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Allergien | Der Pollenfluch

Entschuldigung ! sagt man heute, laut Knigge, wenn man Niesen muss.
Furchtbar oder? Vor allem als Allergiker wüsste ich nicht warum ich mich auch noch entschuldigen soll. Wofür? Für ein hyperaktives Immunsystem?

Allergien, und der Pollenfluch. Es geht wieder los.
Doch als Allergiker habe ich den Kampf schon in weiten Teilen zu meinen Gunsten entschieden. Es gibt Hilfe.

Das wichtigste Vorweg - Die erste Hilfe:
Encasings bei Hausstaubmilben, Pollenschutz vor den Fenstern und einen Staubsauger mit Multi Mikro Filtersystem
Abends die Haare waschen, dazu Wasser und ganz ganz wenig Shampoo, nicht zu heiß um die Kopfhaut zu schonen.
Auch der Lebenspartner! Kleidung nur außerhalb des Schlafraums lagern! Bei stark belasteten Monaten jede Woche Bettzeug wechseln.
Ganz wichtig ! Wäsche nicht im freien Trocknen!
Bei starken Allergien hilft nix, da muss dann zu Not ein Trockner ran! Haben sie keine Angst vor den Stromkosten, es sind nur wenige Tage an denen man diese Maßnahme benötigt. Das wichtigste ist, dass die Bettwäschen nicht im Sommer im freien getrocknet wird. (traurig, aber leider nicht zu ändern)

Meine Erfahrungen:
Die Allergologinnen und Allergologen dich ich konsultierte und ein Lungenarzt kamen nach diversen Tests die sie an mir vornahmen, zu der einstimmigen Meinung das eine Hyposensibilisierung (alt: Desensibilisierung) in meinem Fall keine Lösung darstellt. Ich würde die nächsten 50 Jahre Ärzte damit beschäftigen ohne Gewinn an Lebensqualität. Persönlich kenne ich ein Hand voll Menschen die den Eindruck haben dass Ihnen diese Therapie geholfen hat. Einer meiner bekannten sagt dass nach einem Jahr ohne Therapie die Allergie wieder genauso vorhanden ist, wie zuvor.
Der Wiki Beitrag im Link ist meiner Meinung wirklich sehr gut und auch für den Laien noch verständlich.

Der Allergietest ergab bei mir ein fast durchgängig geschwollenen Arm mit wenigen Ausnahmen und interessanten Kreuzallergien. Richtig schlimm bei mir, die Reaktion auf Hausstaubmilben.
Liebe Eltern, der Staub der sichtbar im Zimmer Ihrer (fast erwachsenen) Kinder liegt, ist in der Regel das geringere Übel. Sorgen bereiten sollte Ihnen das, was sie nicht sehen. *hust*

Allergien sind eine sehr sehr persönliche Sache. Jeder Mensch reagiert ähnlich, aber nicht gleich! Ich rate dringend dazu selbst genau zu beobachten und vielleicht auch mal ein "Allergie-Tagebuch" zu führen, um den schlimmsten Auslösern auf die Spur zu kommen. Sind die Hauptbelastungen reduziert, ist die Erleichterung enorm!

Als echte Lösung und eine wahre Wohltat stellte sich ein spezieller Bettbezug heraus.

Ein nicht 'raschelnder' Matratzen, Bett und Kopfkissenbezug aus Mikrofaser. So genannte Encasings. Das Problem sind nicht die Milben, sondern deren Ausscheidungen, ein sehr feiner und hoch allergener Staub. Durch die Bezüge hindurch kommt weder die Milbe, noch der Staub. So wird das massenhafte ansammeln von Milbenkot in den Betten verhindert. Vor allem wenn man sich in das Bett hineinlegt, wird sehr viel von Kot regelrecht raus gepustet aus der Matratze und dem Bettzeugs. Seit ich diesen Bettbezug habe kann ich schlafen und dabei Morgens noch durch die Nase atmen. Insgesamt schlafe ich nun wesentlich ruhiger, auch das Schnarchen und Röcheln wegen der verstopften Nase ist weg.

Bevor jetzt der Preis Schock einsetzt, denn die Encasings sind nicht gerade billig, möchte ich erwähnen dass zu einem großen Teil die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Dazu sollte man vielleicht noch Wissen, die Federn in Federkissen und Betten sind nicht das ursächlich Problem. Problematisch daran ist, das Milben sich von Hautschuppen "ernähren". Federn sind etwas größere Hautschuppen eines Tieres. Zu dem piecksen sie Löcher durch die "Encasings" - was nicht sehr sinnvoll ist.

