Zeit-Reise | Bilder Geschichten

Vor kurzem öffnete ich einen Karton und eine Reise begann. Es war eine Zeitreise, in die Vergangenheit. Meine Generation (70er) ist mit Comics groß geworden. Erst Anfang der 80er Jahre begann der Siegeszug des Privatfernsehens und erst einige Jahre später, gab es "Homecomputer" mit Computergrafiken. Zuvor belieferte uns das lustige Taschenbuch, Fix und Foxi, YPS mit Gimmick, mit dem dringend benötigten Stoff, um aus der Alltagsrealität zu entfliehen. Ich erinnerte mich daran zurück, wie ich zur Computergrafik kam, wie ich zum Comiczeichnen kam und wie diese Leidenschaft wohl entstanden ist.

Das Dschungelbuch - kein ComicDen Anfang machten die Bilderbücher. Sie waren den Comics ähnlich, aber aus irgendeinem Grund nannte man sie nicht Comic, sondern Bilderbuch.

Tatsächlich fehlen dem Bilderbuch die typischen Sprechblasen. Es werden Geschichten erzählt, und bebildert. Ich denke dies dürfte mit das wichtigste Kriterium für die Unterscheidung zwischen "Bilderbuch" und Comic sein. Was die Comicwelt in meiner Umgebung anbelangte, war Walt Disney damals unausweichlich die Nummer eins in allen Verkaufsläden, Kiosken und Buchhandlungen.

Das Dschungelbuch ist ein solches Bilderbuch, quasi die Einstiegsdroge für Comic-Kinder. An dem Beispiel sieht man auch die für den Disney Konzern typische Verniedlichung. Denn das Dschungelbuch von 1967, so wie es die meisten wohl kennen, unter der Regie von Wolfgang Reitherman, ist nicht das Original! Ich erfuhr davon sehr spät. Um genau zu sein, mit Erfindung der Wikipedia.

Das vorliegende, Disney Dschungel Buch ist eine Geschichte die nur einzelne Teile und Fragmente des Originals nutzt. Die Original Ideen, The Jungle Book,  stammte von Rudyard Kipling.  Um so weniger verständlich ist es, das auch Walt Disney sich in die Reihe derjenigen einreiht, die auf Urheberrechte pocht und den Kindern das Remixen verleidet, wenn der eigene Erfolg auch nur "geklaut" ist.

LTB - Das lustige Taschenbuch gehörte natürlich auch zu meiner Kindheit. Meiner frühkindlichen, sozialistischen Prägung folgend ergriff ich stets Partei für den Taugenichts und Antihelden, Donald Duck. Doch auch Goofy gehörte für mich zu den liebenswerten Charakteren. Kein Wunder das mir Phantomas und Super Goof sehr gefielen. Die Auskopplung der Panzerknacker aus der LTB Serie, geschah zum Ende meiner Jugend. Comics waren zu diesem Zeitpunkt schon weniger Kultobjekt und Liebhaberei. Werbung und Gewinnspiele nahmen in den wöchentlichen Heften überhand und auch die Lustigen Taschenbücher hatten die Taschengeld-Schmerzgrenze erreicht.

Überdimensionale Comics im Hardcover, waren auch nicht günstig, doch echte Hingucker. Während das Papier der kleinen Heftchen immer günstiger zu werden schien, gaben sich die Verlage große Mühe, die ältesten Comic-strips, die wir in Deutschland verpasst hatten, als Zweit oder Drittverwertung hier teuer zu verkaufen. Die eigentlichen Künstler, die Comiczeichner dürften dabei leer ausgegangen sein. Auch so ein Kapitel, dass die Verfechter des Urheberrechts gerne ausklammern.

Walt Disney´s Micky Maus mochte mich nie wirklich begeistern. Wer mag schon gerne Klugscheißer?

Die Panzerknacker hingegen waren auch wieder Antihelden mit denen ich leicht sympathisieren konnte, denn idR waren sie harmlos. Und das zeichnete die Comics meiner Jugend aus. In der Regel waren sie harmlos. Es starb nie jemand. Tod durch Gewalteinwirkung wurde nahezu ausgeschlossen. Es gab Episoden mit Beerdigungen, damit zB einer der Protargonisten eine Erbschaft machen konnte. Doch explizite Gewaltdarstellung war im LTB Universum nicht zu finden.

Auch Lupo, Fix und Foxi oder Yps waren insgesamt Kindgerecht, wenn man von der aggressiven Konsum Förderung mal absah. Die Verharmlosung einer zwei Klassen Gesellschaft und Prägung sexistischer Rollenbilder sind da nur Randaspekte. Das hat man als "Kind" nicht wahrgenommen.

