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Energiesparhaus | Die erste Stromrechnung

Die erste Stromabrechnung im neuen Haus ist eingetroffen. Zeit eine erste Bilanz zu ziehen.

Im Nachhinein kann man sagen, es ist fast alles schief gelaufen. Murphys Law hat uns ganz schön auf Trab gehalten. Die umliegenden Handwerker konnten sich nicht über Langeweile beklagen. Man kann aber auch sagen, alles ist gut geworden. Die erste Stromrechnung deutet in diese Richtung, es kann aber noch deutlich besser werden. Aktuell hatten wir im Jahr 2012 ca 4100kWh aus dem Netz bezogen, 4300kWh erzeugten wir selbst. ca 1000kWh konnten wir selbst verbrauchen. Insgesamt also ca 5100kWh für 2 Personen.

Naturstein, Bruchmarmor im BadezimmerAber - wir Heizen auch mit Strom. Wir heizten in den schlimmsten Monaten des vergangenen Jahres sogar mit Heizlüftern, weil die Heizung ausgefallen war. Die Heizlüfter benötigten 1500Watt bis 3000Watt. 3 Stück liefen davon mehrere Stunden am Tag.
Im Badezimmer durfte ich mich kreativ austoben. 5 Tage Arbeit. Es fehlen noch die Wand/Höhlen-Malereien.
Danach heizten wir lange Zeit mit dem Heizstab. Also auch rein elektrisch. Auch zum Ende des Jahres fiel die Heizung erneut aus und wir mussten wieder mit dem Heizstab heizen. In den Tagen in denen unsere Heizung funktionierte, etwa 330 Tage, wurde unser Haus in jedem Raum, auf unsere Wohlfühltemperatur, mit luxoriösen 23 Grad erwärmt. Insgesamt 150m². Deckenhöhe 2,60 plus offene Deckenkonstruktion. Im Badezimmer ist es in der Regel ein Grad wärmer.

Als die Heizung das erste mal ausfiel, sank das Thermometer nicht sonderlich, <strike>21 Grad</strike> grausame 18 Grad, das war die kälteste Temperatur die wir ertragen mussten, bei Minus -10 Grad Außentemperatur. Also kein Grund für Mitleid. Zurück zu meiner Stromrechnung.
Mit einer 5,5kWp Photovoltaik die erst Anfang April in Betrieb ging und zudem um 30% gedrosselt ist, konnten wir das vergangene Jahr 4300kWh erzeugen. Immerhin 200kWh mehr als wir selbst einkauften. Jedoch verbrauchten wir von den 4300kWh etwa 1000 kWh selbst und 3100 speisten wir in das Stromnetz ein. Damit haben wir unser Ziel der Selbstversorgung diese Jahr um etwa 800kWh verfehlt. 100% Eigenverbrauch wären auch mit einer Hausbatterie nicht möglich, das zeigt die Statistik des Winters ganz deutlich.

Doch es kann nur besser werden.

Unsere Luftwärme Pumpe war verkehrt eingestellt und schaffte Anfang des Jahres ihre Leistung nicht. Die verschiedenen Parameter einer modernen Anlage sind sehr komplex und müssen individuell an das Haus und den Bedarf angepasst werden. Es waren die entscheidenden Werte verkehrt, so dass die Anlage über einige Tage unbrauchbar war. Auch das warme Brauchwasser wird im Winter über die Luftwärmepumpe erzeugt. Im Sommer erledigt dies eine Solarthermie. Das Brauchwasser wurde jedoch viel zu oft, zu hoch erhitzt, bis ich gelernt habe die entsprechenden Einstellungen zu verstehen. Das hatte sicherlich auch einige hundert Kilowattstunden gefressen. Ende des Jahres kam dann noch einmal ein Temperatursturz und die Heizung schaffte erneut ihre Leistung nicht. Die Heizungsanlage war schon ganz gut eingestellt, jedoch wurde sie mit der falschen Soleflüssigkeit befüllt. So gab es erneut einige sehr kalte Wochen, in denen wir auf Energie aus der Umwelt verzichten mussten und ausschließlich mit Strom heizten.

Doch dieser Winter brachte auch gutes mit sich. Ich lernte die Solarthermie zu justieren und konnte im Januar die ersten Tage mit den Vakuum-Röhren Kollektoren heizen. Zuvor war die Heizungsunterstützung eher nutzlos, weil die "entscheidenden Einstellungen" der Anlage nicht korrekt waren. Auch die Solarthermie läuft derzeit mit nur 90% Leistung. 4 Röhren schraubten wir heraus, weil die Temperatur zu schnell stieg und der Kessel die Wärme nicht aufnahm. Vor und Rücklauf waren vertauscht. Die 4 Röhren werden dieses Jahr wieder hineingeschraubt.

Jetzt fragt man sich natürlich, welcher Schussel installiert so eine teure Anlage und versemmelt das so grandios?
Es ist müßig mit dem Finger zu zeigen. Viele Monteure die an dieser Anlage schraubten, machten ihre Fehler und niemand bemerkte, dass die Anlage ein Jahr lang mit der verkehrten Flüssigkeit lief. Dabei ist diese vom Hersteller extra deutlich in Blau gefärbt, während alle "nicht Luftwärmepumpen" eine klare Flüssigkeit bekommen. Undichtigkeiten wurden nicht bemerkt. Auch fiel den Fachmännern der zu geringe Leitungs-Querschnitt erst sehr spät auf. Bis auf wenige Experten,  konnte ich die gesamte Palette, von Pfusch bis solides Handwerk, beobachten.

Die insgesamt 5100kWh die wir im Haus benötigten sind inkl. des Stromverbrauchs von Küche, Wäsche, Computer, Licht, etc.
Mit dem Verkauf des Stroms aus der PV Anlage bleiben derzeit 30€ im Monat für Strom und Heizung. +80€ Abtrag für die Solaranlage. Die sollte man nicht verschweigen. Denn die Anlage ist weder Umsonst noch kostenlos.

Ziel für das laufende Jahr, alle Einstellungen zu optimieren um am Ende mit einem Plus an Energie die Rechnung zu erhalten. Mal sehen ob das gelingt. Die Vorraussetzungen dafür sind geschaffen.

Fazit:
Eine Luftwärmepumpe bringt genügend Leistung auch bei tiefen Temperaturen. Wenn sie fachgerecht montiert und justiert ist.
Vakuumröhren können schon im Januar den Tagesbedarf für die Fussbodenheizung übernehmen, wenn die Anlage richtig programmiert ist.
Klempner und Heizungsmonteure sind auch nur Menschen.

Der aber wichtigste Punkt in einem Energiesparhaus ist Winddichtigkeit und Isolierung. Sonst fällt die Stromrechnung ebenso dicke aus, wie mancher Orts die Wollsocken im Winter.

Mit optimistischen Grüßen,
yt