMA erreicht wurde. Abrechnen könnte YouTube mit der GEMA sicherlich. Aber es gab auch Strafzahlungen weil YouTube den überzogenen Forderungen der GEMA nicht nachkommen wollte. Aber all dass hat nichts mit uns, den Benutzern zu tun. YouTube ist eine Firma, die ihre eigenen Probleme hat und Lösen wird. Uns hilft das bei einer konkreten Abmahnung nicht. YouTube kommt sogar seiner Löschverpflichtung nach, löscht Titel für die sie keine Nutzungslizenzen besitzen und sperrt sogar Titel für die es im jeweiligen Land keine Nutzungsrechte gibt.
Wir müssen selbst verantwortlich handeln. Wir müssen uns selbst an die geltenden Gesetze halten.
Man könnte auch argumentieren - wenn YouTube GEMA und Strafen zahlt, müssen das alle anderen auch. Das Gesetz macht keinen Unterschied.

Und wenn ich einen nachgesungenen / nachgespielten Titel oder Song auf YouTube hochlade?
Das ist, und wer hätte es nicht geahnt, auch nicht "einfach" erlaubt. Coverversionen, Samples, Musikfetzen und das Nachspielen bekannter Lieder, muss streng genommen auch vom Urheber oder dem Nutzungslizenz Inhaber abgesegnet sein, bevor es veröffentlicht wird.

Unfug, ich hab anderes gelesen - das stimmt ja alles gar nicht.
Lieber Leser, ich bin kein Jurist, kein *kommerzieller* "Musiker" und auch nicht YouTube Mitarbeiter.
Aber all dass was ich geschrieben habe, kann sowohl bei YouTube in den AGBs und Nutzungshinweisen nachgelesen werden, sowie im Internet zB bei http://dejure.org/gesetze/UrhG

Bitte bedenkt aber, ich schreibe ausschließlich aus Sicht der deutschen Rechtsauffassung. YouTube zeigt Inhalte aus aller Welt. In anderen Ländern ist eventuell sogar LEGAL - was hier zu Lande verboten ist!

Hier ganz konkret die Hilfeseite von YouTube, die vorbildlich ist:
http://www.youtube.com/t/howto_copyright - Urheberrecht in direktem Zusammenhang mit YouTube
http://www.youtube.com/t/community_guidelines - Die Spielregeln

Beliebte Mythen, die unwahr, falsch und zu einer Abmahnung führen können, habe ich hier einmal richtig gestellt, ... damit es nicht missverstanden wird und Kommentiert:

Richtig ist:
1.) - auch Auschnitte, kurze Fragmente, ein paar Sekunden oder auch Auszüge aus "fremden Werken" dürfen nicht als eigenes "Werk" veröffentlicht werden.

Hier zeigt sich schon die große, kunstfeindliche Ungerechtigkeit, woher soll man alle Melodien dieser Welt kennen. Hinzu kommt, dass es immer wieder Rechtssprechungen gibt, die nur Melodien, nicht aber Percussions schützen. Grad in der Technosszene wäre ja ein fetter Beat "mehr Geld" wert.

2.) - das Nachspielen, Covern oder Abspielen von Noten oder Gitarren Tabs muss streng genommen bei einer Veröffentlichung auf YouTube vorher vom Rechteinhaber genehmigt, bzw mit der GEMA abgerechnet werden.

Es tut mir auch in der Seele weh dass zu sagen, manch ein Held der Kindheit ist ein Arschloch, wenn es darum geht seine Musik zu schützen und seine Interessen von Anwälten vertreten zu lassen. Beispiele möchte ich hier nicht nennen, aber ihr findet soetwas selbst schnell heraus wenn ihr mal den Namen "eurer Lieblingsband" plus "Abmahnung" in Google eingebt. Vielleicht noch mit YouTube oder ähnlichem kombiniert, bekommt ihr eure eigenen Informationen. Wenn ihr euer "Fan" dasein nicht zerstören wollt, lasst das lieber bleiben. Ich wünsche euch Glück, dass euer Star kein solches Riesenarschloch ist.