Charlie Chaplin Comic, deutsche ErstausgabeEines der exotischen Expemplare in meiner Sammlung dürfte wohl die deutsche Nummer 1 Ausgabe eines Charlie Chaplin Comics sein. Wie sie in meinen Besitz gelangte ist mir schleierhaft. Ich war nie ein großer Fan von Charlie Chaplin, auch wenn er grandioses geleistet hat. Keine Frage. Für einen Charlie Chaplin Fan jedoch, waren die Infos und Kommentare im Heft, zum Leben und Schaffen des Komikers sicher hoch interessant. Daneben Lupo, ein Comic das mich ebenso wenig fesselte wie Fix und Foxi, die zwar irgendwie ganz niedlich waren, aber einen ebenso flachen Charakter aufwiesen wie Micky Maus.

Ich habe mal eine Geschmacksprobe der Charly Chaplin Zeichnungen fotografiert. Es sind typische westliche Zeichnungen die eher an einen Karikaturisten erinnern, als an einen Comic Zeichner, der seinem Held, ein eigenes Leben einhaucht.

Eine Karrikatur von Charlie Chaplin jedoch, konnte nur schwer das Original erreichen. Dieses Problem einer Nachahmung findet sich in fast allen Comic Figuren wieder, die einer realen Person nachempfunden sind, oder einer Fantasie Figur aus dem Fernsehen. In den 80/90er Jahren wurden auf diese Weise Tonnen an Schrott produziert, die nichts weiter als Merchandising waren. Ein Trend der bis heute anhält. Im Gegensatz zu eigenständigen Comicfiguren wie zB X-Men, Superman, Donald Duck, etc... standen die Kernschrott Werbe-Heftchen wie Alf, Knight-Rider oder Akte-X. Nahezu jede Serie die Lizenziert vermarktet wurde, bekam ihr eigenes Comic. Sehr zum Leidwesen der gesamten Branche. Comics wurden mehr oder weniger lieblos zusammengeschustert. Erfolg wuchs nicht aus sich selbst heraus, sondern wurde am Massenmarkt durch Try & Error ausprobiert. Die Industrialisierung verdrängte die Kreativität. Welche Chancen hat ein unbekannter Held gegen beworbene TV-Größen? Eine Supermarkt Kette kauft beim Großhandel. Da bleibt keine Zeit für Verhandlungen mit einem kleinen Verlag. Ja, auch der Supermarkt trägt seinen Teil zur Beerdigung einer einst künstlerisch wertvollen Comic-Kultur dazu. Denn das Budget in den Familien ist begrenzt. Und wer seine Kinder mit in den Supermarkt schleift, wird es ruhig halten wollen. Mit den "billig"-Comics, aus der Supermarkt Auslage, ist das Budget dann erschöpft und das Kind bekommt den Massenmarkt Einheitsbrei. Dabei gibt es auch heute noch sehr lesenswerte Comics in Buchhandlungen.

Intelligentes aus dem Fernsehen? Kult im Massenmarkt? Matt Groening gelang dieser große Wurf mit den Simpsons. Sarkastisch, ironisch, teils zynisch, albern, banal, bis hin zu tiefsinnig und x-Fach um die Ecke gedacht, sind die Simpsons in ihren ersten einhundert Folgen. Natürlich wurden auch die Simpsons verwurstet. Um Kunden und Sammler zu locken, gab es bald wöchentlich ein neues Format um eine begehrte Nr. 1 Ausgabe zu produzieren.

Simpsons Sonderheft
Großartige Frontcover Gestaltung des Krusty Comics
der Inhalte, FOX typisch - bescheiden bis grottenschlecht.

Simpsons Comic - BeispielUm mal ein Beispiel der furchtbaren Strichführung, des lieblosen Layouts und der völlig einfallslosen Hintergrundgestaltung zu zeigen, dessen Fantasielosigkeit nur noch durch alberne Textfolgen gesteigert werden konnte zu zeigen, hier ein Ausschnitt aus einem Simpsons Comic. Meiner Meinung würden selbst Autisten, Comics mit mehr Einfühlungsvermögen erstellen. Ich wage zu behaupten, Kleinkinder bringen mit Wachsmalstiften mehr Dynamik in eine abstrakte Darstellung des beliebten Gras, Haus und Sonne Motivs, als dieser Abklatsch einer einst kultigen Fernsehserie.

Während den Jahren wuchs die Begeisterung für weniger bekannte Titel, die erst später bekannt oder verfilmt wurden. Ich lernte den Bahnhofs-Kiosk zu schätzen. Denn nur Bahnhofskioske führten auch fremdsprachige Titel, Ramschware oder noch abstrakter - fremdsprachige Magazine die über Comics berichteten, die wir hier in Deutschland als Ramschware bezeichnet hätten.

