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Friends of Wikileaks | Irgendwas ist da «Fowl»

Gar nicht lang her, da wurde ich durch einen Artikel auf die Webseite mit dem Namen Friends of Wikileaks aufmerksam. Da ich das Grundprinzip eines Wikis gut finde und mich nur wenige, radikale Elemente von Wikileaks stören, war ich dem ganzen nicht abgeneigt. Nein, ich muss wohl unumwunden zugeben, dass ich ein klein wenig sympathisiere mit der Grundidee und ich finde es sehr bedauerlich dass keine Kombination aus einem Wikileaks und der Idee von OpenLeaks möglich ist.

Ich las mir also das notwendigste durch und gewann damals folgenden Eindruck von Friends of Wikileaks -abk: FoWL (englisch: "Geflügel"):

Die Idee die einem dort verkauft wird ist - ähnlich denkende Menschen zusammen zu bringen. Ein "Elite-Partners" Dating Tool für Verschwörungstheoretiker. So kam es mir vor.
Mich interessierte wie diese Technik funktionierte, und meldete mich an.  Dies geschah bevor die Webseite ihren Regelbetrieb aufnahm.

Wie üblich nutzte ich für die Anmeldung eine neue eMail-Adresse. Ein Postfach, das Spammern bislang unbekannt ist. Nur wenige Wochen später bekam ich die erste Spam Mail.  Andere eMail Adressen die ich auf diese Weise erzeuge bekommen in der Regel keinen Spam. Nicht eine von hundert. Doch damit nicht genug. Ein paar Wochen später meldete ich mich an um mir den Regelbetrieb anzuschauen. In diesem "Dating Tool" kann man bestimmen, welche Sprachen die Menschen sprechen sollen, die man evtl vorgeschlagen bekommt. Ich wählte Deutsch, English und Japanisch.  Wenige Tage später, Spam mit japanischen, deutschen und englischen email Adressen. Mit Zielen und Links zu russischen Webseiten. Ein schlechter Scherz? Zufall? Ich persönlich glaube nicht an Zufälle.

Jede Eingabe auf der Webseite "Friends of Wikileaks" muss mit einem 16 stelligen Schlüssel bestätigt werden, der vom System vorgegeben wird. Es sind ausschließlich Groß-Buchstaben und Zahlen. Angeblich werden alle Daten und Eingaben verschlüsselt hinterlegt. Man wird mit technischen Finessen dazu gezwungen, sich diesen Code schriftlich zu notieren. Dazu soll man, auf einer interaktiven Karte, seinen Standort angeben. Dieser Standort, so steht dort geschrieben, wird willkürlich um einen Kilometer verschoben. Das mag für Berlin eine gewisse Sicherheit suggerieren, für Menschen die auf dem Platten Land leben, wäre es kein großer Schutz. Für Länder wie Australien erscheint dies witzlos , wenn das nächste Gehöft 80 km weit entfernt liegt.

Benutzer konnten sich anmelden, bevor FoWL sein "Manifest" preisgab. Ein Beispiel daraus:

Zitat: "Unsere Angreifer sind reiche und mächtige Organisationen und Regierungen."
Quelle: https://wlfriends.org/about

Ich halte die Wortwahl für ungeschickt und  sprachlich aggressiv ausformuliert. Es macht die Nutzer zu Kombatanten in einem Krieg dessen Ausmaß und Konsequenz niemand überblicken kann. Zudem sollte man Menschen unterschiedlicher Meinung und Auffassung von Freiheit nicht grundsätzlich zu Feinden erklären. Das halte ich für grundlegend verkehrt.

Ein weiteres Beispiel:

"Riskiere dich oder andere nicht durch illegale Aktionen."
https://wlfriends.org/membership

Wer weiß denn nun genau was illegal ist? Ist es in nicht so, dass in einigen Ländern schon der Aufruf solcher Seiten, vorbei an der Zensur, einen illegalen Akt darstellt?

Viele Statements auf der Webseite oder die automatisierten Mails, sind im Namen von Julian Assange verschickt. Immer wieder wird man darauf aufmerksam gemacht das für den Betrieb von Wikileaks Geld benötigt wird. Bei Wikileaks o. Friends of Wikileaks, herrscht verständlicherweise keinerlei Transparenz - denn Spender und Betreiber könnten ja politisch o. aus finanziellen interessen verfolgt werden. Doch an der Stelle des Spenendaufrufs beißt sich die Katze in den Schwanz.  Geld kann in der Regel am leichtesten zurück verfolgt werden. Das führt die Sicherheitsbestrebungen wie zB Verschlüsselungen und Standortverschiebung aus meiner jetzigen Sicht ad absurdum. Man könnte auch sagen, Geld ist das System der Mächtigen, wer das System der Mächtigen nutzt, ist auch deren Spielregeln unterworfen.

Da ist das Problem der Spam Mails noch das geringste Übel. Jedoch war dieser technisches Aspekt Hauptgrund warum ich meinen Account dort gelöscht habe.
Das Löschen des Accounts ist mit 2 Klicks sehr leicht möglich und kein bisschen versteckt. Das widerum ist sympathisch.


wlfriends.org (178.33.251.251), Provider Ovh Sas (Frankreich), http://en.wikipedia.org/wiki/OVH
http://www.gulli.com/news/19152-verstaerkte-ueberwachung-von-wikileaks-aktivisten-nach-assanges-asyl-antrag-2012-06-24
http://netzpolitik.org/2011/wikileaks-startet-soziales-netzwerk-friends-of-wikileaks/
 

Mit vernetzten Grüßen,
yt