3.) - Auch für den Privatgebrauch ist nicht alles erlaubt. So dürfen Kopierschutzmaßnahmen nicht umgangen werden. Auch nicht für private Zwecke. Auch wenn man eine Kopie weiter gibt, die zuvor einen Kopierschutz besaß, macht man sich Strafbar. Wenn man also die Quelle nicht kennt, lebt man gefährlich.

Zum Abschluss ein paar interessante Links zu diesem Thema:
http://www.urheberrechtsinfo.org/allgemeine-infos-zum-urheberrecht/
http://dejure.org/gesetze/UrhG
http://www.webwork-magazin.net/urheberrechtsstreit-zwischen-youtube-und-...
http://www.e-recht24.de/urheberrecht.html
http://medienrecht-pro.de/news.htm
http://chaosradio.ccc.de/cr45.html

Stand der Dinge im Rechtsstreit GEMA gegen YouTube (wird nach Kenntnisnahme aktualisiert):
http://www.damm-legal.de/lg-hamburg-zur-eilbeduerftigkeit-bei-urheberrec...

Erlaubtes, für Interessierte:
Freie Noten und Patituren im Netz, ein Beitrag auf
http://netzmusik.wordpress.com/

Selbsthilfe Forum:
http://abmahnwahn-dreipage.de/

Wissensstand: 06.10.2010
Leider ist es sehr wahrscheinlich, dass unsere Rechte als Nutzer, Verbraucher und Musikgenießer noch weiter eingeschränkt werden.

Korrekturen, Anregungen, Erweiterungen oder auch Fragen - gern im Kommentarfeld.
Ich hoffe ich konnte einen guten Überblick geben, was alles "nicht erlaubt" ist.

Mit ganz lieben Grüßen,
yt

Kommentare

Mal abgesehen von all dem juristischen drumherum: Wie soll der Abmahner an die IP der abgemahnten Familie gekommen sein? Das YouTube nur auf Anfrage des Anwalts eine Liste aller IPs die das Video angesurft haben rausgibt halte ich persoenlich fuer eher unwahrscheinlich. Zusaetzlich hat man hier ja das Video nur angesehen und nicht aktiv mit irgendeinem Tool runtergeladen und zur weiteren Verwendung gespeichert und eine Beschlagnahmung hat auch nicht stattgefunden.

Hallo Jens,
deine Frage klingt, ein wenig ungeschickt formuliert, danach als hätte ich mir eine Geschichte aus den Fingern gesaugt. Ganz ehrlich, das ergäbe doch wenig Sinn. Ich fasse deine Fragen deswegen mal als Interesse auf.

Wie soll der Abmahner an die IP der abgemahnten Familie gekommen sein?
Wie oben beschrieben betreibt der Abmahner eine Firma, die spezialisiert ist auf das ausfindig machen von Urheberrechtsverletzungen.
- Eine Möglichkeit ist mit Hilfe von Hashwerten der Datenpakete auf Urheberrechtsverletzungen aufmerksam zu werden. Dabei spielt der Provider keine unerhebliche Rolle.
- Eine weitere Methode ist Googles Content ID zu nutzen. Wenn du den oben genannten Link zu diesem Thema folgst, kannst du mit ein bisschen Fantasie mehrere Wege erdenken, wie eine Firma die die Rechteverwerter vertritt, dann zu deiner IP Adresse kommt, - wenn du ein bestimmtes Lied auf Youtube hochlädst, oder auch herunterlädst! Letzteres dürfte eigentlich nicht passieren, - ist aber, wenn man Böswilligkeit unterstellen wollte, ein mögliches Geschäftsmodell.
- Auch "Suchanfragen" zB über das Einstiegsportal "namenhafter Provider" werden mitprotokolliert, meist aus "Marketing Gründen", aber die AGBs lassen eine Zweitverwertung durch Dritte zu.

