Ubuntu in 30 Minuten

Bei meiner ersten Ubuntu Installation war zuvor Windows XP Professionell auf der Festplatte. Dieses wollte ich zunächst behalten. Wer sich entscheidet eine neue Festplatte zu benutzen, ohne parallel Installation zweier Betriebsystem wird also noch weniger Zeit benötigen.

Für Ubuntu selbst benötigt man etwa 3,5 - 5GB Festplattenplatz. Wenn dann noch Software hinzukommt, entsprechend mehr. Wer Ubuntu nur ausprobieren will, knappst bei Windows 10GB ab. Wer es exzessiver testen will sollte 40GB oder mehr einplanen.

Die Ubuntu CD/DVD kann man aus dem Internet herunterladen und Brennen.
Dieser Vorgang (CD) dauerte bei mir 5 Minuten. Die CD blieb direkt im Laufwerk.
Rechner neu starten und von CD booten.

Update: Ubuntu 11 wird vermutlich deutlich länger benötigen. Denn es werden verschiedene Desktopmanager mit installiert. Ubuntu Unity / Gnome / KDE / xfce und das ganze noch in den Geschmacksrichtungen Flat und Easy oder 3D EffektFeuerwerk. 6GB Festplattenplatz sollte man möglichst frei haben. Wers schneller möchte nimmt die LTS 10.04.
(LTS bedeutet soviel wie "Support für eine lange Zeit", die 11er ist mehr ein "Zwischenschritt" )

Ubuntu installieren
Endlich ein fortschrittlicher Fortschrittsbalken, der sowohl Vorwärts als auch Rückwärts läuft. Ein wenig erinnert er an Kampfstern Galaktika, egal - Hauptsache es bewegt sich etwas.

Anders als bei Windows hat man von Anfang an eine Maus und einen "hübschen Hintergrund". Das ist natürlich subjektiv, aber auch nicht schwer, denn Windows XP Installationen zeigten bisher nur den langweiligen blauen Bildschirmhintergrund und viel Schwarz.

Ich werde aufgefordert etwas auszuwählen, und denke noch - huch, das ging ja fix, ich brauche eine Uhr.

11:50 Uhr: Ich wähle als Sprache Deutsch aus. Wer einen erhöhten Schwierigkeitsgrad vorzieht wählt eine Ostasiatische Sprache die nicht geläufig ist.
11:50 Uhr: Trotz allem nutze ich immer noch eine Englische Tastatur und wähle diese aus.
11:51 Uhr: Ich teile dem Auswahlmenü mit, das ich gern Ubuntu neben meinem Windows XP haben möchte. Worauf der Computer etwas tut, analysiert, überlegt ... und mir wird etwas mulmig.
11:53 Uhr: Jetzt will er wissen wie ich heisse. Auf der Suche nach Easter Eggs gebe ich Gates ein, Bill Gates.
11:53 Uhr: Ob ich Windows Konten importieren möchte, werde ich gefragt. Da muss ich nicht lang überlegen, NEIN, ich möchte keine Altlasten.
11:54 Uhr: Ich klicke nochmal etwas an, damit die Installation beginnt.
12:00 Uhr: Ein Zigarette später steht der fortschrittliche Fortschrittsbalken bei 66%.
12:04 Uhr: Der Computer meldet etwas, er sagt er sucht Hardware. Und will nun Grub installieren.
12:06 Uhr: Mist, ich hab einmal nicht aufgepasst, nun ist der Bildschirm schwarz. Ich nehm die Maus, wackel einmal, ... Aha! Ein Bildschirmschoner! Ich werde über einen Neustart informiert und soll die CD entfernen.
12:07 Uhr: Ubuntu läuft. Grafik noch etwas langsam, Audioausgabe funktioniert, sogar 3D Sound.

Absoluter Rekord. Jede Windows installation dauerte bisher mindestens 40 Minuten!
Ubuntu benötigte 22 Minuten, inklusive dem Platz schaffen auf der Festplatte neben einer Windows Partition und Installation diverser Software.
Ich bin begeistert.

12:08 Uhr: Ich schalte den Drucker am USB Port ein. Er installiert sich von allein, Fertig.
12:09 Uhr: Ich lasse Ubuntu aktualisieren und hole weitere Sprachpakete für die deutsche Lokalisierung
12:14 Uhr: Aktualisierung über das Internet abgeschlossen. Bislang kein Neustart.
12:16 Uhr: Jetzt ist die Grafikkarte von Nvidia auch bereit, ich schalte alle Effekte des Desktops ein.

