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Welthandel & Kapitalismus | Meine Meinung

Auf blog.fefe gab es einen Leserbrief, der in mir Unwohlsein auslöste. http://blog.fefe.de/?ts=a422033e

Man sollte dann doch erwähnen, dass die Weltbank sich schon auf wissenschaftliche Ergebnisse bezieht und den aktuellen (mehrheitlichen) akademischen Konsens widergibt, was Arbeitnehmerrechte und insbesondere Kinderarbeit in den ärmsten Ländern der Welt angeht.

Wissenschaftliche Arbeit kommt zu solch seltsamen Ergebnissen? Kaum vorstellbar. Da scheint jemand Studien lückenhaft aneinandergereiht zu haben.

Mein eigene Meinung dazu, ich versuche sie mal kurz zu fassen, was nicht einfach ist bei einem so komplexen Geflecht:

Einfach herzustellende Massenware, Bekleidung, Schuhe, Nahrung – werden von den vermögenden Nationen zu einem sehr niedrigen Preis in den Entwicklungsländern in Auftrag gegeben / hergestellt. In keinem Entwicklungsland könnte ein Arbeiter zu diesen Preisen vergleichbare Mengen an Nahrung oder Kleidung ohne Maschinen herstellen und davon leben. Es würde ihm niemand die Handarbeit abkaufen, weil der Preis zu hoch wäre. Die Preise die gezahlt werden für Massenware die im Entwicklungsland hergestellt werden, reichen aber für Produktions und Betriebsmittel nicht aus. Die billig erstellten Waren werden also exportiert, in Länder in denen die Waren höhere Preise erzielen. Der Gewinn verbleibt aber nicht bei den Arbeitern, nicht bei der Betriebsstätte, oftmals nicht im eigenen Land. Oft sind es Aktiengesellschaften. [2][*]

Nicht einmal wir, als findige Europäer könnten aus dem Stand heraus einem Großkonzern Konkurrenz machen. Niemand bekommt diese Konditionen für die Rohstoffe & Produktionsmittel, wenn er nicht in so großen Mengen auf dem Weltmarkt einkaufen kann und dabei die Löhne der Ärmsten auf einem niedrigen Stand hält. Die Ärmsten der Armen, werden gegeneinander ausgespielt.

Die Menschen kaufen also günstige Waren aus der Wohlstandsgesellschaft, weil sie so gut wie kein Geld verdienen. Maschinen müssen sie sich vom Munde ab-sparen und können nur das nutzen, dass entsprechend ihrem Bildungsstand auch nutzbar ist.
Sie verdienen so gut wie kein Geld, weil Waren aus der Wohlstandsgesellschaft, mit der eine "Handarbeit" auf dem heimischen Markt konkurrieren müsste, günstiger ist.
Wenn eine solch arme Gesellschaft jetzt beschließt, nur noch das zu importieren, dass ihrem Binnenmarkt nicht schadet, würde das sicherlich von den Industrienationen mit Embargos bestraft.

Rohstoffe im Boden abzubauen, ist ohne Maschinen der Industrienationen auch schlecht möglich.

Woher sollen Rohstoffe und Werkzeuge kommen, für zB ein Smartphone? Kraftfahrzeug? CNC Fräse? Textildruckerei? Weberei? Raffinerie?
Wie sollte ein Entwicklungsland solche Werkzeuge und Betriebsmittel  herstellen können, die mit unseren konkurrieren können?

Das betrifft ja mittlerweile nicht mehr nur Entwicklungsländer.
Dieser Zustand erreicht ja mittlerweile sogar Europa.
Es ist nicht so dass Griechen, Tschechen, Polen, Spanier, Kroaten und andere nicht so fleissig wären wie die Deutschen, Schweden, Norweger. Es ist schlicht so, dass wir einen technologischen Vorsprung haben, der in Armen Ländern den Aufbau einer eigenen Wirtschaft, ähnlich unserer, verhindert.

Als Sahnehäubchen wurde schon vor Jahrzehnten festgestellt, dass sogar unsere Spenden, vor allem Nahrungs und Kleiderspenden der Kirchen, der heimischen Wirtschaft in Entwicklungsländern stark schaden. Dazu kam lange Zeit noch, als Puderzucker auf das Sahnehäubchen, die christianisierung, die katholische Kirche mit dem Abtreibungsverbot und ähnlichem Blödsinn. Ohne Rücksicht auf die kulturellen & wirtschaftlichen Unterschiede.

Wem das noch nicht süß genug ist, wer noch nicht satt ist, behindert die Konkurrenz durch Lizenzmodelle, Patente, Geschmacksmuster, Urheberrecht.