Das YouTube nur auf Anfrage des Anwalts eine Liste aller IPs die das Video angesurft haben rausgibt halte ich persoenlich fuer eher unwahrscheinlich.
Du musst es nicht glaube, oder für Unsinn halten, du kannst es in unserer aktuellen Gesetzgebung nachlesen, dass es nicht erlaubt ist, Urheberrechtlich geschütztes Material sich widerrechtlich an zu eignen. Dazu gehört auch der Download von einem Videoportal. Egal von welchem.
YouTube muss nicht "einfach so" alle IP Adressen rausgeben, dazu gehört schon ein wenig Papierkram und eine genau definierte Anfrage. Ein Abmahnung soll eigentlich dazu dienen, Gerichte zu entlasten. Denn ein Zivilprozess kann in solchen Dingen deutlich teurer werden als der Streitwert. Also würde man einer Herausgabe zwecks Abmahnung auf Unterlassung sogar sehr wahrscheinlich zustimmen.

Also ich halte es durchaus für denkbar, aber - wie nun "genau" der Abmahner an die IP-Adresse der Familie und der Suchanfrage gekommen ist, kann ohne Prozess und Akteneinsicht niemand von uns "Laien" wissen. Ergo - ich weiß es nicht. Doch wie ich geschrieben habe, es gibt mehrere denkbare Wege.

Zusaetzlich hat man hier ja das Video nur angesehen und nicht aktiv mit irgendeinem Tool runtergeladen und zur weiteren Verwendung gespeichert ...
Das Tool das du benutzt heißt Browser. Es ist unerheblich für den Gesetzgeber mit welchem Werkzeug du unrechtes tust.

... und eine Beschlagnahmung hat auch nicht stattgefunden.
Beschlagnahme ? Es ging um eine Abmahnung, mit der Forderung 1200 Euro zu zahlen. Zudem sollte eine Unterlassungserklärung unterschrieben werden. Ein Beschlagnahmen des Computers wäre unverhältnismäßig gewesen und dem wäre sicher nicht statt gegeben worden.

Lieber Jens, ich habe alles sehr sorgfältig recherchiert. Deine Zweifel verstehe ich nur sehr gut. Wer von uns hat nicht schon mal ein populäres Musikvideo auf YouTube angeschaut.
Aber genau aus diesem Grund, weil es für mich persönlich keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussage dieser Familie gibt, hielt ich diesen Fall für so interessant, darüber zu berichten. Vielleicht verstehst du meine Intention nun besser und kannst diesen Bericht richtig einordnen.

Mit freundlichen Grüßen,
yt

Lieber Rene,

die Frage war weder ungeschickt noch sollte sie suggerieren, du selbst haettest dich abends hingesetzt und dir eine huebsche Geschichte ausgedacht. Schade, dass du das so verstehen willst. Ich nehme eher an, dass es eine Abmahnung gab aber die wirkliche Sachlage leicht verzerrt wiedergegeben wurde.
Auf die einzelnen Punkte will ich nur kurz eingehen und dann soll der Fall fuer mich erstmal erledigt sein.

Zugriff auf die Logs/IPs
Dass der Abmahner eine Abmahnfirma betreibt ist hier unerheblich.
- Hashes sind theoretisch (!) moeglich, wird ja auch momentan gern beim BKA diskutiert. Praktisch halte ich es allerdings fuer ausgeschlossen, dass die Provider mittlerweile DPI einsetzen um in enger Zusammenarbeit mit Rechteinhabern und Abmahnern YouTube Konsumenten abzustrafen.
- Content ID und Tracking geben zwar Zugriffsstatistiken aber meines Wissens nach keine IP Listen raus.
- "Suchanfragen ueber das Einstiegsportal namenhafter Provider"? Ich suche also nach "$kuenstler $musiktitel youtube" und meine IP landet beim Anwalt? Oder der Anwalt betreibt eine Art Honeypot ueber den ich dann zu YT geleitet werde? Naja.

Du musst es nicht glaube, oder für Unsinn halten, du kannst es in unserer aktuellen Gesetzgebung nachlesen, dass es nicht erlaubt ist, Urheberrechtlich geschütztes Material sich widerrechtlich an zu eignen. Dazu gehört auch der Download von einem Videoportal. Egal von welchem.
Habe ich das irgendwo bestritten? Aendert aber nichts an meiner Einschaetzung dass Google nicht auf Anfrage eines Anwalts die kompletten Zugriffslisten zu einem Video offenlegt. Damit waer YouTube tot denn man koennte - wie du auch geschrieben hast - kein Video mehr starten ohne vorher sicher zu sein, dass da keinerlei Urheberrechtsverletzungen eingebaut waeren. So dumm sind die nicht.
Die Provider koennen auf Anfrage der Rechteinhaber zu IPs die Adressen rausgeben. Google/YouTube sehe ich hier nicht in der Rolle eines Providers die Anwaelten gegenueber zur Auskunft verpflichtet ist. Auch nicht wenn ein Anwalt mit einer Unterlassungserklaerung droht.

