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Mein Leben ohne Gas

Mein Leben ohne Gas
yt 06.01.2009, rev4.1.13: 14.01.2009 Satire / Prosa

Mein Energielieferant informierte mich soeben telefonisch davon, dass ich und einige andere, zu den Auserwählten des Pilotprojektes: „Mein Leben ohne Gas.“, gehörten. Ich gebe es hier nur sinngemäß wieder, die Lage war etwas ernster, was sich bemerkbar machte an der Ankündigung einer Gutschrift und Rückbuchung geleisteter Vorrauszahlungen. Wenn ein Energiemonopolist freiwillig Geld her gibt, ist die Lage dramatischer Ernst. Das war mir sofort in den Sinn gekommen. Doch vorerst ließ mich diese Ankündigung wortwörtlich kalt.


"Sibirischer Winter" - waren noch wärmende Worte,
die jemand zu dem Thema Klima im Norden zu sagen wusste.

Ein Piepston aus dem Keller, der Ofen war aus.

Niedersachsen gehört durchaus zu den fortschrittlichsten Regionen in Europa. Viele meiner Nachbarn haben Erdwärme Niedertemperatur Heizungssysteme, Kachelöfen, Pelletheizungen und einige Schlaumeier sind bei Öl geblieben. Sonnenkollektoren und ein fahrbares Wohnklo mit Heizlüfter runden das Portfolio unserer Dorfgemeinschaft ab. Gerade erst hatte ich für unseren dänischen Ofen einen Klafter Holz vorbereitet, denn die Wettervorhersage überschlug sich mit Horrormeldungen. Sibirischer Winter waren noch wärmende Worte, die jemand zu dem Thema Klima im Norden zu sagen wusste.

Das Ganze dauerte bis der Piepston der Heizungsanlage die Synapsen auf Trab brachte und meine Muskeln zum Kellergang aufforderten. Ich stellte die Anlage mit dem Betriebsschalter auf AUS. Sicher, Krankenhäuser und Öffentliche Einrichtungen mussten bevorzugt beliefert werden, aber 5 Minuten vorher anzurufen, das war in der Tat auch für einen Blitzmerker wie mich etwas kurzfristig. Ich machte mir einen Kaffee. Wie gut das Kaffee auf dem Herd auf brühen aus der Mode gekommen war. Freudig entnahm ich der Espresso Maschine mein Heissgetränk und setzte mich hin.

Es konnte nur ein Witz sein. Ich schnappte mir erneut das Telefon und rief meinen Nachbarn an. Da war keiner. Ich versuchte es erneut mit der anderen Himmelsrichtung, Hausfrau mit 2 Kindern steigerten die Chancen. Tatsache, auch sie hatte den Anruf bekommen, und war etwas grantiger, denn halb gares Gemüse bereitet Bauchschmerzen. OK, was sie denn nun tun wolle, fragte ich mal ganz salopp. Abwarten und Tee trinken bis der Herr des Hauses kommt. Gute Idee, ich prostete ihr mit meinem Kaffee fernmündlich zu.

Kaum legte ich auf bekam ich den gleichen Anruf. Nein, natürlich einen anderen. Aber mit gleichem Inhalt und vertauschten Rollen, ... nur das ich keine 2 Kinder habe. Der Abend kam und ging, der dänische Ofen wurde Nonstop mit Holz versorgt und die Wohnung blieb bis auf wenige Nebenräume wohl temperiert. Internet und Fernsehen berichteten von obskuren Geschäftsleuten und Pipelines die alle nicht ganz dicht zu sein schienen. Vor 30 Jahren hatte ich mir das Jahr 2010 anders vorgestellt.

