Ist eine "Wirtschaft / Ökonomie" ohne Werbung "denkbar / möglich" ?

Ich kann mir gut vorstellen dass es durchaus möglich ist auf Werbung als Produkt zu verzichten. Statt dessen gäbe es nur das Angebot von Waren
im örtlichen Einzelhandel oder Versandkatalog (On / Offline).

Ausgenommen wären natürlich auch mündliche Empfehlungen, Suchmaschinen oder das schmuckloses Branchenverzeichnis. Auch eine Webseite ist ja nicht aufdringlich und wie sonst würde ein Kunde je wieder einen Handwerker oder Dienstleister finden, geschweige denn das jeweilige Fachgeschäft.

Ich betrachte dies als Gedankenexperiment, nicht als Zensur oder Planwirtschaft.
Ich versuche mir dabei vorzustellen, aufdringliche Werbung, Druckerzeugnisse, Werbebanner o.ä. seien verpönt, unsittlich, bzw Kultur bedingt nicht von der Gesellschaft akzeptiert. So, wie zum Beispiel die "Erregung öffentlichen Ärgernisses" oder die "Umweltverschmutzung", als Bagatelle / Ordnungswidrigkeit bis hin zur Straftat in besonders schweren Fällen.

Knotenpunkte daraus resultierender Gedankengänge waren dabei für mich
(wertfrei):

  • Mehr Verantwortung für den Einzelhandel.
  • Stärkere Nutzung regionaler Waren.
  • Weniger Arbeit, Arbeitsplätze, Arbeitszeit.
  • Weniger Angebote, Auswahl.
  • Weniger Bedürfnisse.
  • Große Ressourcen und Energie Einsparung.
  • Weniger Müll, Einweg, Verpackung, Transport.
  • Mehr Konkurrenz
  • Mehr Gewinn für den Hersteller
  • Mehr Qualität

Ich kann mir gut vorstellen, Produkte würden sich "Durchsetzen". Weil sie über die Mundpropaganda und Blogs, von Kunden beworben werden würden. 
Und das ist IMHO mit Abstand die beste Werbung.

Im Prinzip ist es nicht einmal ein theoretisches Planspiel. Kein Sozialismus / Kommunismus.
Es ist schon jetzt ein freie Entscheidung.

Ein Beispiel aus meiner Überlegung:
Ärzte dürfen für sich nicht werben. Was gibt es im Leben wichtigeres als einen guten, vertrauenswürdigen Arzt?
Woher weiß ich welches der "beste" Arzt in meiner Umgebung ist?


Wenn meine Ware/Produkt/Dienstleistung ein Merkmal erfüllt, für den es tatsächlichen Bedarf gibt, wird der Kunde selbst aktiv danach suchen, es finden und anschließend weiter empfehlen. Und sei es nur das Merkmal der örtlichen Verfügbarkeit.

Ein Gegenbeispiel aus meinen Überlegungen:
Aus der Empfindung heraus würde ich sagen, am stärksten beworben werden Produkte, die den geringsten Nutzen in unserem Leben bringen.
Mode, Schmuck, weiche Drogen, Unterhaltung.
Auch gibt es Beispiele, dass besonders die Ladenhüter verstärkt beworben werden.

 

Aktuelle Lage:
Auf meinem Briefkasten steht gut lesbar: Keine Werbung, Beileger, Flyer oder Gratisexemplare
Ich habe eine Zeitung abonniert und Spende sporadisch an Webseiten. Bewusst. Mehr möchte ich gar nicht.
Trotzdem bekomme ich viel Papiermüll. Es hält sich niemand daran, was an meinem Briefkasten steht. Eine Firma hat uns kostenlos eine Papiermülltonne aufgestellt. Diese steht nun auf unserem Grundstück. Bewusst werfe ich die unerwünschte Werbung ungelesen dort hinein.

Diese unsäglich Energie und Rohstoffverschwendung wird mir aufgezwungen. Im Netz hab ich auch nicht um Werbung gebeten. Wenn ich irgendwo auf
einen Link klicke, muss ich vertrauen. Ich kann nicht sehen was nach dem Klick passiert.