Das Tool das du benutzt heißt Browser.
Genau den Punkt sprach ich mit dem Hinweis auf eine nicht stattgefundenen Beschlagnahme an. Ein technisch eher unbefleckter Richter haette eventuell einen Beweis ueber den Cache angenommen. Gabs ja aber nicht.

Long story short: Du bringst trotz aller Recherche in meinen Augen viel Theorie, sehr wenig Praxis und keinerlei Fakten zu einem Vorgang der, sollte er so wie von dir beschrieben stattgefunden haben, ein enormes Echo in der Blogosphaere und vermutlich auch den Medien ausgeloest haben sollte. Ohne brauchbare Infos (Welches Video? Welcher Rechteinhaber? Welcher Abmahner? Upload durch den Abmahner oder einen Dritten? usw.) bleibt es fuer mich extrem unglaubwuerig, was die dir bekannte da Familie erzaehlt. Sorry. Es gibt zwar ein paar Postings mit Geschichten wie dieser, aber immer ohne Fakten. Siehe z.B. http://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=705204

Mit freundlichen Gruessen

Jens

Es spielt letztlich für mich keine Rolle, und sollte auch nicht erheblich sein für den Artikel den ich schrieb. Wichtiger wäre mir der Punkt, das es technisch und rechtlich möglich ist. Es ist auch gar nicht so unwahrscheinlich. Ich selbst habe die ganze "Geschichte" zuerst auch in Frage gestellt. Ich habe die Kinder unabhängig von einander befragt. Letztlich blieb mir nichts übrig, als erst einmal an zu nehmen - dass es so wie beschrieben vorgefallen sein muss.
Ja es ist theoretisch, genau deswegen hoffe ich auf Feedback, wie deines, um eventuell auch Gewissheit zu bekommen. Vielleicht hat jemand schon ähnliches erlebt. Die AGBs und technischen Wege, lassen eine Tracking und ein Haswert vergleich zu. Das ist dann nicht einmal eine DPI. Und YouTube mag zwar die richtigen Impulse geben für ein "aufgeschlossener-es" Internet, aber sie müssen sich auch dem geltenden Gesetz fügen und tun dies auch.

Die Anwender sind alle nicht sehr versiert und ich habe nur durch Fragen für mich ausschließen können das kein "Download Beschleuniger" genutzt wurde. Per Tauschbörsen Download oder einem FF Plugin, wäre die ganze Sache ziemlich schnell klar gewesen. Die Möglichkeit das mir nicht die ganze Wahrheit erzählt wurde kann ich natürlich auch nicht gänzlich ausschließen.

(Welches Video? Welcher Rechteinhaber? Welcher Abmahner? Upload durch den Abmahner oder einen Dritten? usw.)
Band: - So ein Bandname ist eine heilige Kuh - aber doch unwichtig, oder?
Rechteinhaber: Einer der großen Major Labels in Deutschland, da gibt es es nicht viele aber er wird meist an erster Stelle genannt wenn es um Abmahnungen geht. Es hätte aber auch universell jede andere sein können.
Abmahner: Eine der Massenabmahner Kanzleien die schnell dabei sind, überzogene Forderungen zu stellen.
Upload? Kein Upload wurde in dem Schreiben erwähnt. Die Abmahnung bezog sich ausschließlich auf den Download eines Album Titels von der Webseite YouTube.

Im Hinblick auf: § 97a UrhG Abmahnung Absatz 2 ist das ein starkes Stück.
Der Ersatz der erforderlichen Aufwendungen für die Inanspruchnahme anwaltlicher Dienstleistungen für die erstmalige Abmahnung beschränkt sich in einfach gelagerten Fällen mit einer nur unerheblichen Rechtsverletzung außerhalb des geschäftlichen Verkehrs auf 100 Euro.

