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Wenn der "Laie" Wikipedia liest

Nehmen wir mal rein hypothetisch an, ich wäre Patient oder Verwandter eines Patienten von Dr. House (TV-Serie).  Das ganze Fachchinesisch der Ärzte würde mich sicherlich verunsichern. Natürlich wüsste ich gerne vorher genauer bescheid, bevor ich mich in Behandlung begebe oder einer Behandlung eines nahen stehenden Menschens zustimme. In meinem hypothetischen Beispiel wäre die Diagnose "Leukämie" und die vorgeschlagene Therapie würde ein vielversprechendes Medikament beinhalten.


Eine Super Besetzung für einen empathischen Onkologen. Wilson sieht derart harmlos aus,
ihm würde man nicht mal zutrauen, Butter mit einem Messer zu verstreichen.

 

Zuerst würde ich mir zu Leukämie die Basics anlesen. Für ein komplettes Arzt Studium langt die Zeit bei Leukämie in der Regel nicht mehr.

Leukämien (griechisch λευχαιμία leuchaimia, von λευκός leukós „weiß“ und αἷμα haima „das Blut“), umgangssprachlich auch als Blutkrebs bezeichnet, sind maligne Erkrankungen des blutbildenden oder des lymphatischen Systems und gehören im weiteren Sinne zu den Krebserkrankungen. Ein anderer früher verwendeter Ausdruck für diese Erkrankungen ist Leukose.
Leukämien zeichnen sich durch stark vermehrte Bildung von funktionsuntüchtigen Vorläuferzellen der weißen Blutzellen aus. Diese werden auch Leukämiezellen genannt. Sie breiten sich im Knochenmark aus, verdrängen dort die übliche Blutbildung und treten in der Regel auch stark vermehrt im peripheren Blut auf. Sie können Leber, Milz, Lymphknoten und weitere Organe infiltrieren und dadurch ihre Funktion beeinträchtigen. Die Störung der Blutbildung vermindert die normalen Blutbestandteile. Es entsteht eine Anämie durch Mangel an Sauerstoff transportierenden roten Blutkörperchen, ein Mangel an blutungsstillenden Blutplättchen und ein Mangel an reifen funktionstüchtigen weißen Blutzellen.

Quelle Wikipedia: Leukämie - Stand 3.2016


Der wichtige Teil für mein Verständnis:

Leukämien zeichnen sich durch stark vermehrte Bildung von funktionsuntüchtigen Vorläuferzellen der weißen Blutzellen aus.

Danach würde ich versuchen, etwas über die Therapie zu erfahen.

Therapiedurchbruch bei der CLL
Am 1. November 2013 erteilten die USA und am 29. Juli 2014 die europäischen Behörden einem bei Roche entwickelten Wirkstoff die Zulassung. Bei Patienten mit der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) ist schon nach wenigen Therapietagen mit dem Wirkstoff Obinutuzumab (alter Wirkstoffname war Afutuzumab) in Kombination mit dem milden Chemotherapeutikum Chlorambucil ein rapider Rückgang der Blutkrebszellen feststellbar. Nach Abschluss der Therapie waren bei über 20 % der Patienten keine Krankheitszeichen mehr vorhanden.[11]

https://de.wikipedia.org/wiki/Leukämie#Therapie

Das klingt doch super, also klick ich mal auf den Link Obinutuzumab. Das soll das Medikament sein, für die Behandlung. Dort lese ich jedoch:

Studien
Eine deutsche Studie mit 781 Patienten zeigte, dass Obinutuzumab im Vergleich zu Rituximab bessere Ergebnisse bei der Behandlung komorbider Patienten mit CLL erzielt.[3] Im Schnitt konnte die progressionsfreie Überlebenszeit um 10 Monate verlängert werden, indem bei der Standardtherapie Rituximab und Chlorambucil ersteres mit Obinutuzumab ersetzt wurde. Jedoch kam es unter Obinutuzumab häufiger zu Infusionsreaktionen und Neutropenien.

https://de.wikipedia.org/wiki/Obinutuzumab
 

Das Fachchinesisch nimmt progressiv, mit jedem weiteren Link zu. Doch unerbittlich klicke ich mich weiter, denn es wäre ja eine „lebenswichtige Entscheidung“ - Neutropenien! Klick.

Die Neutropenie (syn. Neutrozytopenie, Granulozytopenie) beschreibt die Verminderung der neutrophilen Granulozyten im Blut. Sie ist die häufigste Form der Leukopenie, also der Abnahme der Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten).
https://de.wikipedia.org/wiki/Neutropenie

 

Und spätestens jetzt werde ich stutzig. Da ergibt sich für mich als Laien ein sehr unvorteilhaftes Bild, denn ohne weiße Blutkörperchen ist unser Körper quasi schutzlos.

1.) Leukämien zeichnen sich durch stark vermehrte Bildung von funktionsuntüchtigen Vorläuferzellen der weißen Blutzellen aus.

2.) Das Medikament führte in Studien zu einer "Abnahme der Zahl der weißen Blutkörperchen".

Wenn man zuvor schon wenig funktionierende Leukozyten hatte, dann hat man, dem Wortlaut nach, hinterher auch nicht mehr davon. Bei mir, dem nicht studierten und Laie, weckt so etwas kein Vertrauen, weder in Wikipedia, noch in die Medizin und Wissenschaft. Denn solche und ähnliche (für den Laien) widersprüchlich anmutenden Zusammenhänge fand ich schon häufiger in der Wikipedia. Wahrscheinlich ist es nur eine Fehlinterpretation meinerseits. Typisch ist wohl, dass man ohne Fachwissen die Zusammenhänge aufgrund mangelnden Verständnisses der Fachsprache nicht einschätzen kann. Doch manchmal kommt bei mir die Paranoia durch. So schleicht sich manchmal ein Vermutung ein, dass eine Verschleierung der Zusammenhänge durch absichtliche Verwendung von Synonymen und unterschiedlichen Namen gegeben sein könnte. Auch paranoide Menschen haben ein Recht (kein juristisches, aber wohl ein statistisches) auf zufällig zutreffende Verschwörungstheorien :)

Was ich zB häufig in der Wikipedia entdecke, ist die Ursache für viele schwerwiegende gesundheitliche Probleme. Da wären Benzol und ionisierende Strahlung.
So wird es mir wohl auf immer ein Rätsel bleiben warum die Menschen weiter an Verbrennungsmotoren im Auto und Kernkraft festhalten wollen. Aber vielleicht sind auch hier die Zusammenhänge für Laien einfach nur missverständlich?

 

(edit nachtrag: Leukämie und weiße Blutkörperchen, ein entscheidender Hinweis zum Verständnis des Sachverhalts scheint hier zu liegen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Blast_(Biologie)
https://de.wikipedia.org/wiki/Knochenmark#Granulopoese
Jetzt hätte ich gern einen Dr. House, besser noch einen Dr. Wilson, der mir eine schöne Metapher liefert wie dies in einen sinvollen Zusammenhang gebracht werden kann. Zu schade dass die Serie eingestellt wurde. )