Die Erfahrung lehrte mich - es passiert nur Sche***. Gehackte Werbeserver sind zwar selten, aber wenn es auch nur einmal passiert, bekomme ich keine Entschädigung von den Seitenbetreibern. Unsinnige Profile und Statistiken will ich auch nicht unterstützen. Personalisierte Werbung hat noch nie funktioniert.
Kaufe ich eine Waschmaschine o. Zahnbürste bietet man mir kein Pulver o. Zahnpasta an, sondern 5 weitere Waschmaschinen/Bürsten. Ausnahmen
bestätigen diese Regel.

Also habe ich, wie viele andere auch, alles geblockt. Das ist eine bewusste Entscheidung.
Ich kaufe auch die CT, ganz bewusst, am Kiosk, dann wenn der Inhalt mich interessiert. Auch wenn der, für mich interessante Inhalt nur 5% der Zeitung ausmacht. Reißt man die Werbung aus der CT heraus, bleibt nicht viel übrig.

On- wie Offline, Werbung ist IMHO zu Spam verkommen. Das Selektieren benötigt mir pers. zu viel Zeit. Also gibt es für mich nur noch radikale Opt-In Lösungen. Allem anderen Verweigere ich mich bewusst. Mail Spam wird schon bei "VERDACHT" vom Server gelöscht. Ich vermisse
nichts.

Die Auswirkungen aus diesem Verhalten sind:

  • Ich vertraue wieder mehr meinem Händler vor Ort, rede mit ihm.
  • Ich nutze stärker regionale Waren.
  • Ich nehme weniger Angebote wahr.
  • Ich habe mittlerweile weniger Bedürfnisse.
  • Das Müllaufkommen in unserem Haushalt ist stark geschrumpft.
  • Ich habe eine geringere finanzielle Belastung und geringere Ausgaben.


Weniger ist für mich ein Mehrwert geworden.

Vielleicht mag das nun unrealistisch erscheinen oder kautzig. Natürlich würden Arbeitsplätze verloren gehen, würden alle Menschen meinem Beispiel folgen. Auch gibt es viele Menschen die gerne verkaufen und es gibt Menschen die gerne kaufen. Alles freier Wille. Soll jeder wie er will. Genau das geschieht seit Jahrhunderten jeden Tag, millionenfach.

Nun möchte ich gern, dass auch meine Freiheit respektiert wird. Das es auch die Möglichkeit gibt, von Werbung verschont zu bleiben.

Denn Werbung befindet sich ja nicht nur offensichtlich und als Werbung deklariert. Oder so offensichtlich wie bei Wetten Dass und anderen TV o, Radio Shows. Ständig werden "Designer Studien", "Prototypen", "Neuheiten" und "Ankündigungen" in journalistische Beiträge verpackt. Das ist alles nichts anderes als Werbung. Oder auch politische Werbung, von Pressesprechern. Große Entwürfe, n Punkte Pläne, Vorhaben, Absichten ... alles nonsens.
»An ihren Taten sollt ihr sie Messen.«

Beispiel:
Ich suchte eine passive Grafikkarte. Eine ohne Lüfter. Daraus ergibt sich zwangsläufig ein geringer Stromverbrauch der Grafikkarte.
Ich sah viele Ankündigungen und Prototypen im Internet. Doch zu kaufen gibt es kaum eine. Denn die passiv gekühlten Modelle, gibt es selbstredent auch als aktiv gekühlte Modelle. Und die sind durchaus Verkaufsschlager. Werbung wurde genug dafür gemacht.

Ich stelle mal die These in den Raum:
Sobald ich ein Produkt aktiv bewerben muss, mit Werbung als eigenständiges Produkt, dass ich an den Kunden heran tragen muss, ist das zur Profit-optimierung, nicht aber zur Produktoptimierung. Ein kleiner Kreis kann viel eher Feedback geben, ich kann das Produkt sogar individualisieren. Es verbessern. Es reift. Das ist etwas anderes als die Bananenprodukte die wir im Moment kaufen können.

Ich kann mir gut eine Welt ohne das Massenprodukt "Werbung" vorstellen. Es würde vieles vereinfacht. Nicht zwangsläufig besser oder "richtiger" ... aber in jedem Falle möglich und persönlicher.