Die Kanzlei forderte eine Summe >1000 Euro.

Ohne brauchbare Infos (Welches Video? Welcher Rechteinhaber? Welcher Abmahner? Upload durch den Abmahner oder einen Dritten? usw.) bleibt es fuer mich extrem unglaubwuerig, was die dir bekannte da Familie erzaehlt.
Ich verstehe das nicht genau, was würde es dir helfen wenn ich diese Namen hier hinterlasse? Sie, die Family, haben mir die ganze Geschichte erzaehlt und ich gebe nur den relevanten Teil wieder. Ich halte es für unerheblich, ob die Butter von "Müllerschmidt" oder der Marke "goldenes Kalb" ist, wenn man verstehen möchte, wie Detektive arbeiten und was der Gesetzgeber dazu sagt.

Ja, ich äussere mich theoretisch, spreche einen Verdacht aus, wie Firmen vorgehen die eine Urheberrechtsverletzung aufspüren wollen. Da ich die Konsequenzen nicht abschätzen kann (der Fall ist noch nicht ausgestanden), werde ich hier keine Namen nennen oder mich zum potentiellen Zeugen machen, der evtl. ein Schuldeingeständnis ins Netz pumpt. Sobald die Sache ein Ende gefunden hat, werde ich etwas schlauer sein und sicher ein Update hierzu schreiben.

Denn ich gebe dir Recht, sollte kein Tauschbörsensystem im Spiel gewesen sein und die Abmahnungen werden nun auf "reine" Downloads ausgeweitet, ist dass eine schwer zu schluckende Pille.

Zusammengefasst: es wurde eine IP zugeordnet und zufällig können alle Anwohner bestätigen, dass genau dieses Video über YouTube angeschaut wurde um es, in der Familie, einander vor zu spielen.
Eine Abmahnung flattert ins Haus und bezieht sich ausschließlich auf einen Download Vorgang.
Das habe ich auch nicht glauben wollen. Ich habe gefragt und hinterfragt, - wie gesagt, ich warte auf den Ausgang der Geschichte. Die Familie ist bei einem Anwalt gewesen, die Dinge nehmen ihren Lauf.

PS: Den Link von Computerbase hatte ich zu dem Thema auch gefunden, ... das Problem an Diskussionsforen ist, das die wenigsten sich mal wirklich differenziert mit dem Thema auseinander setzen sondern nur ihre Meinung schreiben.
Um die rechtliche Seite abzuklopfen könnte man mal im Netzwerk Xing fragen. Dort sind meist qualifizierte Antworten zu bekommen. Was die technische Seite anbelangt, ... machbar ist das alles, ... aber was darf so eine Firma - das wäre mal interessant zu erörtern.

Mit herzlichen Grüßen,
yt

[update2 - 12.11.2010] Wichtig! Ich habe nun das Original der Abmahnung selbst vorliegen. Daraus ist klar ersichtlich, dass es sich in diesem Fall nicht um eine Abmahnung wegen eines Downloads von YouTube handelt. Wie es zu diesem Missverständnis kam und die genauen Tatsachen inklusive der Abmahnung werde ich in Kürze als eigenen Artikel hier veröffentlichen. [/update]

Soviel in aller Kürze:
Es ist sehr wichtig dass ihr euch den Sachverhalt einmal von einem Fachidioten richtig erklären lasst. Es ist möglich, das technische Kauderwelsch das in der Abmahnung steckt klar und verständlich für unbedarfte zu übersetzen. Fertigt ein Kopie an, gebt das Original an einen Anwalt und zeigt die Kopie in eurem Bekanntenkreis bis jemand Fachkundiges gefunden ist der euch die Problematik klipp und klar machen kann.
Ein Fachkundiger Netzwerkspezialist kann auch prüfen, ob unbefugte den Internetzugang missbraucht haben und einen erste Aussage treffen ob die Abmahnung ausreichend begründet ist.

Alles weitere in einem gesonderten Artikel, sobald ich dazu komme.

@Jens.
Ja, der erste Verdacht ist meist der richtige. ;) Keiner der Beteiligten konnte die Abmahnung im Sachverhalt so wiedergeben wie sie schriftlich begründet wurde.

Mit informativen Grüßen,
yt

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