Etwa 30 Minuten, der Computer hat meine komplette Hardware installiert und eingebunden.
Es war kein Neustart erforderlich und es mussten keine Treiber von der Hersteller Webseite gesucht werden.

Mein System ist etwa 5-6 Jahre alt. Erkannt und eingebunden wurden folgende Geräte:

Mainboard: MSI K7N2-Delta L
CPU: AMD Athlon(tm) XP 3000+
Speicher: 2 Gigabyte - FSB 200Mhz
Soundkarte: Audigy 2 ZS [SB0350] rev.4
Grafikkarte: nVidia GeForce 7600 GT
Festplatte: SAMSUNG HD322HJ
CD/DVDW: SH-S182D
Netzwerkkarte: 3com 3c905C-TX/TX-M [Tornado]
LX3 Optical Mouse
Drucker: Canon ip5000

Erwähnte ich bereits, dass ich begeistert bin von dieser Geschwindigkeit?

Mit installiert wurde: Skype, Firefox, OpenOffice, IRC und ICQ Client, eMail Programm und Terminverwaltung, Bildbetrachter und Medienplayer.

Nach weiteren 5 Minuten, war das Programm Wine installiert.
Keine 10 Minuten später startete World of Warcraft und Photoshop auf Linux.

update: Vor einem Jahr habe ich diese Installation vorgenommen. Mittlerweile besitze ich einen moderneren Computer und noch mehr Geräte die per USB kommunizieren.
Dieses Jahr war ein Update dran. Von Ubuntu 9.10 auf 10.04. Wie das von statten ging kann man hier nachlesen: "OS Update während man auf dem Rechner spielt."

Kommentare

Angespornt durch yt's Artikel habe ich beschlossen, es auch zu versuchen: Ich installiere Ubuntu auf meinem Rechner! Jawohl! Runter mit Windows!
Ich lade das Ubuntu ISO runter, brenne es auf CD und los gehts.

13:15 Uhr: Ich starte den Rechner von der Ubuntu CD. Wie von yt beschrieben beantworte ich ein paar Fragen zur Installation und lasse sie laufen. Allerdings anders als yt sage ich Ubuntu, es soll die ganze Platte nutzen.

13:33 Uhr: Die Installation ist abgeschlossen und Ubuntu startet. 18 Minuten Installationsdauer. Nicht schlecht. Allerdings sehe ich darin keinen allzu grossen Vorteil. Wie oft installiert man schon sein Betriebssystem neu? Ist doch ziemlich egal wie lange das dann dauert. Mir jedenfalls.

13:34 Uhr: Ubuntu logt mich automatisch ein. Hab ich ihm bei der Installation ja auch so gesagt. Aber was ist das? Die Auflösung zeigt nur 800x600 Punkte. Aber das ist bei Windows nach der Installation ja auch so. Ich versuche es umzustellen und rufe den "Anzeige" Dialog auf. Mh, da steht als Monitortyp "Unbekannt" und die Auflösung lässt sich nicht höher als 800x600 einstellen. Was tun? Nun, ich werde im Internet danach googeln. Dabei kann ich auch gleich nach einer Lösung dafür suchen, warum der Sound nicht funktioniert.

14:12 Uhr: Für den Sound habe ich keine Lösung gefunden. Muss ich nachher mal den Rechner aufschrauben und genau gucken, was da überhaupt für ein Soundchip drin ist. Aber das mache ich später. Erstmal um die Anzeige kümmern. 800x600 sind ja nicht so prickelnd. Dafür habe ich eine Lösung im Internet gefunden. Ich muss die xorg.conf Datei händisch anpassen. Gesagt, getan. Editor aufgerufen, Datei geladen, Datei angepasst, Datei speichern... ups... ich darf die Datei nicht speichern. Keine Rechte dafür. Ach ja, da war doch was. Im Gegensatz zu Windows XP (und abwärts) werde ich nicht direkt als Admin mit entsprechenden Rechten eingerichtet. Das macht Linux anders. Vorbildlich. Aber wie bekomme ich jetzt Adminrechte? Die Antwort lautet: googeln...

