Ein Dienstag

(Satire - yt 1996)

Ein Dienstag

Kapitel (Chapter) 1.

Es war Dienstag, einer wie tausende die ich schon erlebte. Alles fing ganz harmlos an. Mit einem winzigen Unterschied.
Der Wecker klingelte, es war Dienstag. Ich lief über den kalten Holzfußboden mit kleinen, schnellen Schritten, denn es war Dienstag. Ich lief in die Küche , den Kaffee hatte ich schon vorbereitet, am Montag. Kaum eine Minute später hörte man das Spotzen und Gluckern. Es war Dienstag auch in meinem Badezimmer. Die Rasur wurde glatt, der Atem frisch, die Haare fein säuberlich nach Hinten gekämmt und zu einem Zopf gebunden. Dienstag frühstückte ich immer allein, denn meine Frau war schon unterwegs in ihre Boutique. Draußen schien die Sonne und erfüllte die Stadt mit langen Schatten kleiner Leute, die ich aus der 5. Etage erblicken konnte.
Dienstags war eigentlich auch nie ein besonderer Tag. Ich schaltete den Fernseher ein um zu sehen was an einem Dienstag Morgen schon alles passiert war. Es war Dienstag 9:05. Ich schaltete mitten in die Nachrichten.

Akt (Act) 2.

Wie ein Lauffeuer ging es durch die Welt. Außerirdische waren zu Besuch. Ich schaute auf den Kalender, doch es war Anfang September. Der April war vorbei. Ich schaltete um auf einen anderen Kanal. Doch auch dort gab es die gleichen Nachrichten. Es waren tatsächlich Besucher bei uns.
Anders als in jedem schlechten Film landeten sie jedoch nicht in den USA, sondern mitten auf einer kleinen Insel, bei einer wenig technologisierten und kaum bedeuteten Kultur dessen Name ich zuvor noch nie gehört hatte. Ein Kontakt mit den uns bekannten Telekommunikationsmitteln war bisher nicht zustande gekommen. Daher bemühten sich alle Staaten sofort darum, eine Delegation zu entsenden um die Gäste Willkommen zu heißen. Live Reportagen rund um die Uhr, wurden angekündigt und jede Information würde garantiert nicht verschwiegen. Das alles erfuhr ich aus dem Fernsehen. Mein Frühstück hatte ich zeitlich überzogen, ohne wirklich gegessen zu haben. So ging ich am Dienstag Morgen um 10:15 Uhr hungrig zur Arbeit.

Szene (Scene) 3.

Jeder sprach an diesem Dienstag von nichts anderem als den Aliens. Wie sie aussahen, wie sie kommunizierten, welche Kleidung und Waffen sie trugen. Irgendwer wusste immer etwas mehr. Wirklich jeder schien plötzlich Spezialist zu sein in Ufo´logie. Geduldig hörte ich zu. Ich erfuhr welche Absichten sie hatten,von woher sie kamen, welche wundersamen Kräfte sie einsetzen konnten, wenn sie wollten. Einer behauptete sogar ihnen im Urlaub schon mal begegnet zu sein. Heftige Diskussionen brachen in der Mittagspause aus. Welch ungeheuren Fortschritt wir zu erwarten hätten. All unsere Maschinen wären dann unnötig. Arbeiten würde dann bald auch niemand mehr. Biomechanische Roboter würden alles erledigen. Waffen und Kriege wären dann natürlich sinnlos, wir wären ja bald eine vereinigte Erde. Gegen jede Übel wurde eine Außerirdische Technik gefunden. Aus den Nachrichten im Radio erfuhren wir dass die Delegation Kontakt aufgenommen, an diesem Dienstag, gegen 13:45 Uhr.

Klappe und Action (Take) 4.

Der Dienstag wollte nicht enden. Kaum einer ging seiner Arbeit nach, 4 unserer Kollegen kündigten mit den Worten:“Diese veralterte Technik behindert unsere Zukunft.“ Unsere Firma stellte nun schon seit 25 Jahren Klopapier her, und ich konnte mir bisher nie etwas anderes Sinnvolles als Ersatz vorstellen. Selbst jene Anhänger eines Bidet kauften auch Klopapier. Ich war mir sicher dass meine Branche von keinem Alien für nutzlos erklärt werden würde. Immerhin waren wir mit der Verwendung von Altpapier Umweltfreundlich noch dazu.
Die ausgesandten Delegationen waren immer noch in geheimer Mission. Und auch wenn es noch keine neuen Fakten gab, an Gerüchten mangelte es nicht. Eine Invasion blieb Gottlob bislang aus. Dafür fing es jedoch zum Feierabend hin an zu Regnen. Wofür jeder Verständnis hatte. Auch wenn die Aliens das Wetter manipulieren konnten, war es wichtig das Ökologische Gleichgewicht nicht zu stören. Schön dass die Aliens so vernünftig waren und es am Dienstag zum Feierabend hin Regnen ließen.

Kurz vor Schluss (Not the End) 5.

Es war Dienstag Abend, als die Delegation wieder zurück geflogen wurde. Bis dato gab es noch keine Fotos, keine Technologien, keine Wunder, keine Waffen, oder irgendwelche Kräfte die wirkten. Es regnete immer noch. Dafür gab es Unmengen an Gerüchte, die kein Ende nehmen wollten. Meine Frau schien auch nicht sonderlich beeindruckt. Wir diskutierten auch nicht viel über dieses Thema. Sie erzählte mir wohl aber, dass nahezu jeder Kunde möglichst auffällige, aber besänftigende Kleidung haben wollte. Und dass es an diesem Dienstag besonders viele Kunden waren. Dann machten wir den Fernseher an.
„... Pressekonferenz der Delegation vereinter Völker und Nationen wird gegen 20 Uhr Mitteleuropäischer Zeit ausgestrahlt. Live bei uns. Und nun zum Wetterberic... -klick-
„Ich mach uns derweil ein Hawaii Toast, ist das OK?“, fragt sie mich.
„Ja gern, aber mach dir nicht zu viel Umstände, es ist ja nicht Sonntag.“,sagte ich, denn es war ja Dienstag.

Das Ende (The End) 6.

„Ich bitte um Ruhe“, sagte eine amtlich tönende Stimme im Fernsehen. Es war kurz nach Acht, und der Hawaii Toast schmeckte hervorragend. „Meine Damen und Herren, es spricht nun zu Ihnen der gewählte Präsident der vereinten Völker und Nationen.“, hörten wir. Dann räusperte sich der Präsident, betrat das Podium und sprach mit gesenktem Haupt:“Um es kurz zu machen, uns wurde unmissverständliche klar gemacht, und die eindringliche Botschaft überbracht, dass wenn wir nicht binnen 5 Jahre, von Heute an gerechnet, unseren Weltraumschrott wieder einsammeln, wir die Konsequenz eines solaren Energieentzuges tragen müssen. Dies würde für die Menschen auf unserer Erde, eine neue Eiszeit bedeuten und das Ende allen Lebens so wie wir es auf der Erde kennen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Gute Nacht.“
Ich dachte noch lange darüber nach. Irgendwie hatten wir großes Glück gehabt. Ob Sommerzeit oder Eiszeit, Klopapier würden die Menschen immer benötigen.

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