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Warum nachhaltige Produkte günstiger sind

Wer billig kauft, kauft zweimal. Eine Lebensweisheit die wohl fast jeder bejahen kann und wird.
Wer billig kauft, zahlt drauf. Meist hat man hinterher mehr Ärger, Zeitverlust, vielleicht sogar Kolleteralschäden.
Es zahlt sich nicht immer aus, sparen zu wollen.

Nun habe ich eine Meinungsverschiedenheit mit einem Blogger, den ich im übrigen sehr respektiere und seine Anregungen schätze.

Sein Standpunkt, nachhaltig hergestellte "BIO"-Lebensmittel wären teurer. Defakto sind sie das, jetzt. Dem kann ich nicht wiedersprechen.
Doch wenn ich eine Hypothese wagen sollte - wäre Bio der Standard, wäre nachhaltig produzierte Nahrung das minimum der Qualität, es wäre ebenso billig.

Unterm Schnitt, so denke ich würde sich das Verhältnis in der Waage halten und der geringe Preisaufschlag würde wett gemacht, weil wieder mehr Menschen in Lohn und Brot stehen.


Argument 1:

... weil viele Produkte zur Zeit für Billiglöhne im Ausland produziert werden.

Importierte Waren werden quasi subventioniert. Sie sind unnatürlich billig. Das ist ein anderes Problem, dass nicht direkt zur Debatte gehört. Jedoch geben wir einen beachtlichen Teil für Umweltschutz aus und verknappen Rohstoffe wie Erdöl durch die Verfrachtung dieser Lebensmittel. Kriege, Hungersnöte und andere Nebeneffekte gehören ebenso mit zu dem "billigen" Prodzuieren. Wenn nicht wir, dann zahlen kommende Generationen den Preis für die Ausbeutung von Mensch und Natur in fernen Ländern. Es würde uns gut tun keinen "Scheiß" aus dem Ausland zu importieren und dem Ausland täte es ebenso gut seine Bevölkerung nicht mit einem Hungerlohn ab zu speisen.

Argument 2:

.... weil Lebensmittel derzeit subventioniert werden.

Von wem? Von uns Bürgern? Ja, also zahlen wir den Preis doch ohnehin, nur auf Umwegen.

Argument 3:

....  Umweltschäden, energiekosten etc. werde nicht richtig in die kosten mit eingerechnet.

Saisonaler Anbau, nachhaltiges Wirtschaften, Biologischer Anbau sind in der Regel günstiger. Wenn überhaupt bedarf es mehr Arbeit durch den Mensch, statt durch Maschinen. Der Ertrag kommt der arbeitenden Bevölkerung zu gute. Der Lohn bleibt im Binnenmarkt. Nur wer finanziellen Rückhalt durch einen sicheren Arbeitsplatz hat ist ein kaufkräftiger Konsument. Warum schneidet sich dann aber die Industrie seit Jahren durch rationalisierung und outsourcing ins eigene Fleisch? - Ich denke, weil sie den Menschen an mindere Qualität gewöhnen und regelrecht abspeisen (u.a. mit geplanter Obsoleszens, auch bei Nahrungsmitteln. )

Arguement 4:

... mehr Bioware braucht größere Ackerflächen, den Verzicht auf Dünger.

Das ist nicht richtig. Zum einen wäre es sinnvoll nicht soviel Überschuss zu produzieren. Wir vernichten viel zu viele Lebensmittel. Der andere Aspekt ist, das auch nachhaltige Landwirtschaft düngt. Jedoch weniger mit mineralischem Dünger, der uns neben Uran auch jede Menge Nitrate ins Grundwasser spült. Zu viel gedüngt wird vor allem im konventionellen Anbau.
Sehr krass ist dabei der Mais Anbau, der laugt den Boden sehr stark aus. 

Der Preis den wir für die derzeitige Düngung zahlen ist sehr hoch. Gesundheitsgefahren mit langer Wirkungszeit. Nachhaltige Landwirtschaft geht sogar noch über die vier Felder Wirtschaft hinaus und die Bodenwerte bleiben länger stabil.
 

