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Energiesparhaus | Kein Klotzdesign

Vor gut einem Jahr fingen wir an zu bauen. Davor lagen Monate der Planung. Nun ist es subjektiv, ob man ein Haus schön findet, oder eher selten aber häßlich. Es ging uns eher weniger um Farbe und Form, als vielmehr um die inneren Werte. Doch diese lasse ich jetzt mal gekonnt außen vor. Ich zeige einfach mal unser fertiges Haus, als Beispiel.

Ja verdammt, die Außeneinheit steht schief!!!!11elf

Ja, die Außeneinheit der Luftwärmepumpe steht schief. Das Haus ist in Waage :)

Was uns immer wieder wurmte, dass Energiesparhäuser, und damit meine ich Passivhäuser oder auch Plusenergiehäuser, in Zeitungen und Fachmagazinen oftmals aussehen wie ein Klotz.
Große, riesige Fenster, so dass der Besitzer keine Stellfläche mehr hat, die von Außen nicht einsehbar wäre. Und dazu ein Flach-, oder Pultdach.  Desgin wie eine Stereoanlage aus den 90ern. Quadratisch, praktisch, schwarz grauer Blechklotz.

Dabei gibt es keinen besonderen Grund Häuser wie Klötze aussehen zu lassen. Die Ausnahmen sind, man möchte viel Rauminhalt und leben wie in einem Schuhkarton, oder findet das halt schön.

Jetzt ist Wohnen und vor allem Bauen von Wohnraum eine Kostenfrage, nicht so aber das Design. Natürlich ist eine Bauzeichnung auch Urheberrechtlich geschützt, doch darf jeder sein Haus selber Zeichnen. Man darf auch mit dem Finger auf ein anderes Haus zeigen und sage, so eines möchte ich. So kann ein Haus sehr schnell, sehr viel günstiger werden. Wer jedoch einen Architekten monatelang mit Änderungswünschen, Extrawürsten oder Pingeleien aufhält, der muss sich über eine fette Rechnung nicht wundern.

Auch der Rasen benötigte sein Zeit um zu wachsen.

Zu den äußeren Werten gehört auch ein kleiner Schuppen, für den schnellen Zugriff auf Gartengeräte. Ein weite Überdachung und eine Holzverschalung. Die Überdachung zu Südseite ist dabei nicht nur ein Formschönheit, sondern hat eine Funktionalität. Die exakte Südausrichtung ist von Vorteil um Energie durch Kollektorflächen zu sammeln. Im Winter, wenn die Sonne tief steht, schafft die Sonne es auch bis durch dir hinteren Fenster und erwärmt die Wohnung um bis zu 1 Grad an kalten Wintertagen. In den heißen Sommermonaten steht die Sonne höher und die Wohnung ist beschattet. Die Veranda ist komplett aus Holz und das Douglasienholz witterungsbeständig. Auch dient der Schuppen als Schutz vor Zugluft und es lässt sich an Sommer und Herbstagen gut auf der Veranda aushalten.

Die typische Frage, bei einem Holzhaus lautet:

Habt ihr keine Angst, dauernd neu Streichen zu müssen?

Speziell dieses Holz (Lärche o. Fichte durcherhitzt) gammelt nicht, sofern es nach Regen und Schnee wieder gut trocknen kann. Es wird genauso dreckig wie eine verputzte oder verklinkerte Häuserwand.  Wenn man das nicht mehr schön findet, kann man es säubern oder neu streichen. Das Holz selber benötigt keine weitere Pflege mehr.  Ich habe kalkuliert, dass ein Klinker der uns gefällt, teuerer gewesen wäre, als zwei mal das Haus streichen. Im Schadensfall ist Klinker natürlich sehr teuer. Vorteile in der Dämmung ergeben sich durch Klinker nicht.
In unserem Fall heizt sich das Haus im Sommer nicht auf. Das ist ein Vorteil von Holz.

Zudem können wir uns farblich, kostengünstig an die jeweilige Mode anpassen. :)

Die Farbe ist eine Leinöl-Farbe (Kein Sondermüll). Ich habe Stellen an unserem Holz bemerkt, an dem Hartz durch die Farbe hindurch diffundiert, ohne die Farbe dabei zu beschädigen.
(Fotos liefere ich nach, muss ich dran denken) Die Farbe selbst habe ich eigens anmischen lassen. Es ist eine eigene Farbmischung nach dem NCS Natural Color System. Ich legte Wert darauf, dass es egal bei welchem Wetter einen warmen Ton behält ohne in eine andere Farbe ab zu driften.

Das gesammte Haus ist in Holzrahmenbauweise gebaut. Wir haben uns um ökologische Baustoffe bemüht, aber ganz konnten wir nicht auf Styropor verzichten. Das wäre aus Kostengründen nicht möglich gewesen (Perimeterdämmung, Estrich etc...).

