Der Sieg der Materie über den Geist

Ich hab da mal eine Frage.
Nehmen wir an, unser Bewusstsein ist hübsch erweitert und dank des Internets, Reisen und sozialer Kontakte verfügen wir über eine überdurchschnittliche Allgemeinbildung. Nehmen wir weiterhin mal an, wir sind offen für assoziative Denkprozesse, sind aufgeschlossen für Neues, erfassen Zusammenhänge gut und schnell, können unser Gegenüber in der Regel gut einschätzen und sind im Auftreten deswegen souverän und selbstbewusst.
Zusammengefasst, stellen wir uns vor, wir seien geistig fit.

In unseren Wesenszügen sind wir friedfertig, tolerant, aufgeschlossen, neugierig, strukturiert und willensstark. Wir respektieren andere Menschen und die Meinungsverschiedenheiten die es zwischen Menschen gibt. Stellen wir uns also vor, wir seien verdammt korrekte Typen, lässig, welterfahren und mit der Ausstrahlung einer Schwarzenegger / Ghandi - Mischung gesegnet.

Nun stehen wir vor folgender Aufgabe:
Unsere Gegner sind gerissen, lügen, stehlen, manipulieren, wirken überzeugend durch ein materialistisches Wertesystem, umgeben sich mit Machtsymbolik wie zB Luxusartikeln, Autos, Waffen. Sie lassen sich von gewissenlosen, gewaltbereiten, intoleranten Psychopathen geleiten und schützen. Unterdrücken Bildung, manipulieren durch Massen-Medien mit Geld und Versprechungen.
Wer ihnen in die Quere kommt wird nicht mit Argumenten sondern teils mit roher Gewalt oder durch atomare Zerfallsprozesse aus dem Weg geräumt.   

Das stellt sich mir die Frage, wieso sind die Guten stets im Nachteil? Was hilft ein überdurschnittlicher IQ wenn mein Gegenüber mich nicht mit einer Schachfigur sondern einem Messer bedroht?

Das Problem lässt sich auch auf einfachere Fragen zurückführen:
Warum bin ich stets der Idiot, der den Müll am Wegesrand aufsammelt, den andere achtlos wegwerfen?
Wieso überholt mich jeder in einer Tempo 70 Zone wenn ich doch schon 4km/h zu schnell fahre?
Was steht in meinem Gesicht geschrieben, dass ich stets ausweichen muss wenn mir jemand entgegenkommt?
Wie kann es sein, dass Respekt, Aufmerksamkeit und Toleranz als Schwäche ausgelegt werden?
Weshalb gilt noch immer das Recht des physikalisch stärkeren?

Mit idialistischen Grüßen,
yt
 

Kommentare

Gut sein ist eine Leistung und bedeutet auch, dass man Opfer auf sich nimmt. Im Christlichen Glauben wird man dafür durch Gottes Gnade belohnt. Auch jenseits der Religion ist es nach Kant wünschenswert, wenn jeder an seine Mitmenschen denkt, weil dann viele umgekehrt auch an uns denken und unser Wohl bei ihren Entscheidungen bedenken.
Es ist unser freier Wille, der uns (meist) die Wahl lässt. Und nicht jeder geht den schwierigen Weg. Fakt ist tatsächlich, dass man rücksichtslos sehr weit im Leben kommen kann. Aber ich bezweifle, dass man am Ende glücklich sein wird. Deshalb ist gut sein auch ein Akt des Eigennutzes.

Danke für die Gedankenanregung. Dein Kommentar werd ich mir noch mal ein paar Tage durch den Kopf gehen lassen.

Ich habe bisher nur Fragmente von Kant gelesen, aber ich komme mehr und mehr zu dem Schluss, ich sollte dem mal Gehör schenken, was er zu sagen hatte.

Mit herzlichen Grüßen,
yt
 

Mit Ellenbogen, Egoismus und Lügen kann man es derzeit sehr weit bringen. Das kann man im großen Stil am Beispiel unserer Politik bewundern.

Der Nachteil den "ein Guter Mensch hat" ist, dass er nicht gewinnt, dafür kann er ruhig schlafen und un den Spiegel sehen. "Der Böse" wird seinen Nachteil nicht als solchen erkennen, sonst wäre er nicht "böse".

Man kann also nur hoffen, dass wenn man Gutes tut, auch ein anderer etwas Gutes gut.
Ich hab letzten Winter mal einer Porschefahrerin geholfen, sie fragte wie sie mir danken könnte. Ich meinte: Helfen Sie jemand anderem.
Ich bin ein Bisschen stolz auf diese Antwort. ;)

Hat zwar nicht direkt mit dem Thema zu tun, aber folgende kleine Anekdote kam mir gerade in den Sinn.

»Was für ein Glück du hast! Ich werde dich retten!«, plapperte der Affe.
Nahm den Fisch aus dem Fluss und setzte ihn auf einen Baum.
Der Fisch schwieg.

Zurück zum Thema. Als 1961 Armin Zedtwitz den deutschen Spruch: "Tu gutes und rede darüber" nieder schrieb, hatte er sicher ein ganz anderes Bild im Kopf. Vermutlich war er Unternehmer und Mitbegründer moderner Public Relations.

Ich denke, genauso ist vieles um uns herum Interpretationswürdig. Erst wenn wir mit anderen Menschen reden, uns schreiben, können wir unseren Standpunkt vergleichen. Fehler bei uns selbst entdecken und zu einer Selbsterkenntnis gelangen, ob wir gutes tun. Das widerum ist, meiner Meinung, jedoch auch so lang risikobehaftet wie man seine Peer Gruppe nicht heterogen gestaltet und auch mal Zufallsbekanntschaften zulässt. Also über den Tellerand hinweg sich mit Menschen unterhält die weniger mit einem selbst gemeinsam haben. Einem nicht nur Honig ums Maul schmieren und ordentlich Kontra geben. (Ich erwarte jetzt bedingungslose Zustimmung)

Man kann also nur hoffen, dass wenn man Gutes tut, auch ein anderer etwas Gutes gut.

Ich bin mir sicher, solch positives Wirken, hinterlässt immer Spuren und bringt Mitmenschen in einen Gewissenskonflikt ihrerseits auch Gutes zu tun.

Mit optimistischen Grüßen,
yt
 

 

 

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