Argument 5:

... man müsste lokalen Anbau betreiben, anstatt im Ausland zu produzieren und auf Riesencontainerschiffen die Waren hierhin zu verschiffen.

Genau das spricht doch für BIO Produkte im Inland. Verschiffung ist Umweltverschmutzung im großen Stil. Schiffsdiesel ohne Russfilter, ... die hauen Raus das einem schlecht wird.
Der lokale Anbau würde für Arbeit, für sinnvolle Arbeit im Inland sorgen.

Argument 6:

... die Industrie kann sich nicht so einfach auf bio umstellen. Bio bedeutet Vielfalt.

Lebe ich für die Industrie? Leben wir alle nur als Sklaven für "Die Industrie" ? Natürlich bedeutet BIO Vielfalt. Das ist für die Evolution, für Fortschritt und den Menschen sehr wichtig.
btw. Auch die Tiefkühlpizza gehört für mich dazu. Nur weil ich der Meinung bin, wertvolle Produkte sollten der Standard werden, sehe ich ebenso auch eine Berechtigung für Fastfood und Genussmittel.
 

Argument 7:

... industrielle Grossproduktion braucht aber genormte Ausgangsmaterialen.

Menschen sind nicht genormt. Zum Glück. Wir haben unterschiedliche Meinungen und es ist interssant, spannend und anregend diese auszutauschen.
Ich freue mich über Kartoffeln die manchmal wie Herzen aussehen. Karotten die sich gabeln, krumme und gerade Gurcken. Raffenerierter Zucker ist aber auch etwas dass ich zu schätzen weiß, jedoch könnte ich auch darauf verzichten. Zum Überleben nicht notwendig. (Ich muss unbedingt mal einen Zuckertest machen, ob ich braunen heraus schmecken kann.)
 

Meine These:

Produkte sind nur dann teuer, wenn ich zu wenig Geld verdiene. Wenn meine finanziellen Mittel eingeschränkt sind.
Wird aber im eigenen Land produziert und konsumiert, sinkt unter Umständen die Gewinnmarge eines Einzelnen, in der Summe aber wird die Binnenkonjunktur angehoben.
Der einfache Geldkreislauf funktioniert wieder. Geld wird verdient um es im heimischen Markt aus zu geben.

Die Produktion im Überschuss kostet viel Energie die auch in der Vernichtung des Überschusses begründet liegt.
Die Schäden an Umwelt und Natur tragen alle Steuerzahler gleichsam, jedoch werden diese mit jedem Jahr der Verschwendung, Verseuchung, Überproduktion und Energieverschwendung größer.
 

Die Mehrkosten durch Umweltzerstörung, Verschmutzung, Gesundheitsgefährdung summieren sich jährlich.

Mit jedem Jahr wird es teuerer, möglichst unentdeckt die Welt zu zerstören. Allein die Berge an Plastikmüll, für die Rohöl gewonnen werden musste. Die verseuchten Fischgründe die den Fisch, auch den konventionellen, immer teuerer lassen werden. Es ist ein irrglaube. Industrielle Fertigung sollte dem Menschen dienen.

Es wäre falsch wenn wir Menschen nur noch der industriellen Fertigung dienen würden.

Allein das Thema Vielfalt.
Jedes Jahr verkauft ein Werbeindustrie, die Dinge des Vorjahres als neu, mit verbesserter Rezeptur.
Diese blöde Augenwischerei kostet uns nicht nur Geld und Zeit, sie zerstört ebenso die Umwelt.
(Dazu zähle ich auch die bekloppten Broschüren über gesunde Ernährung mit Vollwertkost, Bioprodukten und Demeter, die langsam zur Plage werden)

Ich bin der Ansicht, würde wertvolle, BIO Nahrung in gleichen Mengen hergestellt, wäre sie in der Summe gesehen, ebenso günstig wie derzeit konventionelle. Vermutlich noch günstiger, weil die Schäden an der Natur (und Tier), so wie wir sie kennen, oftmals unbezahlbar sind.

 

Mit nachhaltigen Grüßen,
yt

 

URL zur Diskussion, den Argumenten und dem Eingangsthema:
http://tinyentropy.com/2012/10/16/wieso-bio-mehr-als-nur-ein-label-ist/