Dilemma

Seit einigen Monaten wird heftig diskutiert, was Isaac Asimov schon vor Jahrzehnten in seinen Kurzgeschichten verarbeitete. Die Ethik künstlicher Intelligenz.

Ich möchte kurz meine Meinung anreißen und diese als kleines Statement hinterlassen, auch um mich später einmal zurück zu erinnern.

Ethik für Menschen sollte die selbe wie für künstliche Intelligenz und andere Lebewesen mit Empathie sein. Ethik sollte wie Naturgesetzte in der Physik immer und überall gültig sein. Denn Ethik sollte nicht wie Moral einem Zeitgeist unterliegen.

Das Dilemma in unserer Gesellschaft ist eben nicht die richtige Antwort auf die Frage: Ist es korrekt den Verlust eines Menschen in Kauf zu nehmen um viele zu retten.
Die gesellschaftliche Frage sollte nicht lauten: "Wer ist Schuld?", sondern "Ist schuldhaftes Verhalten gegeben?"
Dazu möchte auch gern auf den von mir viel zitierten Film "In China Essen sie Hunde" verweisen. Es kommt nicht auf die Tat, sondern auf die Intention an. Sehr sehenswert. Hier im Blog nehme ich dazu das Beispiel mit der Weiche.

Ein Mensch steht zufällig am Hebel oder "Knopf" für eine Weiche und beobachtet ein sich anbahnendes Unglück.
Ein Waggon rollt in eine Menschenmenge. Der Beobachter hat die Möglickeit einzugreifen, die Weiche zu stellen und den Waggon umzulenken.
Jedoch wird dem Beobachter bewusst, dass auf dem Nachbargleis eine Person, zB ein kleines Mädchen spielt. Dieses Mädchen würde bei dem eingreifen und umstellen der Weiche unweigerlich sterben.

Wie sollte sich ein Mensch verhalten? Das kleine Mädchen opfern und viele Retten oder untätig bleiben?

Ich persönlich finde die Fragestellung ethisch unkorrekt. Die Fragestellung kann nicht richtig beantwortet werden.
Wer Höhenangst kennt, weiss warum. Wer Menschen mit schweren pathologischen Phobien erlebt hat, weiß warum.
Es gibt Situationen, in denen unser Hirn seinen Dienst verweigert. Nicht jeder Mensch kann eine solche Situation erfassen und nicht jeder Mensch, sei er auch korrekt, ethisch integer und ansonsten geistig gesund, wird in so einem Moment voll handlungsfähig sein.

Für mich ergeben sich eine reihe wichtigerer Fragen, anstelle der Schuld.
Wie helfen wir dem Menschen, diese Last nach dem Unfall zu nehmen?
Wie helfen wir den Opfern?
Wie können wir weitere Unfälle dieser Art vermeiden?


Denn nichts anderes ist es, ein Unglück und Menschen die mit einer solchen Entscheidung konfrontiert werden sind auch Opfer.
Egal wofür sich ein Mensch in solcher Situation entscheidet, wird die psychische Belastung im Nachhinein sicherlich sehr groß sein.

Daher plädiere ich für eine Änderung des Diskurses. Wir müssen akzeptieren lernen, dass Unfälle vorkommen. Wer auf eine Leiter steigt, kann herunterfallen. Wir müssen hin zu einer Kultur des Verständnisses. Weg von Schuldzuweisungen. Wir müssen einander helfen, Unfälle zu vermeiden. Auch Programierer, die künftig Autos das Fahren beibringen und sich später eventuell verantwortlich fühlen könnten, wenn ihre Technik versagt, benötigen dann unseren Zuspruch. Wir können nur schwer einen weiteren Fortschritt erwarten, wenn wir die Menschen die uns eine technische Weiterentwicklung ermöglichen, für schuldig erklären. Wer möchte mit dieser Schuld leben?
Erst wenn die Furcht vor vermeintlich falschen Entscheidungen überwunden ist, können Menschen die richtigen Entscheidungen in Handlungen umsetzen.
Denn Angst verhindert rationales Denken.

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