Das KVH Holz (Konstruktionsvollholz), sowie Aussenverschalung und Dämmstoffe sind durcherhitzt. Bei der Erhitzung des Holzes werden alle Proteine zerstört und schädlinge sowie andere Mikroorganismen finden keinen Geschmack mehr an diesem Holz. Es arbeitet zwar wie Holz, dehnt und zieht sich auch wieder zusammen, ist aber sehr beständig. Die flexibilität verhindert auch die bei Putz oder Klinker typischen Rissbildungen.

Da wir noch kein ganzes Jahr darin wohnen, kann ich noch keine exakte Abschätzung machen, bin mir jedoch sicher, dass wir mehr Energie erzeugen, als wir aktuell verbrauchen. Dazu werde ich noch mehr schreiben, aber in einem gesonderten Artikel.

 

Mit gelben Grüßen,
yt

 

Update 2017:

Die Rechnung ist aufgegangen. Wir erzeugen mehr Energie, als wir (2Personen) verbrauchen. Ein dritte Person würde hier auch keinen großen Unterschied machen. Heißes Wasser haben wir häufig zuviel. Heizen müssten wir bei 3 Personen weniger.

Die Holzfarbe und das Holz, halten was wir uns erhofften. Keine Probleme, kein Neuanstrich bisher und den Dreck kann man tatsächlich mit einem normalen Schwamm wegwischen. Keine Algenbildung, kein Schimmel, keine Witterungsschäden.

Einziger Fehler - das Veranda Dach hätte 5-10 Centimeter kürzer sein dürfen. Der Dachüberstand nach Süden ist ein Hauch zu groß. Wir könnten in der Übergangszeit ein klein wenig mehr Sonne bekommen und haben wollen. Wir werden vermutlich Lichtschächte in die Veranda einbringen.
 

 


 

Kommentare

Das ist eine schöne Nachricht am frühen Morgen,
das Haus ist sehr schön geworden. :)

Der Bau scheint ja komplett durchdacht zu sein. Wieviel Zeit (im Verhältnis zur Bauphase) habt ihr etwa prozentual mit der Planung verbracht? :) *berufliche neugier*

Viel Spaß und Wohlfühlen im neuen Haus :)

Danke, wir wohnen ja schon seit Weihnachten darin und fühlen uns auch schon wohl.

Um das halbwegs vernünftig sagen zu können müsste ich wissen, was für dich typischer weise mit zur Planung gehört.
Damit ich das wenigsten grob von vielen anderen Dingen trenen kann. Denn wir waren zb auch bei der Planung der Heizungsanlage involviert, mehr als bei einem "normalen" Kunden üblich.

Mit geplanten Grüßen,
yt

 

..begründet sich darin, dass ich ja noch immer bei Freunde bei der Sanierung der Häuser mithelfe, mittlerweile sind wir am letzten angekommen. Sanierung bedeutet hier: Alles neu - Strom, Wasser, teilweise die Treppen, Bäder neu, ja sogar neue oder versetzte Wände. Dach, Putz.
Und da läuft es leider oft ... ähm... in Spontanentscheidungen, nur manches ist langfristig im Detail geplant. Das sorgt oft für Übrraschungen von denen die meisten nicht positiv sind. ;)

Also bei Planung meine ich eigentlich alles: Wahl der Lage, wahl der Beuelemente, also auch Heizung, Lichter, Kabel, etc.
Beruflich gehört ja die (Release-)Planung zu meinen Haupt-Tasks, leider konnte ich den "Malus" des Planungsaufwandes im Gegensatz zu spontanen (finanziellen oder zeitlichen) Mehraufwänden noch nicht glaubhaft vermitteln. ;)

(Ich glaube mich zu erinnern, dass man sagt: 70% Planung, 30% Umsetzung)
Mir reicht an sich ne "Bauchgefühls-Aussage", bin neugierig ob das Verhältnis irgendwie hinhaut.. ^^

Mit erbaulihen Grüßen,
Moki

Also in etwa 1:1:1 für mich.

Halbes Jahr Planung und Gedanken, halbes Jahr Bauphase, halbes Jahr nach Einzug weiter basteln :)
Das ist allerdings nur meine Sicht der Dinge. Der Elektriker hat bei weitem nicht soviel Zeit investiert, Sanitär war ein Klacks, die Planung des Waschtisches jedoch, hab ich in 3D am Computer erledigt. Die Küche ist wieder eine ganz andere Baustelle. Oder nehmen wir das Beispiel Fliesen. Ich glaube, nichts hat länger gedauert als die Fliesen aussuchen.

Alle Eventualitäten kann man nicht ausschließen. Wichtig ist ein Gefühl dafür zu haben, ob es Alternativen geben könnte, die den Mehraufwand an Planung und Suche auch rechtfertigen.

Alles andere an Erfahrungen, will ich in verschiedenen Artikeln eh mal festhalten.

Mit frühen Grüßen,
yt
 

Du hat recht, ein Energiesparhaus muss wirklich nicht wie ein Klotz aussehen, was dein Haus ja sehr schön zeigt. Übrigens besitzen wir auch ein solches Haus, das sehr schön geworden ist.