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Journalismus | Schwarz oder Rot - Schweigen ist Gold

Es lebt sich gut, in dem Gefühl informiert zu sein. Doch wer wachsam die Medien beäugt, wundert sich vielleicht. In Internetforen, am Stammtisch, beim Kaffeekränzchen - ja sogar mit dem Nachbarn über den Gartenzaun kommen Fragen auf, die werden nicht beantwortet. Offensichtliche Fragen. Fragen auf die wir, die Bürger, sicher alle gerne Antworten hätten. Fragen die komischer Weise nie gefragt werden. Warum stellen Journalisten so seltsam weichgespültes Zeug?

Fragen die unsere Sicherheit, unsere Rente, Ausbildung, Auslandspolitik oder den Sport betreffen. Warum traut sich kein Journalist denen, dort oben, mal auf den Zahn zu fühlen. Warum schreiben die Tageszeitungen handzahm und ohne jeden Biss? Die Vermutung liegt nahe, dies läge allein an den Werbepartner, doch das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Es gibt Medienprofis, die lassen sich nicht von jedem Interviewen. Ausweichende Floskeln sind stets im Überfluss vorhanden, doch wenn es zur Sache geht, dann werden die wichtigen Themen plötzlich vergessen. Kein Journalist drängt eine Kanzlerin zu einer Antwort zu unangenehmen Themen. Kein Interview in dem ein Bankenmanager Federn lassen muss. Die Wahrheit ist profan. Das Persönlichkeitsrecht schützt jeden, Verbrecher, Politiker, Bürger vor unangenehmen Fragen von Journalisten.

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"Ein gut sichtbares Mikrofon ist Teil eines Interviews.
Das Wort vor einem Mikrofon gilt [nicht uneingeschränkt] als Zustimmung zur Veröffentlichung."
 

Denn nach der deutschen Rechtslage besteht für den Interviewten die Möglichkeit eines Autorisierungsrechts. Bei einem uneingeschränkten Autorisierungsrecht, kann der Interviewte vollständig bestimmen, was nicht gedruckt, gesendet oder anderweitig verwendet wird. Was danach übrig bleibt, hat selbstredent nichts mehr mit Journalismus zu tun.

Selbst unsere Bundesregierung, die wir gewählt haben, ist nicht zur Gewährung von Interviews verpflichtet. Sie können die Rahmenbedingungen und den Inhalt eines Interviews vorgeben und eine abschließende Autorisierung vereinbaren. Forderungen der deutschen Presse diese Regelung aufzuweichen, um über das gesprochene Wort zu berichten wurde von der Bundesregierung unter Kanzler Schröder abgelehnt und auch die CDU/CSU wird sicherlich keiner Änderung diesbezüglich zustimmen.

Die konkludierende Zustimmung zu einem Interview ist, wenn der Befragte in ein Mikrofon oder vor laufender Kamera spricht. Dies darf der Journalist als Zustimmung werten. Das erklärt dann auch das furchtbare Gedränge und die Traube um Prominente, als würde es kein Morgen geben. Was dort vor der Anhäufung von Journalisten gesagt wird, ist quasi Druckreif und "quasi" von jeglicher Zustimmung des Interviewten befreit, sofern nicht zuvor durch eine Eingangskontrolle eine Autorisierungsvereinbarung getroffen wurde. Auch dies ist möglich - um zum Beispiel dem Zuschauer später zu suggerieren, es handle sich um eine spontane Frage und Antwort Situation.

Wer sich also in unserer lupenreinen Demokratur noch auf die Presse verlässt, steht einer ziemlich ausgefuchsten "Nachrichten Erzeugungs Industrie" gegenüber. Von Zensur ist da keine Rede. Man muss halt nur die Zustimmung der Politatoren einholen. Dann darf man auch berichten was unsere Regierung will.

Das öffentliche Interesse ist das einzig entscheidende Merkmal einer Berichterstattung, Interview oder Journalistischen Erzeugnis, dass den Persönlichkeitsrechten vorangestellt wird. Was davon überwiegt wird nicht selten von Richtern entschieden.  Und hier bleibt ein Lichtblick, häufig entscheiden Gerichte zugunsten der freien Berichterstattung und zum Wohle der Allgemeinheit, für das öffentliche Interesse. Ein Autorisierungsvertrag bleibt hiervon jedoch unberührt.

Mit informativen Grüßen,
yt