Dazu hilft ein Holzfußboden, und ein Pollenstop Netz für die Fenster. Es hilft wirklich. Auch bei geöffnetem Fenster habe ich eine ruhige Nacht. Holzfußboden und Pollenstop Netz bezahlt die Krankenkasse dann aber leider nicht. Auch Frischhaltefolie, Lack, Leder oder Latex wären sicher geeignet, aber vielleicht auf die Dauer mit anderen Nachteilen verbunden und nicht jede/r teilt diesen Plastik-Fetisch ;-) *scherz*
Die Pollenschutzgitter gibt es in verschiedenen Preisklassen. Fliegengitter helfen gar nicht. Das was sie durch die Luft fliegen sehen sind Samen, keine Pollen. Pollen, dass ist bei größeren Ansammlungen der feine gelbe oder weiße Staub. Ein wirklich sehr feiner Staub. Vor den Samen müsste man sich theoretisch nicht fürchten. Blöd nur das den Samen oft auch mal Pollen anhaften.

Wer Allergiker ist sollte in Stoßzeiten nach spätestens 4 Wochen das Pollenschutz-Netz auswechseln. Dabei aber einen Mundschutz tragen, der die Nase abdeckt. Das gebrauchte Netz nicht durchs Haus tragen! Für einen Allergiker ist das volle Netz eine echte Gefahr!
Wenn das Netz voll mit Pollen und stark belastet ist, gibt es auch Pollen in den Wohnraum ab. Zum Beispiel bei starkem Wind, selbst wenn die Luft draußen schon wieder sauber ist.

Ich kann nur jedem Allergie geplagtem Menschen genau diese Maßnahmen empfehlen.
Bettbezüge, Pollenstop Netz und nach Möglichkeit keine unnötigen Staubfänger und Textilien im Schlafzimmer.
Der Gewinn an Lebensqualität der daraus resultiert ist wirklich sehr hoch!
Nahezu perfekt ist natürlich ein Niederenergiehaus mit zentraler Hauslüftungsanlage und Filtern. Doch das ist ein anderes Thema, dass ich mal gesondert behandeln werde.

Ein Staubsauger mit Pollenstopp (mehrfach Filter System) versteht sich von selbst. Alte Staubsauger ohne entsprechende Mikrofilter sind für Allergiker fast schon Lebensgefährlich.

Ich bin auch der Meinung, Allergien soll man nicht auf die Probe stellen.

Beispiel: Ich bin gegen 'neuere' Apfelsorten allergisch. Probiere ich den Apfel, schwillt der Gaumen an, bis ich durch die Kehle Pfeife wie ein Quitsche-Entchen. Natürlich hört man sofort auf, den Apfel zu essen, wenn man spürt das es juckt und an schwillt. So entsteht eine positiv Feedback an das Immunsystem und der böse Apfel wurde erfolgreich bekämpft. Das Immunsystem scheint sich diesen Erfolg zu merken und reagiert beim nächsten Versuch halt wieder exakt so, der Mensch auch - Apfel weg und wieder positives Feedback. Solches 'probieren' stärkt die vermeintlich richtige Abwehrreaktion unserer Körpers und führt zu einem fatalen Ergebnis. Ich bin allerdings kein Facharzt, das ist nur eine These die ich vertrete.

"Neuere Apfelsorten"
Bei vielen neuen Apfelsorten die im Supermarkt liegen, reagiere ich allergisch. Doch zum Glück wachsen bei uns auf dem Hof "alte Sorten", Äpfel die noch nicht resistent gegen mich sind. Ich bin jetzt schon gespannt wann mir der erste Genmais im Hals stecken bleibt.

Wein
Auch Wein kann Niesanfälle auslösen. Aldi, Edeka, Rot oder Weißwein, selbst von einem "Weinfachhandel" - die Flasche und das Etikette können meinem Immunsystem nicht schmeicheln. Ich reagiere meistens allergisch.
Nur ganz wenige Weine kann ich ohne Probleme genießen. Sollte ich dazu nähere Erkenntnisse gewinnen, teile ich sie gern mit. Doch im Moment hab ich die Nase (sprichwörtlich) voll davon :)

Gewürzmischungen
Chips, Cracker, Fertigsuppen und Fertiggerichte. Viele Gewürzmischungen lassen mich nicht ruhig schlafen. Atembeschwerden, trockener Hals und dementsprechend auch ein sehr wenig erholsamer Schlaf. Man muss schon sehr methodisch darauf achten was man isst, um die Übeltäter zu isolieren. Aber auch hier scheint mir die Faustformel, je "NEUER" die Gewürzmischung desto größer die Chance eine allergische Reaktion aus zu lösen.

Niesanfälle.
Beispiel: Ich komme aus dem Garten und setze mich ins Haus, weil die Nase dicht ist.
Dort setze ich mich vor den PC, es wird besser.
Wenn ich dann Niesen muss kommt es häufig zu regelrechten Niesanfällen.
Dies wird vermutlich ausgelöst durch Pollen in den Haaren und der Kleidung die beim Niesen aufgewirbelt werden.
Wenn wir die Kleidung wechseln und nach einem Tag im Garten die Haare waschen, bleibe ich verschont.

Überhaupt sind Haare, Bart und Kleidung tolle Pollenfänger. Leider auch die Kleidung und Haare des Partners o. der Partnerin.

Ich hoffe ich konnte ein paar Tipps geben, wie man in dieser Zeit als Allergiker überlebt.
[letztes Update: 5.5.2011 ]

Mit leicht verschnupften Grüßen,
yours truly