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Satire ist Kritik, ist Satire

(künstlicher Essay zur Satire, nicht ernst zu nehmendes Geschwaller, yt 2010 v0.2beta)

Die Satire ist vom Aussterben bedroht. Als Beweis hierfür möchte ich anführen, dass sehr oft meine misslungen Werke im Internet, für den geneigten Leser von Satire, herhalten müssen. Doch zurück zum Thema.
(Beispiel: http://www.e-hausaufgaben.de/Thema-156435-Satire-Beispiele-gesucht.php)

Kritiker aller Länder haben sich gegen Sie verschworen, um der Satire und Ihrem Vergnügen den Sarg zu betten. Nun habe ich schon eine Gruppe von Schuldigen benannt. Sie, die Kritiker sind nicht nur der Satire im Weg, sondern auch sich, Ihnen und anderen - die gar nichts dagegen hätten, einmal anständig zu lachen.


Satire wird in der Bundesrepublik Deutschland durch die Meinungsfreiheit (Art. 5. Abs. 1 GG) und die Kunstfreiheit (Art. 5 Abs. 3 GG) geschützt. Diese konkurrieren allerdings mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Art 2, Abs. 1 GG), welches sichert, dass der Einzelne selbst darüber bestimmen darf, wie er sich in der Öffentlichkeit darstellt.
Zitat: Wikipedia

Was kann es an einer Satire aus zu setzen geben?

Mal abgesehen davon, dass die Satire nicht zwangsläufig jeden zum Lachen bringt, ist es doch die einzig positive Ausdrucksform der Kritik an einer Sache. Hin und wieder mit literarischem Anspruch. Dass es sich um eine Satire handelt vermutet der Leser meist, wenn er oft das Gefühl hat, erst einmal nichts zu verstehen. Daraus ableitend müsste es dann auch anspruchsvoll sein. Denn nur was so richtig kunstvoll unverständlich ist, wie zB Jazz, Abstrakte Kunst oder Steuererklärungen ist auch anspruchsvoll. Und alles was geschrieben steht, quasi Literatur.

Stellen Sie sich vor, dieser Text sei ein Satire, was er natürlich nicht sein kann, aber nur einmal angenommen, rein hypothetisch, dies sei als Satire zu interpretieren. Sicher würden Sie sofort nach Spuren von Sarkasmus suchen. Doch die damit verbundene Bedeutungsumkehrung des Spottes gegen die Kritiker, würde ja die Kritiker zur Retter der Satire erklären. Das kann nicht richtig sein. Nun beschleicht den Leser das Gefühl, der Hinweis, dass die Kritiker nicht schuldig sein könnten, müsste im Umkehrschluss ja wiederum bedeuten, dass es doch die Kritiker seien die am Aussterben der Satire schuld seien.
Vor allem aber müsste der Text ja irgendwie witzig sein. Denn ohne Scherz. Niemand würde sich ernsthaft die Mühe machen über den Tod der Satire zu schreiben, ohne den Versuch, selbst den Anspruch einer satirischen Auseinandersetzung mit selbiger zu erheben. Also auch wenn Sie es nicht gleich verstehen, würden Sie doch dazu tendieren erst einmal von einer Satire aus zu gehen, denn für einen Missglückten Witz werden selten so viele Worte an aneinandergereiht.
(Anmerkung: "aneinandergereiht" ist eines der hübschesten Worte mit aneinandergereihten Silben. Das muss mal gesagt werden.)
Um der Verwirrung her zu werden kann der Leser resignieren und Unsinn! rufen.
Doch das wäre Kritik an der Satire, die er akzeptiert, in dem er ihr Unsinn attestiert und sie dementsprechend als Satire honoriert.

Es ist kein Zufall und oft mehr als verständlich wenn Satire sich nicht gleich als solche offenbart.
Was aber ist denn Kabarett anderes, als eine Satire auf der Bühne. Was ist ein Clown denn, nicht anderes als eine Fleisch gewordene Satire mit roter Nase? Was ist denn Politik anderes, als der gescheiterte Versuch eines Clowns auf der Bühne der Demokratie, einer epochalen gesellschaftlich akzeptierten Form der Realsatire?

Ist die Satire nun tot und beerdigt oder ist es nicht eher so, dass wir sie nicht mehr sehen?
Gibt es überhaupt eine Reinform der Satire?
Ist ein Kritiker Mörder oder Förderer der Satire?

Satire ist die literarische Karikatur, der anspruchsvolle Witz oder auch eine unverständliche Komödie im Abseits des Mainstreams. Tatsächlich können Kritiker gar nichts aussetzen an einer Satire. Die Satire schützt sich vor Kritik durch eine Form immateriellen Selbstbewusstsein, die dem Versuch widersteht, sich selbst allzu ernst zu nehmen. Etwas das keine ernst zu nehmende Aussage kommuniziert, kann auch nicht kritisiert werden. Kritik ist, in der Regel, der hoffnungslose Versuch, vorzugeben etwas verstanden zu haben, um zu dem Entschluss zu kommen, dass das Verstandene unvollständig in seinem Wesen ist.

Wie aber kann etwas unvollständig sein, dessen Witz in der Bedeutungsumkehr seines nicht ernst zu nehmenden Wesens, einer übertriebenen Darstellung der Realtität liegt? Hat da jemand den Witz vergessen, einen Zusammenhang unterschlagen oder einen Satz vorenthalten?

Lieber Leser, nicht die Satire ist tot, die humorlosen Kritiker sind es die vergaßen in Demut zu schweigen und stattdessen ihre Mitmenschen deprimieren.