BGE | Für andere zur Arbeit gehen und bezahlen?

Ich habe mit sehr vielen Menschen, verschiedenster Gesellschaftschichten, über dieses Thema gesprochen. Das Bedingungslose Grundeinkommen.

Dabei fand ich einen überraschenden, gemeinsamen Aspekt.
Alle sagten, sie bräuchten eine Aufgabe, würden weiterarbeiten, sich einen anderen Job suchen oder versuchen sich selbstständig zu machen. Keiner mit dem ich sprach sagte, er würde nie wieder arbeiten. Jedoch misstraut der überwiegende Teil, mit denen ich über das BGE sprach, seinen Mitmenschen.

Im persönlichen Gespräch, war jeder einzelne kooperativ, verständnisvoll und stand dem Thema wohlwollend gegenüber. Es kam aber fast immer der Einwand, "die Leute" arbeiten dann nicht mehr.

Gefühlt sah es so aus: 80% meiner Mitmenschen sagten, 80% ihrer Mitmenschen seien dumm.

In einfachen Worten sagte man mir: Alle anderen sind faul, nur ich nicht.
Fast jeder scheint das Gefühl zu haben, er sei der Einzige der arbeitet. Ich muss es leider so sagen, meine Mitmenschen halten sich für klug und alle anderen für dumm. Oder zumindest ist für die meisten Menschen, die Mehrheit um ihn herum dumm. Ich teile diese Meinung nicht, auch wenn das jetzt nicht logisch erscheint.

Überraschenderweise war die Finanzierung eher selten ein Thema. BER, Kopfbahnhof, Stadarchive, Banken Rettung, etc ... es scheint genug Geld vorhanden zu sein um alle glücklich zu machen, auch wenn es häufig an falscher Stelle versenkt wird. Wegen der Finanzierbarkeit machte sich kaum jemand Sorgen. Vor allem auch, weil wir ohnehin die Mehrkosten tragen, wenn ein Mensch durch Sozialhilfe o. Armut auf den Staat angewiesen ist.

Im Gespräch mit meinen Mitmenschen hörte ich auch viel angestauten Frust. Fast jeder kannte eine Ausnahme, jemanden der "faul" wäre. Jemanden dem das BGE nicht gegönnt wurde. Negativbeispiele aus der Presse. "Asoziales Pack" aus der Nachberschaft, denen das "kostenlose" Leben missgönnt wird, auch wenn man selbst davon profitieren würde. Und erschreckend oft, Ausländerfeindlichkeit. Kaschiert, aber letztlich banale Ablehnung von "nicht Deutschen" und sogar Menschen fremder Abstammung. Der deutsche Pass genügte einigen nicht.

Mir bereitete dieses Paradoxon Kopfzerbrechen.
Ein jeder meiner Mitmenschen kennt mindestens 100 Menschen persönlich. Man kommt in seinem Leben mit tausenden Mitmenschen in Kontakt. Wenn man ins Gespräch kommt, dann hat der Gesprächspartner ja nicht hunderte dumme Menschen die er persönlich kennt. Es sind nicht alle "Leute" faul, dumm und ungebildet. Natürlich sind immer die anderen Schmarotzer, aber es sind immer nur ganz wenige und man kennt sie in der Regel nicht persönlich.

Betrachtet man die Situation von außen, ganz nüchtern, dann sieht die Rechnung nun wie folgt aus:
Meine Mitmenschen glauben von weniger als einem Prozent ihrer Mitmenschen, sie seien dumme Schmarotzer und halten dass für die Mehrheit.

Wie kann es sein - dass die wenigen Menschen, die negativ auffallen, so sehr das gesellschaftliche Leben bestimmen?

Warum werden wir, gewollt o. ungewollt, von Minderheiten so stark beeinflusst?
 

 

Neuen Kommentar schreiben