Fukushima | Japanische Bevölkerung, das unbekannte Wesen

Wann immer ich mit Menschen aus meinem Bekanntenkreis sprach, gab es die vorherrschende Meinung, die japanische Bevölkerung würde die Atomkraft befürworten. Dabei wurde die Zurückhaltung und das Harmoniebedürfnis der japanischen Bevölkerung, allem Anschein nach, gründlichst missinterpretiert.

Während in Deutschland in vielen Städten von Anti Atomkraftdemonstrationen zu lesen war, berichtete deutsche Medien nur von spärlichen Protesten in Japan. Der kulturelle Unterschied, fand keine Berücksichtigung. In Deutschland gibt es eine ausgeprägte Protestkultur, Gewerkschaften und starke, medienwirksame Umweltorganisationen. Im Gegensatz dazu ist über Japan zu hören, dass Kritik, Wut. Empörung in der Öffentlichkeit eher unüblich sind.

Doch in anonymen Umfragen, oder auf eine direkte Frage hin, sagt auch ein Japaner, klar und deutlich seine Meinung.

»A government decision last June to restart the Oi reactors galvanized the country's previously dormant anti-nuclear movement, sparking the biggest demonstrations in decades.

Media surveys have shown a majority of Japanese want to abandon atomic energy by 2030, if not sooner.«
Quelle: http://ajw.asahi.com/article/0311disaster/fukushima/AJ201304160084
 

»Eine Entscheidung der Regierung im Juni, den Oi reactor wieder in Betrieb zu nehmen, reaktivierte die zuvor fast ruhende Anti-Atomkraftbewegung, und es entbrannte daraus die größte Demonstration seit Jahrzenten.

Laut Medienumfragen gibt es in Japan eine große Mehrheit für den Austieg aus der Kernenergie bis 2030, wenn nicht schon eher.«

Ich halte es für wichtig, zu wissen, dass die Mehrheit der Menschen keineswegs dumm oder unpolitisch ist. Weder hier noch in Japan. Vielmehr ist es ein Problem des Informationsflusses. Je nach Strömung und Präferenz, entsteht ein anderer Eindruck. Wenn wir in einer globalisierten Welt leben wollen, wird es schwierig jedes Detail zu erfassen.

Ein interessantes Video über die kulturellen Unterschiede, und warum Japaner für uns so unpolitisch erscheinen mögen.

 

Mit informativen Grüßen,
yt
 

Kommentare

Es ist sowieso schade, dass das Thema bei uns nur kurz hochgekocht wurde und dann wieder voellig in der Versenkung verschwand. Boese ausgedrueckt: Die meisten Menschen in Deutschland hat die Katastrophe als solche schockiert, aber die Anteilnahme fuer die japanische Bevoelkerung war nicht sehr stark ausgepraegt. Das ist nur mein persoenlicher Eindruck.

http://ajw.asahi.com/article/0311disaster/life_and_death/AJ201304220001

Die Dimension ist vor allem deswegen so unbegreiflich, weil Japan ein ungewöhnlich still leid ertragendes Völkchen zu sein scheint. Man denke nur an Hiroshima & Nagasaki. Menschen die an den Spätfolgen litten, Zivilisten, - wann hast du je von ihnen gehört? Es gibt sie - selbst heute noch.

Mit vernetzten Grüßen,
yt

Nachtrag: Trotz allem steh ich nicht so sehr auf diese Mitleidswellen rund um den Globus, Charity for xyz etc. Das ist mir in der Regel zu anonym. Was mich bei dem Thema  beschäftigt ist, dass man daran sehr schön erkennen kann, wie wichtig Aufklärung ist. Wie wichtig die Rolle der Medien ist. Wie Politik und Wirtschaft ein Volk kaputt macht.
 

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