LOOT | Laget Om On Tour 2010

Jetzt auch erstmals in HighDefinition. Sollte eure Internet Verbindung schnell genug sein, wählt im Video Fenster unten rechts eine höhere Auflösung aus.

1. Der Videodreh

Es ist ein großer Unterschied ob man einen Plan hat, ob man eine Feier filmt an der man selbst nur "wenig" oder gar nicht teilnimmt und nur filmt, oder ob man selbst involviert ist. In letzterem Falle kann man davon ausgehen selbst nicht mit im Bild zu sein, es sei denn man nutzt kleine Tricks.
Spiegelungen, Stativ, Fernbedienung oder Freihand mit Weitwinkel die Kamera neben sich her führen.
Letzteres ist im Film bei der Nachtwanderung zu sehen, ab der Minute 04:00
Ist man selbst involviert, hat man es schwer. Die Party wird zum Teil doch erheblich gestört. Zudem erlebt man alles doch ganz anders, verpasst gute Gelegenheiten und ist mit Gedanken woanders.

2. Sichtung des Materials
Ich hatte etwa 60 Minuten Material aus zwei Tagen, ca. 3 GB AVCHD Material. Eine erste grobe Auswahl reduzierte das Gefilmte auf etwa 30 Minuten. 2,1 Gb an AVCHD Material.

TIP 1: Vom Groben ins Fein arbeiten. Alles was nicht auf Anhieb gut erscheint, erstmal aus dem Projekt raus halten.

TIP 2: Keine Witze versuchen zu konservieren, die sich nicht direkt vor der Kamera und im Film zeigen/hören lassen!
"Ach das war gut, schade das der nicht ganz drauf ist" - bedeutet - weglassen. Raus damit)

Verzichtet auch darauf, per Untertitel, etwas zu erklären.

3. Import nach Kdenlive

Per Drag and Drop hab ich das Material aussortiert, in einen Projektordner, und genauso importierte ich nach Kdenlive, einfach per Drag n Drop. Danach selektierte ich alle Clips und mit einem Rechtsklick auf Transkodieren DNxHD 1920x1080 120mbit. Das dauert eine Weile und die Dateien werden nun verdammt groß. Aus 2,1 GB AVCHD Material wurden so knapp 60 Gigabyte.

TIP 3: Projekt und Arbeitsdaten auf einer zweiten, internen und schnellen, Festplatte. Nicht auf der Systemfestplatte arbeiten. Die Festplatte wird im Verlauf der Arbeit stark beansprucht.

Das Transkodieren ist notwendig um an einem Heimcomputer die Videodateien und Vorschau möglichst flüssig ab zu spielen. Zudem lässt sich AVCHD aufgrund der bFrames nur schwer Schneiden. Das nötigt der Software dann einiges ab. Kdenlive scheint mir dafür nicht geeignet. Sony Vegas kann das schon bedeutend besser.

4. Zusätzliches Material

Mit gtk-recordMyDesktop nahm ich noch zusätzliches Material auf. Als Screencaptur, oder auch Framgrabber Software ist nach vielen Tests, recordMyDesktop erste Wahl. Tip 3 gilt auch hier. Stets auf eine "nicht Systemfestplatte" aufzeichnen und codieren lassen.
So entstanden auch die World of Warcraft Szenen. Die Ideen wurden nach mehrmaligen Ansehen des ersten groben Vorschnitts immer weiter verfeinert.

5. Musik und Ton
Eine Geschichte zu erzählen oder einem Video einen Rahmen verpassen benötigt einen Anfang, einen Aufbau, einen Haupteil, evtl einen oder mehrere Höhepunkt die sich akustisch wiederspieglen und natürlich ein Ende.
Nach der Sichtung des Materials, und einem wirklich groben Vorschnitt, sollte ab zu sehen sein, wieviel Minuten benötigt werden. Ein kurzer Abriss in Stichpunkten kann dann so aussehen:

Start: Anfang mit Schriften erste Eindrücke worum es geht
Aufbau: Einführung des Ortes und Personen
Mittelteil: Handlung
Ende: Abschiedsstimmung
Abspann: Ausblenden

Nach so einem groben Schema, entwarf ich die erste Komposition, wiederholte ein Thema, variierte es ein wenig und führte es zu einem Ende. Nach mehrmaligem hören mit den Bildern, bemerkte ich rasch, dass das Schlagzeug in den ersten Versionen viel zu dominant war und Anfing zu nerven. Es waren tolle Rythmen dabei, aber sie lenkten zu viel Aufmerksamkeit weg von den Bildern. Außerdem wollte ich den Originalton in einigen Szenen behalten. Dort mussten ruhige Passagen nur begleitend in den Hintergrund. Ein aufdringlicher Rythmus hätte die Bilder zerstört.