Am nächsten Morgen zog ich bibbernd ums Haus, ging zum Schupppen und fing an Nachschub für unseren gefrässigen Dänen zu holen, der darauf brannte uns vor garstigen Eisblumen zu schützen. Mein Nachbar hatte ähnliche Gedanken. Wir redeten uns eine weile warm, bis ich auf die Idee kam zu fragen warum er nicht zur Arbeit ging. Es erschien mir durchaus logisch, dass man ohne externe Wärmezufuhr kein Metal gebogen, geschweige denn ordentlich platt gewalzt bekommt. Ich wünschte ihm geruhsame Tage bei seiner Frau und den Kindern, was er mir mit bösen Blicken dankte.

Ich schleppte meinen Holzkorb in die warme Stube, da klingelte das Telefon. Mein Dorfelektriker startete eine Rundrufaktion, ob ein Kanister Benzin zu haben wäre. Die Tankstellen hätten gestern Abend schon kein Gas mehr gehabt. Klar wenn, er ein Liter zahlt kann er einen halben bekommen, als Entschädigung für jahrelanges Lachen an der Zapfsäule. Der Witz ging auf Kosten des Hauses meinte er und wir einigten uns auf Einkaufen mit seinem Wagen.
Dank der Sprithalbierungsaktion kamen wir zu spät. Schlicht weg zu spät für Alles. Es gab keine Gasflaschen, Gaskatuschen, Feuerzeugbutan und ein Witzbold hatte auch gleich alle Feuerzeuge und Streichhölzer aufgekauft. Grillkohleanzünder waren aus, Saison bedingt. Das Jahr fing gut an. So fuhren wir erfolglos nach Haus, und harrten der Dinge die da kommen sollten.
Das Warten hätte ich gern länger genossen.

Unser Telefon, Maßstab und Pfeiler dieses Zivilisationstheaters, klingelte. Mein Stromversoger rief mich an, postalisch wäre zu teuer gewesen und zudem handle es sich um einen Notfall. Urkomisch, es ist der gleiche Konzern der mir das Gas in diesem Moment verweigert, was will er noch?
Der Strom werde in Kürze abgestellt, aus Sicherheitsgründen müssten mit Strom betriebene Heizungsanlaagen die Gas oder Öl verbrennen, abgestellt werden.
Kennen Sie den Moment der Eheschliessung, den Zeitpunkt an dem man Ja sagt? Und nachher weiß man gar nicht mehr so recht ob man „Jaaa“ oder „Ja!“ gesagt hat? Ich muss wohl Ja gesagt haben, dann sowas wie: „... haben ja kein Gas mehr.“. Danach gingen die Lichter aus. Mein Strom und Gas Lieferant, ist auch mein Telefonanbieter. Daher war ich mir sicher, wenn es wieder funktionierte, würden sie mich sicher auch davon informieren.

Im Nachhinein kann man furchtbar darüber lachen. Und noch heute fragen wir uns was zuerst da war, die Henne oder das Ei. So genau weiß es keiner mehr. Sie kennen das, erst wird einer krank, dann alle, dann braucht einer einen Gaskocher, dann alle. Einer bleibt zu Haus um Frau und Kinder zu versorgen, dann bleiben alle zu Haus. Ein Betrieb schließt weil der Krankenstand zu hoch ist und die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist, dann schließen alle. Die kalten Duschen war nur so lange gesund bis das Fehlen der Fußbodenheizung dem Wort Gefrierbrand Flügel verlieh.

Passiert, - schwamm drüber. Nun denken wir darüber nach, ob wir einen Baum Pflanzen sollen um, für schlechte Zeiten vor zu sorgen. Und wenn das Telefon dann nicht mehr funktioniert, können wir immer noch auf Holz klopfen.

Herzlichen Dank, für die Korrekturlesung, an Christina, Probber, Mir und denLars.

Kommentare

Huhu!
Wie witzig. Benutze den Nick Y.T. auch schon seit Ewigkeiten. :)

Allerdings MIT Punkten. ;)

Ich freue mich einen virtuellen Namensvettern zu sehen :-)
Genaueres über die Entstehung des Nicknames hier -> http://yours-truly.de/node/48

Mit heftigem Gruß,
yours truly

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