14:25 Uhr: Ich gebe in einem Terminal sudo -s ein und starte dann aus dem Terminal den Editor (in diesem Augenblick wird mir die Kritik an der Benutzerkontensteuerung von Vista völlig unverständlich). Nun kann ich die xorg.conf entsprechend anpassen und auch speichern. Prima. Ich melde mich neu an und siehe da: ich kann die Auflösung ändern. Klasse. Nun kann ich mich darum kümmern, dass der Drucker nicht funktioniert. Fairerweise muss ich sagen, dass es sich dabei nicht um ein 08/15 Gerät handelt, sondern um einen Canon MX700 Mutifunktionsgerät, welches per Ethernet im LAN hängt. Ich starte den "Drucker" Dialog und erstelle einen neuen Drucker. Ubuntu fragt mich, mit welchem Treiber es den Drucker ansprechen soll. Mh, schade. Canon MX700 ist nicht in der Liste. Ich gucke auf der Canon Webseite, ob es einen Linux Treiber für das Gerät gibt. Fehlanzeige. Was jetzt? Richtig. Googeln.

15:03 Uhr: Im Internet habe ich zwei Tips gefunden. Zum einen gibt es da Turboprint. Einen universellen Druckertreiber für Linux. Kostet 29,90 Euro. Knapp 30 Euro für einen Druckertreiber? Nö. Da probiere ich lieber den zweiten Hinweis aus, den ich im Intenret gefunden habe. Manche Nutzer haben es geschafft, den MX700 mit dem Treiber für den MP590 ans laufen zu bekommen. Allerdings waren deren MX700 per USB angeschlossen. Egal. Ich probiere es aus und richte den MX700 mit dem Treiber für den MP590 ein. Ich werde gefragt, ob ich eine Testseite drucken möchte. Und ob ich will. Und was passiert? Hurra, der Drucker wirft eine Seite aus. Doch leider ist diese leer. Naja, was jetzt? Nun ich starte den Rechner einfach mal neu. Bei Windows hilft das ja schonmal. Warum nicht auch bei Ubuntu?

15:43 Uhr: Ubuntu ist neu gestartet und zeigt wieder die Standardauflösung von 800x600. Warum das? Ich kontrolliere die xorg.conf. Alles korrekt. Mh, ich melde mich mal ab und wieder an. Auflösung ist wieder korrekt. Komisch. Muss ich mal nach googeln. Allerdings habe ich jetzt keine Lust mehr auf googeln. Erst Recht habe ich keine Lust danach zu googeln, wie ich jetzt Herr der Ringe Online und Eve-Online ans rennen bekomme.

16:20 Uhr: Ich habe die Partitionssicherung von Vista wieder zurück gespielt. Der Sound funktioniert, die Anzeige auch und der Drucker hat nie besser gearbeitet. Darüber hinaus funktionieren sämtliche Programme und Spiele ohne ein mitunter instabiles Wine. Ich lehne mich zurück und denke lächelnd an die alte süddeutsche Volksweissheit: "Linux iss scho' ganz nett, doch brauch'n, naaa, brauch'n tu ich's net"

;-)

Ja, der Otto normal User braucht (noch) kein Linux, das ist richtig. Ich finds mutig das du es ausprobiert hast. Hut ab!
Windows verrichtet seinen Dienst auch, meist sogar sehr gut.

Mein Glueck ist, das ich sooooo alte Hardware habe, das es bereits Treiber gibt.
Es gibt in der Systemverwaltung von Ubuntu ein extra Punkt Hardware-Treiber. Mit dem ist man deutlich schneller dabei den passenden Grafikkarten Treiber zu installieren. In Konfigdateien musst man dazu nicht mit dem Texteditor herumfummeln.

30 Euro fuer einen Drucktreiber? Klar Windows war umsonst bei dem Computer dabei.
Im Laden kostet selbst eine Home Edition von XP, ueber 200 Euro.
Ich hab mal nachgeschaut auf http://openprinting.org/printer_list.cgi - der MX300 wird noch aufgefuehrt aber mit dem 700er sieht es duester aus, da kann man sich das Geld, auch fuer Turboprint, wirklich sparen ;)

Fuer meinen Flachbettscanner von Canon gibt es auch keinen Linuxtreiber. Nichts zu machen.
Das warum - ist eine rein politische, nein eine marktwirtschaftliche oder auch Lobby Frage. Diskutieren ist muessig.

Wie im Eingangsartikel schon erwaehnt, man sollte genau wissen, welches Ziel man erreichen will.
Ein Umstieg lohnt sich, meiner Meinung, fuer die meisten Menschen nicht [update 29.04.2011: Meine Meinung ändert sich langsam].
Vor allem wenn sie auf Eve-Online und Herr der Ringe angewiesen sind ;)

yours truly

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