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Ich glaube an meine Mitmenschen

Hat sich schon mal jemand gefragt, in welchem Verhältnis stehen Ängstlichkeit, also Angst, und Anonymität?

Wovor habe ich Angst, wenn ich mich nicht anonymisiere?
Was befürchte ich, wenn meine Identität bekannt werden würde?
Was sind die Konsequenzen, wie empfinde ich mein Leben, wenn ich mich um Anonymität bemühen muss?
Was sind die Konsequenzen, wie empfinde ich mein Leben, wenn meine Identität kein Geheimnis ist?
Möchte ich selbstbewusst zu meiner Meinung stehen und die Konsequenzen meines Handelns tragen? Was wäre falsch daran?

Wer redet mir ein, dass ich keine Geheimnisse haben könnte, nur weil meine Identität im Internet bekannt ist?
Was macht mir mehr Angst, Menschen die mir Ängste einreden wollen oder meine Mitmenschen vor denen ich mich angeblich fürchten soll?

Es gibt Diskussionen im Internet die sind uralt. Es gibt Mythen und Legenden. Es gibt digitale Homöopathie und virtuelle Glaskugeln. Doch nichts verbreitet sich so schnell im Internet wie Porn, Katzenbilder und Angst. Was früher die Bildzeitung war, ist heute das (pseudo)-anonymisierte Blog/Netzwerk.

Pseudo Anonoym schreibe ich deswegen, weil im Internet ein großes Missverständnis über Anonymität herrscht. Nur weil ich nicht weiß, und nicht nachvollziehen kann wer etwas in das Netz stellt, bedeutet das nicht, dass es jemand anderes nicht vielleicht doch nachvollziehen könnte. Die meisten "Hilfen" wie Kryptografie oder Anonymisierungstools helfen nur sich gegen Kleinkriminelle zu schützen, die es in einer "sozial - angstfreien" Gesellschaft gar nicht gäbe. Wovor sie nicht schützen sind die Geheimdienste, die unser wirklich Sorgen bereiten sollten.  Denn diese Geheimdienste gibt es nur deswegen, weil Menschen sich misstrauen und Angst voreinander haben.

Als Beispiel:
Der fanatische "Religiöse" befürchtet die Hölle oder den Ungläubigen der seine Kultur, seinen Lebensstil, scheinbar bedroht.
Der fanatische "Kapitalist" befürchtet den Verlust von Ressourcen oder wirtschaftlichem Einfluss.
Der fanatische "..." befürchtet ...

Wie schwierig es ist, Anonym und unentdeckt zu bleiben, zeigt sich aus in den Biografien prominenter Beispiele wie Kim Schmitz, Julian Assange, Chelsa Menning oder auch Edward Snowden.

Prämisse (1):
Wer Zuhause, von seiner eigenen Postadresse und Hausanschluss innerhalb Deutschlands kommuniziert, ist für viele Unternehmen und Behörden eindeutig identifizierbar.
Ich glaube (d.h. ich weiss es nicht mit), wer mit erheblichem technischem Aufwand versucht seine Identität zu verschleiern, kann mit Sicherheit davon ausgehen, bereits auf einer Liste subversiver Subjekte geführt zu werden. Wäre ich Geheimdienst in Deutschland, ich hätte die technischen Möglichkeiten bereits vor 10 Jahren gehabt. Deutsche Bürger, davon bin ich überzeugt, können nur mit sehr fundiertem Wissen, aufmerksamer Vorgehensweise und technischen Hilfsmitteln, anonym im Internet kommunizieren.

Wenn Prämisse (1) zutrifft, dann, so habe ich für mich persönlich beschlossen, möchte ich lieber ohne Angst leben. Ich möchte kein Teil des digitalen Wettrüstens sein. Dieser asymetrische Kampf kann von mir ohnehin nicht gewonnen werden. Also ist es kein lohnenswerter Kampf. Es ist eher noch Ressourcenverschwendung, meine Zeit und Energie.

Sinnvoller erscheint mir, die Ausgangssituation zu meinem Vorteil zu nutzen. Die Ursache für das Misstrauen in dieser Welt anzugehen, die Ängste abzubauen ohne dabei in ein offenes Messer zu laufen.

Keine Angst vor Überwachung, kein Zeitaufwand für nutzlose Verschleierungstaktiken.
Ich bin der Überzeugung, meine Ideale und meine Werte stehen im Einklang mit unseren gesellschaftlichen demokratischen Werten. Ich kann offen zu meiner Überzeugung stehen und diese mit meinem Namen Verteidigen. Sollte die Gesellschaft mich so nicht akzeptieren wie ich bin, ist es dann für mich lohnenswert Teil dieser Gesellschaft zu sein?
Ich halte niemanden für von Geburt an Böse. Ich glaube sogar, dass selbst die "übelsten Überwacher" im Grunde auch nur Angst haben. Angst davor, dass gesellschaftliche Veränderungen ihr Leben nachteilig beeinflussen könnten.

Diese Angst zu überwinden, zu helfen das auch ängstliche Menschen davon überzeugt werden, dass Veränderungen auch positive sein können, das müsste der richtige Weg sein, denke ich.

Ich möchte Technik und Technologie ohne Einschränkungen genießen können. Ich wünsche mir, dass moderne Telekommunikation, biometrische Erkennung, virtuelle Realität, autonome oder teilautonome Fahrzeuge mit „Rundum Überwachung“, allen Menschen zu Gute kommt. Das alle Menschen vom Fortschritt, von der Technik und der Wissenschaft profitieren und daran teilhaben können, wenn sie wollen. Ich bin überzeugt, dass Technik und Technologie, das Fortschritt und Bildung, helfen können die Welt friedlicher und gerechter zu gestalten.

Ich wünschte mir auch, meine Mitmenschen hätte keine Angst voreinander. Und auch keine Angst davor ihre eigenen Fehler aufgezeigt zu bekommen. Keine Angst davor, sich zu outen, Probleme zu bereden oder auch mal Fehler einzugestehen. Keine Angst vor sich selbst.

Weil ich wirklich fest der Überzeugung bin, kein Mensch ist Böse. Jeder Mensch hat Motive die seine Handlungsweise plausibel erklären können. Wenn wir die Motive verstehen lernen, wenn wir lernen einander zu vertrauen, dann können wir auch nach dem Warum fragen, aus der Vergangenheit lernen und uns für die Zukunft vornehmen, Fehler nicht zu wiederholen.

peace

 

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