Es könnte ja mal eine Einheimischer Erfolg haben. Ja. Könnte. Sobald es im Ausland jemand schafft, eine ernsthafte Konkurrenz darzustellen, kann man ihn sogar aufkaufen oder in den Bankrott treiben. Um die Preise zu erzielen, die große Konzerne anbieten können, muss man auf dem Welthandelsmarkt tätig sein.
Das Deutschland Exportweltmeister ist, schädigt andere Volkswirtschaften. Das muss man mal so offen sagen dürfen.
Es können nicht alle Länder mehr Exportieren als Importieren. Es gibt keine Aliens die den Überschuss aufkaufen würden.
Wenn andere Länder Deutschland diese Exporte nicht abkaufen würde, sähe es bei uns ja auch nicht rosig aus. Wenn man uns keine Rohstoffe verkaufen würde, wäre das der Ruin. Wir besitzen keine eigenen Rohstoffquellen. Was Deutschland erfolgreich macht, ist der Kapitalismus. Wir sind die Ferengis (DS9 Erwerbsregel 34+35).

Aus dieser stark vereinfachten Überlegung heraus, die sich im Detail sicherlich ordentlich belegen ließe, ist es nicht nur zynisch, was die Weltbank voran treibt, es ist ein Klassenkampf, ein Wirtschaftskrieg, eine Weltherrschaftsbank.


Vielleicht irre ich mich ja auch. Ich hab ja nicht Wirtschaft studiert. Vielleicht ist der Kapitalismus nicht schuld.
Vielleicht haben die Banker recht, die Menschen in anderen Ländern sind schlicht zu blöd und ungebildet.
Die müssten nur mal studieren und fleissig lernen, anstatt an ihre nächste Mahlzeit zu denken. (/sarkasmus)

Diese Arroganz des Reichtums kotzt mich an.

 

Einer der größten Kritikpunkte an der Weltbank bezieht sich auf die Auswirkungen der von ihr und vom Internationalen Währungsfonds von armen Ländern geforderten Strukturanpassungsprogramme.[16] In einigen Ländern, vor allem im Subsahara-Raum, führten diese Maßnahmen zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums und zu höherer Inflation. Da Armutsreduzierung kein Ziel der Programme war, verschlimmerten sich vielfach die Lebensbedingungen der Armen in Folge der Reduktion von Sozialausgaben und der Erhöhung der Lebensmittelpreise.[17]

Quelle Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbank

Fairness of assistance conditions

Some critics,[76] most prominently the author Naomi Klein, are of the opinion that the World Bank Group's loans and aid have unfair conditions attached to them that reflect the interests, financial power and political doctrines (notably the Washington Consensus) of the Bank and, by extension, the countries that are most influential within it. Among other allegations, Klein says the Group's credibility was damaged "when it forced school fees on students in Ghana in exchange for a loan; when it demanded that Tanzania privatise its water system; when it made telecom privatisation a condition of aid for Hurricane Mitch; when it demanded labour 'flexibility' in Sri Lanka in the aftermath of the Asian tsunami; when it pushed for eliminating food subsidies in post-invasion Iraq".[77]

Quelle en.Wikipedia.org/wiki/World_Bank

 


peace & lg
yt

 

PS: [*] Aktiengesellschaften haben den Vorteil, dass sie die "Schuld" an dem Dilemma auf viele Schultern verteilen. Versicherungen, Banken, Kredite, Zinsen, Bausparverträge ... viele Investmentgeschäfte profitieren indirekt, über Umwege von dem Elend. Folgt man der Spur des Geldes, den Handelsrouten, führt sie einen in den meisten Fällen direkt zu einer Produktionsstätte in einem Entwicklungsland oder den Schwellenländern.

Ich weiß dass meine Ausführung nicht 100% korrekt ist. Sie bildet dieses Thema nur modelhaft ab. Mir ist auch bewusst, dass mein eigener Wohlstand an diesem seidenen Faden hängt. Ich hoffe sehr wir drehen uns nicht selbst einen Strick daraus und finden bald eine Lösung, wie man diese Zustände gerechter gestalten kann.

Update: Ich will nicht damit sagen, dass die Studien "falsch" wären. Ich denke nur, die Schlussfolgerungen sind für'n Arsch, weil das Paradigma als Ausgangsbasis schon unmenschlich und kaputt ist. Ich vermute das Paradigma und Ausgangsbasis ist: Alle könnten reich und Vermögend sein, wenn alle so arbeiten und wirtschaften würden wie zB Deutschland. Das kann aber gar nicht funktionieren. Es gibt weder so viele Ressourcen, noch würde die Welt es verkraften, wenn alle 8 Milliarden Menschen die gleichen Luxusgüter wie wir in Deutschland besitzen würden. Unser Besitzstand ist deren Armutsursache. Wenn andere nicht für einen Hungerlohn, Rohstoffe aus der Erde kratzen würden, Jeans und T-Shirts herstellten und die Ressourcen ihrer Heimat verschleuderten, gäbe es hier wahrscheinlich keinen solchen Reichtum. (Alles nur meine Meinung)

 

[2] https://www.heise.de/tp/features/Fuenf-Jahre-nach-dem-Tod-von-1129-Textilarbeitern-4029609.html?seite=2