Vor allem aber halte ich es für wahrscheinlich, dass es eine andere Gesellschaftsform geben wird. Eine die Ressourcen schonen wird und einen persönlicheren Kontakt zwischen Herstellern und Kunden pflegt. Ohne Profiling, Scoring und Überwachung. Denn durch die starke Vernetzung kann ich bald bequem, von überall aus der Welt, ohne Zwischenhändler, kaufen und verkaufen.


Abgesehen davon war eine meiner liebsten Werbekampangen die insgesamt  9 Werbespots von Reebok - »Terry Tate Office Line Backer«. Absolut zeitlos schöne Comedy. Selten hab ich so gelacht. Toll das es solche Werbung gab/gibt. Meinen Respekt an die kreativen Köpfe und Handwerker hinter den Kulissen solcher Erzeugnisse. Ich persönlich habe das Gefühl, dass das Produkt, der Sportschuh, qualitativ unterirdisches Ausmaß angenommen hat, im Vergleich zu den Produkten aus den 90ern / Anfang 2000. Als ob es sich um Produktfälschungen handelt. Billig und nur durch Werbung aufgewertet. Das ist aber nur meine subjektive Wahrnehmung der mir vor Ort angebotenen Waren.

Mit experimentellen Grüßen,
yt

Kommentare

ist das Schlagwort das Deinem Briefkasten fehlt. Dazu gehören auch "Einkauf Aktuell" und die ganzen Werbeblättchen.
So sagte mir eine Freundin und Briefträgerin. Seitdem steht an meiner Box "Keine Werbung, keine Kostenlosen Zeitungen, nur an mich persönlich adressierte Post einwerfen. KEINE GRATIS BILD!"
Funktioniert.
Die einzigen die das nicht raffen sind blinde Einwerfer irgendwelcher Sekten. Achja, und findige Möchtegern-Bürgermeister.
Am Anfang hab ich meinen Postboten geschult indem ich unzulässige Post über dem Briefkastenschlitz montiert habe, das hat dann sehr schnell funktioniert.
Online benutze ich natürlich auch einen AdBlocker, ohne ist das ja gar nicht auszuhalten. :) Werbung im Fernsehen erlebe ich nicht mehr, ich sehe nicht fern.

Dein Gedankenexperiment gefällt mir. Auch wenn ich weiß, dass ich andere Bedürftnisse habe als Du. ;) (Obwohl ich etwas darüber nachdenke, nach der (wahrscheinlich baldigen) Selbstzerstörung meines iPhones auf dieses "Mobile Endgerät" zu verzichten. Ok, das waren wieder 2 Gedankenhüpfer. Kennst Du QNTAL? (Höre ich gerade.)
Nein ich bin nicht leicht abzulenken. Oh ein Schmetterling.. ;-)

BTT: Ich denke, nein ich weiß, dass Mundpropaganda funktioniert. Mein Liebligs-Motorradladen "Biker City" (Bekleidung & Werkstatt) hier in Kriftel war bis Bochum durchaus bekannt. Ich bin da seit 18 Jahren Kunde und habe noch nie Werbung gesehen. (Leider haben sie vor 1 1/2 Jahren dann den Bekleidungs-Shop aufgegeben und reparieren seitdem unter dem Namen "Motorradservice Speth". ) Mein Lieblingssportgeschäft ist ein lokales Geschäft in Hofheim, keine Kette. Etwas teurer, super Beratung, gutes Sortiment. Da zahle ich gerne auch mal ein paar Euro mehr.
Was ich damit sagen will: JA! Ich bin sicher es ginge auch sehr gut ohne die Werbeindustrie.

Da aber der Adresshandel "das neue Öl" ist, und dieser natürlich besonders für die Werbung von Bedeutung ist, wird diese unerschöpfliche Quelle an Geld so schnell nicht abgedreht werden.
Und letztendlich bezahlt der Kunde noch den ganzen Werbeaufwand beim Kauf der Ware, ob er nun die werbung gesehen hat oder nicht.

Ach ja, ich bin nicht objektiv. Ich hasse Werbung. ^^

"Frau Meike" hat zum Thema Werbung auch gerade einen lesenswerten Artikel" geschrieben, mit weiteren lesenswerten Links darin.

Genug getippselt.. :)

Moki

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