Tip 5: Weniger ist mehr, leise Töne lassen Raum für Bilder.

Tip 6: Nicht jeder hat die Möglichkeit seine Musik selbst zu komponieren. Es gibt GEMA Freie Musik, oder auch Musik die als Creative Common Lizense in ein nicht kommerzielles Projekt genommen werden darf. Wer seinen fertigen Clip in das Internet stellt muss sicher sein, dass er später nicht wegen Urheberrechtsverletzungen abgemahnt wird.

6. Workflow
Hat man beides, Ton und Bild, wirklich nur grob angefertigt, beginne ich meist mit Schlüsselszenen.
Diese schiebe ich dorthin, wo sie später in etwa auch erscheinen sollen. Dabei orientiere ich mich schon ein wenig an den Wechseln in der Musik. Schlüsselszenen sind Pointen, besonders eindrucksvolle Bilder oder auch Effektszenen wie zB der Zeitraffer, Auf und Abbau der Zelte.
Nach diesem groben zuordnen, wird vorn Angefangen, und jede Szene Stück für Stück auf den Punkt gebracht.

Tip 7: Wenn eine Idee nicht richtig funktioniert, lieber eine Nacht drüber schlafen, oder die Idee auf ein späteres Projekt verschieben, als sich daran festbeissen.

7. Ameisenfickerei
Schönheitsfehler, fehlende Effekte, besondere Nachvertonungen ... der Zeitaufwand, ein projekt "Perfekt" zu machen, kann bis in das unendliche getrieben werden. Man kann an jeder Ecke noch feilen und sich steigern. Als Kreativer probiert man neue Ideen aus und möchte sich austoben.

Tip 8: "Nicht alles Pulver in ein Projekt schiessen"

Manche Dinge sind einfach gut genug und Laien bemerken die Unterschiede in den seltensten Fällen.
Zuviele Effekte lenken vom Thema ab. Ein Zuschauer möchte gern etwas Erwarten und diese Erwartung früher oder später bestätigt sehen. Man sollte Clips nicht produzieren um sich selbst zu befriedigen, sondern um den Inhalt zu transportieren. Dabei stets die Devise: Lieber ein gutes Video fertig produzieren, statt einem, möglicherweise super perfekten, turboaffengeilen, Video das nie fertig wird, weil irgendwas noch fehlt oder nicht ganz perfekt ist.

Tip 9: Je öfter man kleine Projekte zum Ende bringt, um so mehr Erfahrung und Routine gewinnt man für kommende Projekte.

Zu der Technik, dem Ausspielen auf HD nach YouTube und wie man Dateien konvertiert, im nächsten Projekt.
Ich hoffe ich konnte den ein oder anderen nützlichen Tip geben und wünsche gute Unterhaltung.

Mit filmreifen Grüßen,
yt

Kommentare

ist absolut brilliant, witzig, süffisant und schön konzipiert und mit sehr vielen liebevollen Details und Überblendungen ausstaffiert. Danke dafür, ich bin schwer beeindruckt und gut unterhalten!

Alles wird gut, außer Tiernahrung.

Lg,

Gris

... und gerne wieder.

"mit sehr vielen ... Überblendungen"
... mir war so als wäre hier eine Spur Sarkasmus ... :)

Mit weich geschnittenen Grüßen,
yt

Jetzt ist der Bogen endlich MEIN...aber ein echt schönes Video!

hab den Bogen raus. :)
...

Mein erster Eindruck dieses Videos: Es hat mich sprachlos gemacht. Klasse Schnitttechnik, passende und schöne Musik, witzig und sehr professionell.

Das mach Hunger auf Mehr!

war echt nen Glückswurf. Ich hab das Stück an einem Nachmittag durch komponiert und mich mit den Scenen grob daran orientiert. Es freut mich sehr dass sie einem Grufti wie dir gefällt :)

Mit düsteren Grüßen,
yt

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