Elfenwelt und Punisher - GrundverschiedenComics Scene - X-Men

Ob Walt Disney, Mangas oder Exoten - ohne Computerunterstützung wird wohl kein Comic mehr produziert. Sowohl die Simpsons als auch viele andere Comics werden heute Computerunterstütz produziert. Einige Comics entstehen sogar komplett am Computer, ohne das auch nur eine Vorlage auf dem Papier entstanden wäre. Jedoch gibt es sogar Gegentrends.  Studio Ghibli aus Japan hat vor kurzem den Weg zurück vom Computer an den Zeichentisch angetreten. Nach dem die Erfahrung zeigte, dass die Mitarbeiter an den Computern weniger Spass bei der Produktion hatten, als am Zeichentisch, werden nun die Animes wieder von Hand gemalt. Ich finde, das sieht man den Studio Ghibli Produktionen auch an, dass das gesamte Team Freude an der Produktion hat.

3D Characters Heute und GesternDie Computergrafik selbst, hat im Vergleich zu damals, doch ganz erhebliche Fortschritte gemacht. Eines der beeindruckensten Beispiele dürften wohl die Animationen aus Final Fantasy sein. Hier wurde schon früh sehr viel Wert auf Fotorealismus gelegt.

Computerspiele sind, meiner Meinung, quasi die konsequente Fortführung der Comic-Strips. In vielen Spielen übernimmt man die Rolle des Superheldens und steuert die Comic Figur selber. Ein legendäres Spiel aus den frühen Anfängen ist z.B. Spy vs. Spy. Wie so oft, verpennte Walt Disney (zumindest in Deutschland) diesen Trend. Comic und Computerspiele, das ist Pommes Rot-Weiß, oder Milchkaffee mit Schaum. Man kann es trennen, aber es harmoniert unglaublich gut :)

Lara Croft, Super Mario, Sonic the Hedgehog, Pokemons - wäre Walt Disney innovativer gewesen, hätten sie mit ihren zahlreichen Figuren, ganz sicher, den Computer-Spielemarkt beherrschen können. Doch während Walt Disney, die immer gleichen Figuren mit den immer selben Geschichten kombinierten, wuchs und gedieh ganz prächtig eine parallele Kultur. Welche ein Glück für die Menschheit :)

Auch beim Thema Computerspiele, der Dealer am Bahnhofs-Kiosk hatte auch zu diesem Thema, den heiß ersehnten Stoff.

StreetfighterBevor es Konsolen und Computer für daheim gab, standen in Spielhallen und Pommesbuden, die ersten Daddelautomaten. Deutschland war wie üblich Entwicklungsland und hoffnungslos Rückständig. Eines der beliebtesten Automatenvideospiele dürfte Street Fighter gewesen sein. Die Konsolenumsetzung auf dem Super Nintendo konnte zwar nicht richtig mit halten, war jedoch sehr gelungen.

Computer Games News YesterdayDoch anhand der Spielegrafik von Streetfighter lässt sich abschließend noch einmal gut demonstrieren, wie aus Bilderbüchern, Computerspiele wurden. Jede der Figuren wurde liebevoll gezeichnet, mit einer eigenen "Hintergrund Geschichte" (Backgroundstory) versehen und auf dem Computer zum Leben erweckt. (Foto muss ich nachreichen, da ist was schief gegangen.)

Doch sobald der Erfolg eintrat und Marketing Abteilungen eingeschalteten wurden, war das Ende nahe. So auch bei  Nintendo Europe, die es schafften - kultige Ideen bis zur Belanglosigkeit zu reduzieren, um möglich billig ihre Produkte zu bewerben. Da hätte man zweifellos weit mehr draus machen können. Die eigenen Clubzeitschrift war wenig informativ und spartanisch in der grafischen Gestaltung. Kurz vor ihrer Einstellung wurde sie ein wenig aufgepeppt, ...

Comics und die daraus entstandenen Geschichten haben eine Teils grandiose Entwicklung hinter sich, aber auch ihre Abgründe. Aber ganz sicher wird diese Geschichte noch viel weiter gehen. Bis wir selbst zu Superhelden werden, in virtuellen Welten in die wir uns per neuronalem Interface einklinken.

Das Kapitel Manga und Animes ist ein eigenständiges, dass ich ein anderes mal öffnen werde. Denn die Zeitreise, in die mich die Animes hinein gezogen haben, ist noch lange nicht beendet.

Mit bezeichnenden Grüßen,
yt

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